
Zwischen Brüsseler Programmatik und gelebter Realität klafft eine Lücke, die sich mit Hochglanzbroschüren nicht schließen lässt.
Die EU träumt groß: Mit Erasmus+ soll Lernmobilität für alle zum Standard werden – finanziert mit 26,2 Milliarden Euro bis 2027. Ein nobles Ziel. Doch zwischen Brüsseler Programmatik und gelebter Realität klafft eine Lücke, die sich mit Hochglanzbroschüren nicht schließen lässt.
Denn wer zahlt die Reise, wenn das Geld schlicht nicht reicht? Gestiegene Energie- und Transportkosten, explodierende Mietpreise, sinkende Kaufkraft in den Familien – all das sind keine Naturkatastrophen, sondern Folgen einer verfehlten EU-Politik. Derselbe Green Deal, der das europäische Leben teurer gemacht hat, wird nun mit dem Label „nachhaltiges Reisen“ auch ins Erasmus+-Programm hineingepresst. Eine Ironie, die sich Studenten kaum leisten können.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 67 Prozent der Studieninteressierten weltweit nennen Lebenshaltungskosten als zentrale Sorge. In Österreich steckte 2025 jeder vierte Student in finanziellen Schwierigkeiten. Höhere Zuschüsse mögen das Problem lindern – beheben können sie es nicht, solange die strukturellen Ursachen unangetastet bleiben.
Bildungsmobilität ist kein Luxus, sondern eine gesellschaftliche Investition. Aber Investitionen brauchen tragfähige Grundlagen. Wer Europa wirklich zusammenbringen will, muss zuerst dafür sorgen, dass sich Europäer das alltägliche Leben wieder leisten können. Bildung? Ja – aber zu einem bezahlbaren Preis.
Mag. Elisabeth Dieringer ist Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO), Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM), sowie stv. Mitglied im Ausschuss für Kultur und Politik (CULT).