
Das PR-Büro der Mächtigen
Aktuelle Vorgänge, die allzu gut zum Serientitel passen, machen es notwendig, die Beschreibungen eines Systems zu unterbrechen und einen eben auf diese aktuelle Vorgänge einzugehen.
Nicht erst zur Landtagswahl, sondern schon länger verdichtet sich ein „Verdacht“, daß es sich beim ORF Landesstudio Niederösterreich um mehr als einen öffentlich-rechtlichen Sender handeln soll. Viel mehr scheint sich hier eine Arbeitsweise eingeschlichen haben, die mehr zu einer PR-Abteilung als zu einem nach einem Objektivitätsgebot handelnden Medium passen. Pikant sind Nachrichten, die nun öffentlich wurden, in denen Redakteure und Kamerateams punktgenau angewiesen wurden, wie sie die ÖVP-Landeshauptfrau Mikl-Leitner zu „betreuen“ haben. Man kann hier leider tatsächlich nur noch von Betreuung der Landeshauptfrau sprechen. Berichterstattung würde anders aussehen. „MiLei“ – so das interne Kürzel für Mikl-Leitner soll möglichst oft, möglichst positiv im Landesfunk vorkommen. Wenn man die ihr gewidmete Sendezeit mit der anderer Politiker anderer Parteien vergleicht, ist man erstaunt. Auch wenn sie mit knapp 49% bei der vergangenen Landtagswahl dank niederösterreichischer Spezialberechnung über eine absolute Mehrheit verfügte, war ihr Sendeanteil in dem Fernsehsender, der für alle Niederösterreicher da sein sollte, alle politischen Richtungen, Strömungen und Agenden in adäquatem Maße widerspiegeln sollte, „ein bißchen“ hoch.
Ebenfalls bemerkenswert war in der Rückschau, daß wirklich jeder noch so unwichtige Schlumpf aus der vorletzten Reihe durch ein Kamerateam beehrt wurde, wenn er nur von der richtigen Partei, also der ÖVP, war. Diese Aufmerksamkeit blieb den Vertretern anderer Parteien, mögen sie oder ihre Ausführungen noch so hochkarätig und interessant gewesen sein, versagt. Falsche Partei?

So weit, so seltsam… Bei anderen, bei weitem nicht so eindeutig wirkenden Fällen war der betroffene Medienmann/(Chef-)Redakteur/Journalist längst Geschichte. Beim ORF Niederösterreich wird man nach dem Auffliegen der aufopfernden Tätigkeit für die Seher – Nein, für die Landeshauptfraupartei! – von den Tätigkeiten abberufen, die man schon zuvor nicht wahrnahm. Und man richtet hurtig eine Kommission ein, die allfälliges Fehlverhalten suchen und untersuchen soll. Und das soll natürlich sehr eingehend und sehr genau geschehen. Und man soll sich dabei ruhig Zeit lassen. Viel Zeit! Denn das Ergebnis dieser Untersuchung soll bittschön erst nach der Landtagswahl präsentiert werden. Keine schlechten Nachrichten vor dem Wahlsonntag am 29.01.2023! Sonst wäre ja doch das ganze Geld, das in die positive Berichterstattung über die niederösterreichische ÖVP und die Landeshauptfrau floß für den Hugo gewesen. Aber Vorsicht, geschätzte Leserinnen und Leser, keinesfalls sollte durch den letzten Satz der Eindruck entstehen, als ob die ÖVP da irgendjemanden bezahlt hätte. Das mit Sicherheit nicht. Es wird Ihr Geld gewesen sein, Ihre Beiträge für unseren so hoch geschätzten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Ihre GIS-Gebühren! Die ganze Geschichte riecht immer mehr und mehr nach dem stückchenweisen Aufschlagen der Geschichten rund um das „Beinschab-Tool“, als mit Geldern aus dem Finanzministerium, also ebenfalls Geld aus den Taschen der Bürger, eine Imagekampagne für den damaligen türkisen Wunderwuzzi Sebastian Kurz gefahren wurde.
Wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich ein wirklich gutes Bild über die Politikpraxis zu machen, bevor man am Wahlsonntag das Kreuzchen macht.
Wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, den ORF auf ein gesundes Maß schrumpfen zu lassen, indem man ihm die GIS-Einnahmen wegnimmt.
Nächste Woche geht es weiter mit unserer kleinen Serie zum Thema Mediensumpf.
Weitere Folgen:
Versinken im Mediensumpf I
Versinken im Mediensumpf II
Versinken im Mediensumpf III
Versinken im Mediensumpf IV
Versinken im Mediensumpf V
Versinken im Mediensumpf VI
Versinken im Mediensumpf VII
Versinken im Mediensumpf VIII
Versinken im Mediensumpf EXTRA 23.02.2023
Versinken im Mediensumpf IX
Versinken im Mediensumpf X
Versinken im Mediensumpf XI
Fotos:
Johanna Mikl-Leitner: wikimedia / Hannes 24 / cc by-sa 4.0 / cropped