MEP Petra Steger: Eiskalter Brennpunkt internationaler Politik

Grönlands Zukunft sollte von den Grönländern entschieden werden.

Es ist eiskalt dort oben, jenseits des Polarkreises. Bis zu 28 Grad unter Null zeigt das Thermometer für Pituffik im Februar, Temperaturen bei denen der Mensch allein mit der Frage nach dem Überleben schon vollkommen ausgelastet ist. Doch Pituffik liegt nicht irgendwo in Kanada, Sibirien oder Alaska sondern in Grönland und das macht den kalten Ort zu einem der heißesten Flecken internationaler Politik.

Denn Grönland ist ein autonomes Gebiet des dänischen Königreichs und Pituffik eine, wenn nicht sogar die größte, Militärbasis im Polarkreis. Heute versehen auf der “Pituffik Space Base” 150 Soldaten ihren Dienst, im Kalten Krieg waren es über 6000 Männer, die im ewigen Eis die erste Verteidigungslinie der Vereinigten Staaten in der Arktis bildeten.

Denn Grönland gehört politisch zu Dänemark, die Vereinigten Staaten besitzen aber seit dem Zweiten Weltkrieg weitreichende Befugnisse zur Stationierung eigener Soldaten auf der Insel. Jahrzehntelang ging das gut, denn Dänemark gehörte bislang zu den treuesten Verbündeten der USA in Europa, beteiligte sich aktiv an US geführten Operationen in Afghanistan oder am Horn von Afrika.

Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei, immer deutlicher fordert die Trump Administration die Abtretung Grönlands an die Vereinigten Staaten. Die Kommentare aus Washington reichen dabei von Drohungen an die dänische Seite bis hin zu laut geäußerten Überlegungen, die Insel samt ihrer Bewohner “zu kaufen”. In Dänemark sorgt dies nicht mehr nur für Verstimmungen, die Regierung in Kopenhagen ist offen verärgert und fühlt sich hintergangen. Denn Dänemark ist ein NATO Land – genauso wie die USA. Jahrzehntelang war die NATO Mitgliedschaft der wesentliche Eckpfeiler der Verteidigung für das nordeuropäische Land, nun rechnen viele mit dem Ende der Zusammenarbeit und daraus folgt die ungewisse Frage: Was nun?

Denn Dänemark ist nicht nur NATO-Land, Dänemark ist auch Mitglied der EU und die hat ebenfalls eine Beistandspflicht verankert, Artikel 42 (7) EUV verpflichtet die Mitglieder dem angegriffenen Mitglied Beistand zu leisten, neutrale Staaten sind allerdings von der militärischen Beistandspflicht entbunden – und noch eine weitere Einschränkung kommt hinzu: Grönland selbst ist ausdrücklich kein Mitglied der EU – seine Bürger sind allerdings dänische Bürger und damit EU Bürger. Eine verwirrende Lage, die im Zweifel aber niemanden mehr interessiert. Ein Angriff auf Grönland, so unwahrscheinlich er auch sein mag, würde dann von den meisten EU Ländern als Angriff auf einen Mitgliedstaat verstanden werden.

Was heißt das für uns in Österreich? Von unserer in der Verfassung verankerten Neutralität abgesehen, die uns ohnehin jede militärische Unterstützung verbietet, gibt es durchaus Grund für politische Sympathie mit Dänemark. Das Land gehört wie wir zu den kleineren EU Mitgliedern, die dänische Volkspartei ist mit uns Teil der Fraktion der Patrioten für Europa im EU Parlament und auch unsere EU Mitgliedschaft stellen wir trotz aller Kritik am Zustand der Union nicht in Frage.

Als Freiheitliche bekennen wir uns außerdem zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, so steht es in unserem Programm und auf dieser Basis sollten wir auch unseren begrenzten diplomatischen Einfluss einsetzen: Grönlands Zukunft sollte von den Grönländern entschieden werden, ob innerhalb Dänemarks oder innerhalb der USA. Bis dahin muss Deeskalation und Diplomatie das Gebot der Stunde sein, egal wie kalt es in der Arktis ist – jeder militärische Eskalation ist ein Spiel mit dem Feuer.

Petra Steger ist Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) und stv. Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE).

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2 thoughts on “MEP Petra Steger: Eiskalter Brennpunkt internationaler Politik

    1. Knalltüten und Trotteln – Monika Gruber, ein Lichtblick!

      Bei uns will man jetzt das Bundesheer wieder aufbauen, das einst Kreisky niedermachte und damit einen Wahlschlager erfand – Machtgeilheit vor Staatsinteresse der SPÖ, aber die ÖVP – Platter war der Totengräber Nr. 2 und dann wieder die SPÖ mit dem Zivildiener Darabosch.
      Derzeit kann das Heer seinen Verfassungsauftrag nicht erfüllen und in den nächsten 10 Jahren auch nicht, die Nicht-Soldaten einer dekadenten, wehrunwilligen Gesellschaft werden das verhindern.

      https://kurier.at/politik/inland/generalstabschef-warnt-bundesheer-kann-verfassungsauftrag-nicht-mehr-erfuellen/400433503

      So schauts aus beim Heer derzeit:

      Das österreichische Bundesheer hat eine Struktur, die stark zwischen dem täglichen „Friedensbetrieb“ und der theoretischen „Einsatzstärke“ unterscheidet. Man muss man zwischen dem reinen Personalstand und der tatsächlichen Kampfkraft trennen.
      Aktueller Stand (2025/2026):
      1. Die Gesamtzahlen (Das „Papier-Heer“)
      Das Bundesheer verfügt über ca. 21.800 Planstellen (Vollzeitäquivalente). Davon entfallen:
      * Berufssoldaten & Zeitsoldaten: ca. 14.000 bis 15.000 Personen.
      * Grundwehrdiener: ca. 6.000 bis 8.000 (fluktuierend, da sie nur 6 Monate dienen).
      * Zivilbedienstete: ca. 7.000 bis 8.000 (Verwaltung, Werkstätten, Köche etc.).
      * Miliz (Reserve): Theoretisch ca. 25.000 bis 30.000 beorderte Soldaten, die im Ernstfall mobilisiert werden.
      2. Die „echten“ Kampfsoldaten
      Wenn man nach Soldaten fragst, die keine administrativen Aufgaben haben und deren Hauptaufgabe das Kämpfen (Infantry, Panzer, Spezialeinsatzkräfte) ist, schrumpft die Zahl massiv zusammen.
      Man teilt diese in die Kaderpräsenzeinheiten (KPE) ein – das sind die Soldaten, die voll ausgebildet, sofort einsatzbereit und meist für Auslandseinsätze vorgesehen sind.

      | Spezialeinsatzkräfte | ca. 500 – 800 | Hauptsächlich das Jagdkommando (plus Unterstützung). |
      | Kaderpräsenzeinheiten | ca. 2.500 – 3.500 | Die „Berufssoldaten-Truppe“ (z. B. Jägerbataillon 25), die ständig trainiert und bereit ist. |
      | Kampftruppe (Kern) | ca. 6.000 – 8.000 | Soldaten in Kampfverbänden (Jäger, Pioniere, Panzer), abzüglich der Verwaltung in den Kasernen. |
      Das Fazit zur Kampfkraft:
      Von den rund 14.000 aktiven Berufssoldaten sind nur etwa ein Drittel bis die Hälfte tatsächlich „an der Waffe“ in einer Kampfkompanie tätig. Der Rest arbeitet in der Logistik, Instandhaltung, Sanität, IT, Ausbildung oder in den Ministerien/Ämtern.
      Wenn man nur die Soldaten zählt, die sofort und ohne Vorbereitung als geschlossene Kampfeinheit wirken können, landet man bei einer Zahl von etwa 3.000 bis 5.000 Mann.
      3. Warum ist das so? (Das „Tail-to-Teeth“-Verhältnis)
      In modernen Armeen ist das Verhältnis von Unterstützern (Tail) zu Kämpfern (Teeth) oft sehr hoch (oft 4:1 oder höher). In Österreich ist dieses Verhältnis durch folgende Faktoren besonders extrem:
      * Veraltete Strukturen: Viele Ressourcen fließen in die Erhaltung von Kasernen und Verwaltung.
      * Milizsystem: Das Heer ist darauf ausgelegt, im Ernstfall Zehntausende Reservisten aufzunehmen. Um diese zu verwalten und auszurüsten, braucht es im Frieden viel „Verwaltungs-Wasserkopf“.
      * Assistenzeinsätze: Viele Soldaten sind im Grenzschutz oder bei Katastrophenhilfe gebunden, was zwar eine militärische Leistung ist, sie aber in dieser Zeit nicht für den klassischen Kampf trainieren lässt.
      Zusammenfassung
      Wenn es morgen zum Ernstfall käme, könnte Österreich etwa 3.000 bis 4.000 hochprofessionelle Kampfsoldaten (KPE & Jagdkommando) sofort in den Einsatz schicken. Alles darüber hinaus müsste erst durch die Einberufung der Miliz und das „Auffüllen“ von Verbänden mühsam mobilisiert werden.

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