„Heißer Wind statt heißer Strom: Europas Energie-Kapriolen und der teure Gasstopp“

Das große Abschiedsfest von russischem Gas – und warum es scheitern könnte
Was für ein Spektakel: Die EU-Spitze hat beschlossen, den Import von russischem Erdgas bis spätestens Ende 2027 vollständig einzustellen – ein pompöser Akt in der langen Serie post-ukrainischer Sanktionsrituale. Dieses ambitionierte Vorhaben, Teil der „REPowerEU“-Roadmap zur energiepolitischen Unabhängigkeit, soll nach dem Willen Brüssels Pipelinegas und Flüssigerdgas (LNG) stufenweise verbannen: LNG schon bis Ende 2026, Pipelinegas bis Herbst 2027. Übergangsfristen für bestehende Verträge werden gewährt, aber die Botschaft ist klar: Tschüss Russland.
Obwohl die EU-Kommission versichert, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet sei und auf dem Weltmarkt genügend Anbieter bereitstünden, um den Wegfall russischer Lieferungen auszugleichen, bleibt die Lage brisant. Russland lieferte noch 2025 etwa 13 % des Gases, das in die EU strömte – Gas im Wert von über €15 Milliarden pro Jahr.
Doch wie so oft in der europäischen Energiepolitik: Der grandiose Wille kollidiert mit der nüchternen Realität.

„Wirtschaftspolitischer Selbstmord“ – Steger rechnet schon vor
Die freiheitliche EU-Abgeordnete Petra Steger nennt den Gasstopp unverblümt das, was er ihrer Ansicht nach ist: wirtschaftspolitischer Selbstmord. In ihrer Pressemitteilung warnt sie vor einer „Abwärtsspirale aus Deindustrialisierung, steigender Arbeitslosigkeit und irreversibler Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit“.
Ein Blick auf die Zahlen macht den Zynismus des Vorhabens greifbar: Viele Branchen, die bereits unter extrem hohen Energiepreisen ächzen, sehen sich nun mit einem zusätzlichen Risiko konfrontiert. Energieintensive Industrien wie Chemie, Metallverarbeitung oder Maschinenbau wissen, dass stabile Gaslieferungen nicht Luxus, sondern Lebensader sind.
Deutschland, der größte Industrienation im Binnenmarkt, hat lange damit gerungen, seine Gasabhängigkeit von russischen Importen zu reduzieren – mit begrenztem Erfolg und enormen Kosten. Selbst 2024 war Russland noch einer der größten Lieferanten, besonders von LNG, das angesichts global knapper Kapazitäten ein hart umkämpftes Gut geworden ist.

Nationalstaatliche Souveränität in der Zange des Brüsseler Majoritätsprinzips
Dass der Gasstopp nicht einstimmig beschlossen wurde, stört Steger zutiefst. Sie prangert die EU-Mehrheitsentscheidung als „rechtlichen Trick“ an, der ohne einstimmige Zustimmung der Mitgliedstaaten durchgesetzt wurde – ein Affront gegen die nationalstaatliche Souveränität.
Diesen Punkt nehmen auch Ungarn und die Slowakei zum Anlass, rechtlich gegen den Importstopp vorzugehen. Beide Länder, die besonders stark von russischen Gaslieferungen abhängig sind, sehen in dem Schritt eine Gefährdung ihrer Energiesicherheit und planen Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof.
Für Kritiker ist das kein Schwanzvergleich, sondern eine existentielle Frage: Sollen einzelne Staaten – vom Alpenland Österreich bis hin zu Budapest und Bratislava – über ihre Energiepolitik selbst entscheiden können, oder soll Brüssel ein Einheitsmodell diktieren, das an lokalen Realitäten genauso vorbeigeht wie an physikalischen Gesetzmäßigkeiten?

Die großen Verlierer: Industrie, Verbraucher, Souveränität
Steger sieht im Importstopp nicht nur eine Frage der ökonomischen Vernunft, sondern auch einen Angriff auf die nationale Entscheidungsfreiheit. Sie fordert eine „Rückeroberung nationaler Energiehoheit“ – eine Formulierung, die man in Brüssel selten hört, die aber ins Herz der Debatte trifft: Wer das Recht verliert, über Energiequellen, Lieferanten und Verträge zu entscheiden, verliert am Ende weit mehr als nur den Zugang zu billigem Gas.
Zugleich kritisiert Steger die österreichische Bundesregierung scharf, weil sie den EU-Kurs aktiv unterstützt habe – ein Vorwurf, der im politischen Wien seine Wirkung nicht verfehlen dürfte.

Zukunftsmusik oder Fehlzündung?
Die EU hofft, ihre Energieabhängigkeit von Russland – einst bei über 40 % der Gasimporte – nachhaltig zu reduzieren. Bis 2025 war dieser Anteil bereits auf rund 13 % gesunken, was durchaus ein beachtlicher Fortschritt ist. Doch die Frage bleibt: Ist die EU bereit für die Alternativen?
Verband der Energiebranche, Industrieverbände und Wirtschaftsthink-Tanks attestieren, dass der globale LNG-Markt angespannt ist und es keinen Überfluss an Ersatzlieferungen gibt. Gleichzeitig sind Investitionen in erneuerbare Energien, Wasserstoff-Infrastruktur und Gasspeicher teure und langwierige Projekte, die kurzfristig keine Lücke schließen können.

Ein letzter Blick in die Glaskugel
Am Ende dieser Energie-Operette bleibt mehr Fragen als Antworten: Wird der EU-Gasstopp die erhoffte politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit bringen, oder führt er zu einem teuren, traumatischen Richtungswechsel, bei dem Energiesicherheit geopfert und nationale Souveränität weiter ausgehöhlt werden?
Petra Steger hat ihre Antwort – und sie ist klar, scharf und mit einem Augenzwinkern versehen: Europa brauche keine „ideologiegetriebenen Experimente“, sondern leistbare Energie, wirtschaftliche Vernunft und souveräne Entscheidungen.


Petra Steger ist Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) und stv. Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE).

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One thought on “„Heißer Wind statt heißer Strom: Europas Energie-Kapriolen und der teure Gasstopp“

  1. Karl Kraus hatte bereits in seinem Monumentalwerk „Die letzten Tage der Menschheut“ den Sager: „Jedem Russ- an Schuss“ zynisch populär gemacht. Anscheinend ist es jetzt wieder soweit.
    Gerade wird wieder an die Befreiung des Jahres 1945 gedacht – es war eine Befreiung mit unfassbaren Gewalttaten der Befreier, Massenvergewaltigungen an unschuldigen Frauen waren an der Tagesordnung – alles nachzulesen im unglaublich gut recherchierten Buch von Michael Grandt: „Deutschland muss vernichtet werden. Völkermord, Vertreibung und Zersetzung des deutschen Volkes (1914 bis heute).Grandt stützt sein Werk mit 2122 Dokumenten/Querverweisen ab.
    Und diese unfassbaren Siegerverbrechen machten auch Ukrainer: Am 16. März 1945 startete die Rote Armee die entscheidende Gegenoffensive: Die Armeen der 3. Ukrainischen Front und der 2. Ukrainischen Front verübten diese Verbrechen an der Zivilbevölkerung. (ich habe noch selbst mit Augenzeugen dieser Zeit sprechen können!!)
    Als Dank für diese Gräueltaten der Ukrainer unterstützen wir sie jetzt auch noch!
    Den meisten Österreichern wird das nichts bringen und es ist auch der Mehrheit egal, wer sich da gegenseitig vernichtet – der Feind ist bereits im Land:
    Nur ein Beispiel vom alltäglichen Wahnsinn in unserer Heimat:

    https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/grazer-sch%C3%BCler-kopierte-lehrerk%C3%B6pfe-in-hinrichtungsvideo-hinein/ar-AA1VaNtJ?ocid=msedgdhp&pc=U531&cvid=697b1cf41a274e2ca0aedb4b4bf79193&ei=19

    Nationalsozialismus und Islam haben immer schon eine verhängnisvolle Allianz gebildet, nicht umsonst ist „Mein Kampf“ in moslemischen Staaten ein Bestseller – bis heute! Der Großmufti von Jerusalem stellte sogar eine SS-Division „Handschar“ auf!!

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