
Vor dem Hintergrund der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten und der eindringlichen Warnung von EU – Energiekommissar Dan Jørgensen vor der „schwersten Energiekrise aller Zeiten“ sieht die freiheitliche EU-Abgeordnete Petra Steger die Kritik an der europäischen Energiepolitik einmal mehr bestätigt.
„Wenn selbst ein EU-Kommissar mittlerweile vor einer historischen Energiekrise warnt, dann zeigt das schonungslos, wohin die fehlgeleitete Energiepolitik der EU geführt hat. Versorgungssicherheit und leistbare Energie wurden leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, so Steger.
Die aktuellen Entwicklungen rund um den Iran-Konflikt würden die strukturellen Schwächen der europäischen Energieversorgung offenlegen: „Anstatt auf stabile und verlässliche Partnerschaften zu setzen, hat die EU aus ideologischen Gründen funktionierende Energiebeziehungen gekappt und sich damit in eine gefährliche Abhängigkeit von geopolitischen Krisen begeben.“
Besonders alarmierend seien die wirtschaftlichen Folgen: „Steigende Energiepreise, drohende Engpässe und ein massiver Wettbewerbsnachteil für unsere Industrie sind die direkte Konsequenz dieser Politik. Die Leidtragenden sind einmal mehr die Bürger und Betriebe in Europa.“
Steger fordert daher ein sofortiges Umdenken: „Europa braucht eine Energiepolitik mit Hausverstand. Versorgungssicherheit, leistbare Preise und die Stärkung des Industriestandorts müssen wieder oberste Priorität haben – nicht ideologische Experimente.“
Abschließend betont Steger: „Diese Krise ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen. Es ist höchste Zeit, im Interesse der eigenen Bevölkerung gegenzusteuern.“
Petra Steger ist Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) und stv. Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE).
Wer füttert den Staat? Das Fundament unserer Wertschöpfung
Hinter jedem Euro, den der Staat für Infrastruktur, Soziales oder Bildung ausgibt, steht ein Prozess der realen Wertschöpfung. In einer modernen Volkswirtschaft wie Deutschland oder Österreich ist dieser Prozess traditionell wie eine Pyramide aufgebaut, an deren Basis die Industrie steht.
1. Der Motor: Die Industrie als Primär-Wertschöpfer
Die Industrie (Sekundärer Sektor) nimmt Rohstoffe und Energie, um daraus komplexe Güter – Maschinen, Autos, Chemieprodukte – zu fertigen. Hier entsteht der größte Mehrwert: Ein Stück Stahl ist wenig wert, ein präzisionsgefertigtes Getriebe ein Vielfaches.
Exportkraft: Industrieerzeugnisse sind international handelbar. Sie bringen „frisches“ Geld aus dem Ausland in den heimischen Kreislauf.
Steueranker: Nicht nur die Unternehmenssteuern fließen an den Staat, sondern vor allem die Lohnsteuern der Millionen gut bezahlten Facharbeiter.
2. Die Dienstleister: Symbiose statt Eigenständigkeit
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine reine Dienstleistungsgesellschaft (Tertiärer Sektor) den Lebensstandard halten kann.
Abhängigkeit: Ein Großteil der produktiven Dienstleistungen (Logistik, IT-Beratung, Wartung) existiert nur, weil es eine Industrie gibt, die diese Dienste einkauft.
Der Friseur-Effekt: Wenn der Industriearbeiter seinen Job verliert, geht er nicht mehr zum Friseur, ins Restaurant oder zum Steuerberater. Dienstleister verteilen oft nur das Geld um, das zuvor in der Industrie erwirtschaftet wurde.
Die Energiekrise: Ein hausgemachtes Problem?
Die Warnung der EU-Kommission kommt nicht von ungefähr. Der Industriestandort Europa basierte jahrzehntelang auf einem einfachen Modell: Hochwertige Ingenieurskunst kombiniert mit günstiger Energie.
Das Energie-Dilemma
Durch den Wegfall des günstigen russischen Erdgases und eine gleichzeitig restriktive Energiepolitik sind die Grenzkosten der Produktion in Europa massiv gestiegen.
Wettbewerbsnachteil: Wenn Energie in den USA oder China nur einen Bruchteil kostet, wandern energieintensive Branchen (Chemie, Stahl, Glas) ab.
Sanktionsfolgen: Während die Sanktionen politische Ziele verfolgen, wirken sie ökonomisch wie ein Bumerang, da die Ersatzbeschaffung (z. B. LNG aus den USA) teurer und logistisch aufwendiger ist.
Die Landwirtschaft zwischen den Fronten
Die Landwirtschaft ist heute hochgradig technisiert und damit ebenfalls von der Industrie (Dünger, Maschinen) und Energiepreisen abhängig. Handelsabkommen wie Mercosur (Südamerika) setzen lokale Bauern unter Druck:
Sie müssen europäische Umweltstandards erfüllen, konkurrieren aber auf dem Markt mit Importen, die diese Auflagen nicht haben.
Dies führt zu einer Erosion der Ernährungssouveränität.
Was passiert, wenn die Industrie stirbt?
Wenn der industrielle Kern wegbricht, setzt eine Abwärtsspirale ein, die kaum zu stoppen ist:
Einnahmenverlust: Dem Staat fehlen die massiven Steuereinnahmen der Großbetriebe und ihrer Zulieferer.
Sozialsysteme unter Druck: Mehr Arbeitslose bei gleichzeitig sinkenden Beiträgen führen zu Haushaltslöchern.
Währungsverfall & Inflation: Wenn ein Land nichts mehr exportiert, verliert seine Währung an Wert (oder die Kaufkraft sinkt im Euro-Raum durch mangelnde Wettbewerbsfähigkeit).
Infrastrukturzerfall: Geld für Brücken, Schienen und Schulen wird gestrichen, was den Standort noch unattraktiver macht.
Der Wohlstand des Staates ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis einer funktionierenden Kette von Rohstoffverarbeitung zu Hochtechnologie. Dienstleistungen können den Verlust der industriellen Basis nicht kompensieren, da ihnen das exportierbare Produkt fehlt. Ohne eine Korrektur der Energiepolitik und eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Realwirtschaft droht Europa der Abstieg zum „Museum der Welt“ – hübsch anzusehen für Touristen, aber ohne eigene ökonomische Gestaltungskraft.
https://www.isst.fraunhofer.de/de/publikationen/pressemitteilungen/2025/zukunft-industrieller-wertschoepfungssysteme.html
Die Folgen des Industriesterbens wurden bestens soziologisch dokumentiert:
Die Arbeitslosen von Marienthal
Die Arbeitslosen von Marienthal
Ein Meilenstein der Sozialforschung
Die richtungweisende Studie ist schon vor einem dreiviertel Jahrhundert zu dem klaren
Befund gekommen, dass lang andauernde Arbeitslosigkeit Menschen apathisch und
resignativ macht. An dieser Erkenntnis hat sich bis heute im Wesentlichen nicht viel
geändert.
Die niederösterreichische Arbeitergemeinde Marienthal – eine halbe Zugstunde
südöstlich von Wien gelegen – war mehr noch als andere Ortschaften von der
Katastrophe betroffen. Im Februar 1930 schloss die große Marienthaler Textilfabrik ihre
Pforten. Die Folge: Praktisch der ganze Ort war arbeitslos. Drei Viertel der 478
Marienthaler Familien waren ohne Arbeit und Brot.
Der Verlust des Arbeitsplatzes führt, anders als von vielen linken Theoretikern der
frühen 1930er Jahre erwartet, nicht zu einer nach links gehenden Radikalisierung,
sondern zu Apathie, Hoffnungslosigkeit und Depression.
In dieser Situation trat ein Team junger Sozialwissenschafter rund um Paul Lazarsfeld,
Marie Jahoda und Hans Zeisel auf den Plan: Zusammen mit einem guten Dutzend
junger Forscherinnen und Forscher – allesamt aus dem Umfeld der österreichischen
Sozialdemokratie stammend – erarbeiteten sie ihre berühmte Studie „Die Arbeitslosen
von Marienthal“, ein Werk, das die Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhundert
maßgeblich mit beeinflusst hat.