MEP Mag. Roman Haider: Neues EU-Budget: Eiskalter Putschversuch der Kommission

In Zahlen gegossene Hybris einer völlig außer Kontrolle geratenen Unions-Bürokratie.

Seit letztem Jahr laufen die Verhandlungen zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen. Im Gegensatz zu den Nationalstaaten wird das EU-Budget nicht für ein sondern mehrere Jahre beschlossen; aus diesem für sieben Jahre beschlossenen Finanzrahmen werden jährliche Auszahlungen getätigt.

Der Vorschlag der Kommission zu diesem Finanzrahmen hat es in sich. Das Budget soll nicht nur massiv von 1,2 Billionen Euro auf zwei Billionen ausgedehnt werden. Insbesondere die vorgesehene Abwicklung würde der Kommission ein derartiges Ausmaß an Machtfülle geben, dass man ohne Übertreibung von einem eiskalten Putschversuch sprechen kann. Das EU-Parlament soll als Kontrollinstitution möglichst ausgeschaltet und die Nationalstaaten an die Kandare genommen werden.

Alle Mittel für die einzelnen Nationalstaaten sollen in 27 Töpfen (einer je Mitgliedsland) zusammengefasst werden. Über die Aufteilung der Mittel entscheidet die Kommission mit den Staaten. Die verstärkte Betonung des „Prinzips der Rechtsstaatlichkeit“ sowie Verpflichtung zum „Schutz der finanziellen Interessen der EU“ und der EU-Umweltstandards sollen schnellere Sanktionen und Mittelsperren ermöglichen.

Kontrolliert und festgestellt werden sollen die mutmaßlichen Verstöße von der Kommission selbst. Damit würde der Kommission das ultimative Machtmittel gegenüber den Mitgliedsstaaten in die Hand gegeben. Die Kommission könnte die Auszahlung von Mitteln entweder völlig verhindern oder zumindest über einen langen Zeitraum blockieren. Das ist völlig inakzeptabel, insbesondere wenn man das zunehmend eigenmächtige und autokratische Agieren von Kommissionspräsidentin Von der Leyen und ihrer Kommission betrachtet.

Neben diesen geradezu diktatorischen Vollmachten für die Kommission springt sofort die starke Kürzung des Agrarbudgets um 20 bis 30 Prozent ins Auge. Das passt zur bisherigen Politik einer Kommission, die sich als erklärte Feindin der Landwirte – Stichworte Mercosur-Abkommen und Green Deal – sieht. Die Bauern sind in den Augen der Kommission in erster Linie böse CO2-Verursacher. Die wertvolle und auch strategisch wichtige Aufgabe der Lebensmittelversorgung wird ebenso ausgeblendet wie die Erhaltung jahrhundertealter Kulturlandschaften.

Weiters sollen die Eigenmittel der Union deutlich aufgestockt werden. Im Klartext heißt das: neue Abgaben, die direkt der EU zufließen sollen. Besonders bedenklich ist eine neue Unternehmensabgabe, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft weiter verschlechtert. Sollte es keine neuen Eigenmittel geben, droht die Kommission mit einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Das Wort „Sparen“ existiert für die Truppe um Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen dagegen gar nicht.

Zu guter Letzt möchte die Kommission neue Schulden aufnehmen können, obwohl bereits die bestehenden, vertragswidrigen Rekordschulden das Budget durch explodierende Zinszahlungen über Gebühr belasten. Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, ist keine Stärke der EU-Kommission.

Insgesamt ist dieser Vorschlag aus meiner Sicht rundweg abzulehnen. Es ist die in Zahlen gegossene Hybris einer völlig außer Kontrolle geratenen EU-Kommission.

MEP Mag. Roman Haider (FPÖ/PFE) ist Fraktionssprecher im Verkehrsausschuss (TRAN) und Mitglied im Umweltausschuss (ENVI)

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One thought on “MEP Mag. Roman Haider: Neues EU-Budget: Eiskalter Putschversuch der Kommission

  1. Kann sich Europa solche Summen überhaupt leisten? Deindustrialisierung und ein gigantischer asiatischer Konkurrenzmarkt lassen uns alt aussehen – so sieht die Autozukunft aus:

    https://youtube.com/shorts/uRycz24orQA?is=UrU9wjiF70-chJDM

    1. Das Budget-Dilemma: Wunsch vs. Wirklichkeit

    Der aktuelle mehrjährige Finanzrahmen (2021–2027) liegt bei etwa 1,2 Billionen Euro (plus das NextGenerationEU-Wiederaufbaupaket). Die Forderung nach 2 Billionen Euro begründet die Kommission mit:

    Ukraine-Beitritt: Schätzungen gehen davon aus, dass die Integration der Ukraine die EU jährlich rund 13 bis 19 Milliarden Euro kosten könnte – allein durch Agrarsubventionen und Strukturförderung.

    Verteidigung: Nach Jahrzehnten der „Friedensdividende“ muss Europa massiv in eigene Rüstung investieren.

    Grüner Umbau: Die Transformation zur Klimaneutralität frisst dreistellige Milliardenbeträge.

    Kann sich Europa das leisten?

    Kurzfristig nur über zwei Wege: Höhere Nationalbeiträge (was Länder wie Deutschland oder die Niederlande politisch kaum überleben würden) oder neue EU-Eigenmittel (wie Plastiksteuern oder CO2-Zölle). Die Schuldenquote der EU-Staaten liegt im Schnitt bei über 82% des BIP (Frankreich bei ~115%, Italien bei ~138%). In einer Phase steigender Zinsen und schwachen Wachstums ist der Spielraum für neue Milliarden-Geschenke eigentlich gleich null.

    2. Die größten Baustellen der EU

    Die EU kämpft mit drei strukturellen Problemen, die China und Indien in dieser Form nicht haben:

    Deindustrialisierung: Durch die hohen Energiepreise wandern energieintensive Industrien (Chemie, Stahl) ab – oft in die USA oder nach China. Wenn die industrielle Basis wegbricht, fehlt das Steuergeld für das 2-Billionen-Budget.

    Regulierungslast: Während Indien „Business-First“ betreibt und China strategische Staatsplanung macht, verheddert sich die EU oft in kleinteiliger Regulierung (Stichwort: Lieferkettengesetz, KI-Verordnung), was Innovationen bremsen kann.

    Energie-Sackgasse: Europa versucht den teuersten Weg: Den gleichzeitigen Ausstieg aus Kernkraft (teils) und fossilen Brennstoffen bei gleichzeitigem Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Das ist ein historisches Experiment mit ungewissem Ausgang.

    Zukunftsaussichten

    Europa ist nach wie vor ein extrem reicher Wirtschaftsraum mit hoher Lebensqualität und exzellenter Forschung. Aber: Der relative Anteil am Welt-BIP sinkt.

    China hat die EU technologisch in vielen Bereichen (Batterietechnik, Infrastruktur) bereits überholt.

    Indien wird bis 2050 voraussichtlich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sein und die EU als Ganzes herausfordern.

    Die bittere Wahrheit: Ein 2-Billionen-Budget ist nur finanzierbar, wenn die EU es schafft, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Wenn das Geld nur in die Verwaltung des Status Quo, in die Ukraine und in Subventionen fließt, ohne dass echtes Wachstum entsteht, droht die EU im Vergleich zu den asiatischen Giganten zu einem „Freilichtmuseum mit Sozialstaat“ zu werden – hübsch anzusehen, aber ohne geopolitische Schlagkraft.

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