Wenn der „Standard“ wieder einmal die Wahrheit zuschustert – oder: Von zugeschanzten Wohnungen, die keine waren, und einem Qualitätsmedium, das keines ist

Schön haben wir es in den Sommerloch-Tagen, an denen die österreichischen Meister des politischen Niveaulimbos gerne mal nach irgendetwas greifen, das nach Skandal riecht, selbst wenn es nach nur oberflächlicher Prüfung eher nach abgestandenem Kaffee und journalistischem Dilettantismus stinkt. Da erschien also am 10. August 2026 im „Standard“ ein Artikel, der dem oberösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreter und Wohnbaureferenten Dr. Manfred Haimbuchner frech unterstellte, er habe engen Vertrauten – einer ehemaligen Referentin aus seinem Büro und einer früheren FPÖ-Landtagsabgeordneten – „Luxus-Sozialwohnungen zugeschanzt“. Weit unter Marktwert, versteht sich. Freunderlwirtschaft, Korruption, der ganze Katalog der linken Moralkeule. Man vermittelte den Eindruck, Haimbuchner habe persönlich dafür gesorgt, daß da 44% unter dem angeblich üblichen Preis verkauft worden sei. Eine Räuberpistole, die sich der „Standard“ selbst ans Knie hält, wie Haimbuchner treffend bemerkte.
Doch schauen wir genauer hin, bevor wir dem Blatt, das SPÖ-Vizekanzler und Medienminister Andi Babler gerne als „Qualitätsmedium“ abfeiert und dementsprechend mit Fördergeldern streichelt, allzu viel Glauben schenken. Denn was hier vorliegt, ist weniger investigative Meisterleistung als vielmehr eine Mischung aus selektiver Wahrnehmung, halbgaren Behauptungen und jener besonderen Form von journalistischem Eifer, der Fakten nur dann liebt, wenn sie in die ideologische Schublade passen.

Preise, die nicht stimmen, und „Sozialwohnungen“, die keine sind
Haimbuchner selbst legte am 11. August auf Facebook die Karten auf den Tisch – und das in einer Klarheit, die dem „Standard“ gut angestanden hätte. Die eine Wohnung, rund 70 Quadratmeter, soll laut Blatt um lächerliche 164.000 Euro den Besitzer gewechselt haben. Halbe Wahrheit, wie so oft. Der Gesamtkaufpreis lag bei etwa 230.000 Euro – inklusive eines Landesdarlehens, das selbstverständlich zurückzuzahlen ist und somit fester Bestandteil des Preises. Damals, 2012, ein absolut marktübliches Niveau. Die zweite Wohnung war freifinanziert, lag damit völlig außerhalb jeder Landeskompetenz, und wurde ebenfalls zu marktüblichen Konditionen erworben. „Zugeschanzt“ nach Überweisung des Kaufpreises – für Sozialisten offenbar ein unvorstellbarer Vorgang. Eine der Damen soll laut Berichten ein 160-Quadratmeter-Penthouse um 536.000 Euro erstanden haben. Ob das nun „Luxus“ ist oder einfach eine Wohnung in guter Lage: Der „Standard“ entscheidet das gerne nach jeweiligen Bedarf.
Und überhaupt: Daß eine Wohnbaugenossenschaft – hier die OGW, einst Tochter der Energie AG, später von der LAWOG übernommen – frei finanzierte Wohnungen als Eigentum verkauft, ist weder Skandal noch Besonderheit. Es handelt sich nicht automatisch um „Sozialwohnungen“ im engeren Sinn, bei denen Bedarf und Einkommen penibel geprüft werden müssen. Entweder hat der „Standard“ gezielt Fakten weggelassen oder schlicht nicht recherchiert. Beides ist ein Armutszeugnis. Die Genossenschaft verkaufte, was sie hatte; das Land wusste in einem Fall gar nichts davon. Für ein Blatt, das sich Qualitätsjournalismus auf die Fahnen schreibt, erstaunlich dilettantisch.

Die selektive Blindheit der Aufklärer
Besonders bissig wird es, wenn man den Blick auf die Bewohner der Anlage in der Harrachstraße richtet. Dem „Standard“ fielen reflexartig jene mit FPÖ-Nähe auf. Daß im selben Gebäude auch Spitzenpersonal von SPÖ, Grünen und ÖVP wohnt oder wohnte – ein SPÖ-Gemeinderat Georg Hubmann etwa, eine grüne Ex-Abgeordnete und ehemalige Anschober-Büroleiterin, ein ÖVP-Landesamtsdirektor –, interessierte offenbar niemanden. Auf X wiesen Nutzer wie Christoph Pöchinger prompt darauf hin. Die Bilder von Wohnungsübergaben mit Haimbuchner und dem SPÖ-Mann sprechen Bände. Aber nein: Nur die Blauen sollen „zugeschanzt“ bekommen haben. Der Rest der politischen Landschaft genießt offenbar eine Art Unsichtbarkeitsmantel, solange er nicht blau ist. Das ist keine Aufklärung, das ist Kampagnenjournalismus in Reinkultur – und zwar der ganz faulen Sorte.
Auf derselben Plattform brach dann der übliche kleine Krieg aus. Ein „Standard“-Journalist forderte allen Ernstes Beweise für das saubere Handeln Haimbuchners und der FPÖ. Die Perfidie steckt im Detail: Der Anklagende, der mit Mutmaßungen und Unterstellungen um sich wirft, verlangt vom Geschädigten den Nachweis der Unschuld. Mit Dreck werfen und dann erwarten, daß der Getroffene sich selbst reinwäscht – das ist schon von besonderer Dreistigkeit. Normalerweise obliegt dem, der schwere Vorwürfe erhebt, die Beweisführung. Doch im linksliberalen Feuilleton-Kosmos gelten offenbar andere Regeln: Die Beweislast wird elegant umgedreht, und wer widerspricht, ist schon verdächtig.

Babler, die Medienförderung und das Sommerloch
Nachdem der angebliche Skandal nach nicht einmal zwei Tagen als Rohrkrepierer entlarvt war – Haimbuchner prüft Klage, und die Fakten sprechen für sich –, rätselt man natürlich, wer hinter dieser unausgegorenen Kampagne steckt. Unbestätigte Gerüchte deuten auf den Vizekanzler und Wohnbauminister Andi Babler selbst. Einerseits Ablenkung von eigenen parteiinternen Turbulenzen, andererseits Störung jenes Wohnbaus in Oberösterreich, der im Ländervergleich unumstritten die Nummer eins ist. Nicht zuletzt dank der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen dem blauen Wohnbaureferenten und den roten wie schwarzen Genossenschaften. Die oberösterreichischen Genossen, die mit dem geförderten Wohnbau befasst sind, hatten Bablers „Mietpreisbremse“ bereits als sinnloses Geschwätz eines fachfremden Stümpers abgetan. Das vergißt man in gewissen Kreisen nicht so schnell. Parteinterne Loyalität zählt bei Babler offenbar mehr als Sacharbeit. Daß er den „Standard“ als Qualitätsmedium lobt, und das Blatt dann solche Geschichten abliefert, passt ins Bild.
Der „Standard“ rotzte einen Artikel in die Öffentlichkeit, für den man sich im besten Falle fremdschämt. Journalistische Basics – vollständige Recherche, Einordnung, Gegenprüfung – wurden offensichtlich beiseitegelassen. Viel zu viele Falschmeldungen, die bei einfacher Suche via Google, Bing oder Yahoo zu klären wären, machen das Blatt für den an Fakten interessierten Leser zu einer Mischung aus Problemzone und Buchstabensuppe. Viele Behauptungen wirken schlicht nicht zu Ende gedacht. Wenn Babler das Qualität nennt, dann ist sein Qualitätsverständnis selbst eine Baustelle.

Der echte Skandal ist der journalistische
Da? Genossenschaften Eigentumswohnungen verkaufen, ist Alltag. Daß Politiker und Mitarbeiter verschiedener Couleur dort kaufen, ebenfalls. Der Versuch, daraus eine reine FPÖ-Affäre zu stricken, indem man Preise verkürzt darstellt, den Begriff „Sozialwohnung“ inflationär gebraucht und politisch genehme Bewohner übersieht, ist der eigentliche Skandal. Haimbuchner hat angekündigt, diesen Sachverhalt, diese „Berichterstattung“ zu prüfen und rechtliche Schritte zu erwägen.
Oberösterreich baut – und zwar erfolgreich. Wer das stören will, indem er mit halbwahren Räuberpistolen um sich wirft, entlarvt vor allem sich selbst. Willkommen im Sommerloch, wo die Luft dünn und die Recherche noch dünner ist. Manche Blätter sollten sich schämen – fremd zumindest.

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One thought on “Wenn der „Standard“ wieder einmal die Wahrheit zuschustert – oder: Von zugeschanzten Wohnungen, die keine waren, und einem Qualitätsmedium, das keines ist

  1. Früher hatten „Zeitungsenten noch Niveau“ – als einmal der „rasende Reporter“ – https://www.oepb.at/allerlei/egon-erwin-kisch-die-weltgeschichte-des-rasenden-reporters.html
    einen „Aufmacher“ suchte, erfand er einfach: „50 Tote bei Unruhen in Bombay“. Nachprüfen konnte das damals niemand – kein Internet! Aber die Auflage war gesichert und hat niemanden beleidigt.
    Heute? Niveaulos und schlicht simpel – diese Journaillisten. Hauptsache die Subventionen fließen!

    https://youtube.com/watch?v=yIL5qQ0S1Pc&is=5pEELgJW_6WN2BuD

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