MEP Mag. Elisabeth Dieringer: Kärnten ist eine Top-Drehscheibe Europas

Hier spielt die Musik, wenn es um ökonomische, kulturelle oder politische Projekte geht, die zwischen der Europäischen Union, dem Mittelmeerraum und Südosteuropa stattfinden. Aus diesem Grund muss die EU in Österreichs südlichstem Bundesland gerade jetzt investieren – und zwar umfangreich.

Kärnten ist nicht ein Verkehrsrandraum Europas, sondern Österreichs Tor nach Italien, Slowenien und Südosteuropa. Mit der seit Dezember 2025 durchgehend befahrbaren Koralmbahn sind Klagenfurt und Graz für den Passagier- und Güterverkehr auf 42 Minuten zusammengerückt. Die 130 Kilometer lange Neubaustrecke mit dem 33 Kilometer langen Koralmtunnel ist Teil der Südstrecke und des Baltisch-Adriatischen TEN-V-Korridors. Damit gewinnen auch der Logistikstandort Fürnitz und die Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene an europäischer Bedeutung.

Der Karawankentunnel demonstriert dazu eindrucksvoll Kärntens Transitfunktion auch auf der Straße. Allein der Thermoscanner vor dem Tunnel erfasst täglich circa 1.200 Schwerfahrzeuge. Der Ausbau zur zweiröhrigen Verbindung erhöht Sicherheit und Kapazität auf der wichtigen Achse zwischen Mitteleuropa und dem nördlichen Adriaraum.

Zur vollständigen europäischen Anbindung gehört aber auch der Flughafen Klagenfurt. 2025 wurden dort etwa 175.000 Passagiere abgefertigt, um 27,2 Prozent mehr als 2024. Gleichzeitig benötigt der Airport eine Kapitalerhöhung von fast 12 Millionen Euro. Ein leistungsfähiger Regionalflughafen wie der Klagenfurter ergänzt Bahn und Straße, sichert touristische und wirtschaftliche Nutzbarkeit und ist insgesamt unverzichtbarer Teil dieses multimodalen Verkehrsknotens.

Der Verkauf von fast 75 Prozent der Flughafenanteile an die Wiener Lilihill-Gruppe im Jahr 2018 und der spätere Anteilsrückkauf über die Kärntner Beteiligungsverwaltung (K-BV) sind deshalb mehr als eine Eigentumsfrage, denn es geht um die strategische Kontrolle zentraler Infrastruktur durch die Kärntner und ihre Wirtschaft. Ein FPÖ-Untersuchungsausschuss will Vergabeverfahren, Bewertung und Kaufpreis, Investitionszusagen, Call-Optionen, Grundstücksgeschäfte, öffentliche Zuschüsse sowie mögliche politische Einflussnahmen prüfen.

Vieles ist im Förderbereich passiert: Im Programm Interreg Italien–Österreich werden 2021 bis 2027 rund 91,34 Millionen Euro bereitgestellt, davon etwa 73 Millionen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Das am 6. Juli 2026 abgeschlossene Kooperationsprojekt CEDRIC betrifft zwar Landwirtschaft und Biodiversität, zeigt aber grundsätzlich, wie grenzüberschreitende Kooperation funktionieren kann.

Kärnten muss seine Eigendarstellung in EU-Europa forcieren und den EU-Förderdschungel noch stärker für Mobilität, Logistik und Erreichbarkeit durchforsten. Wenn es gelingt, sich über EU-Förderprojekte sein Geld zurückzuholen, käme Kärnten fast plus minus Null aus der ganzen EU-Geschichte. Denn Österreich hat seit seinem EU-Beitritt bis Ende 2024 schätzungsweise rund 71 Milliarden Euro in den EU-Haushalt eingezahlt. Rein nach dem Bevölkerungsanteil hochgerechnet, entspräche Kärntens Anteil ungefähr 4,4 Milliarden Euro, die es mitgetragen hat. Das wiederum sind deutlich mehr als die über zwei Milliarden Euro, die laut SPÖ-Kaiser im Jänner 2024 als Fördergelder zurückgeflossen sein sollen.

Mag. Elisabeth Dieringer ist Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO), Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM), sowie stv. Mitglied im Ausschuss für Kultur und Politik (CULT).

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert