Denn sie wissen nicht, was sie tun – Bildungspolitik als PR-Spektakel und Realitätsverweigerung

(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten

Ein Kommentar.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir leben in einem Land, das einst für seine Schulen gerühmt wurde, für jene strenge, aber segensreiche Disziplin des Lernens, die Generationen von Denkern, Handwerkern und Staatsdienern hervorbrachte. Heute hingegen gleicht die Bildungspolitik einem fortwährenden Experimentierlabor, in dem Minister mit rosigen Wangen und feurigen PowerPoint-Präsentationen neue „Zukunftspläne“ verkünden, während die Grundfesten bröckeln. Bundesminister Christoph Wiederkehr von den NEOS verwaltet dieses Erbe mehr schlecht als recht – und wir, die wir die Folgen tragen, dürfen zusehen, wie fernab jeder Wirklichkeit an Symptomen herumgedoktert wird, statt die Ursachen anzugehen.
Der jüngste Coup der Regierung illustriert diese Haltung in besonderer Schärfe. Im Mai 2026 reisten Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) nach Taschkent, um mit Usbekistan ein Migrations- und Mobilitätsabkommen zu unterzeichnen. Man wolle den Transfer usbekischer Fachkräfte erleichtern und im Gegenzug abgelehnte oder kriminelle Asylwerber rückführen – idealerweise auch Drittstaatsangehörige, die über Usbekistan nach Österreich gelangt sind. Ein „wichtiger Meilenstein“, hieß es offiziell. Klare Kante zeigen, irreguläre Migration bekämpfen, Grenzmanagement stärken. Die PR-Maschine lief auf Hochtouren.
Dass man 4.000 Kilometer entfernt in einem Land sucht, das selbst mit UNICEF-Hilfe an seinen Bildungsplänen feilt und dringend eigene Fachkräfte braucht, verrät mehr über den Zustand hiesiger Politik als über diplomatisches Geschick. Usbekistan, ein Staat mit eigener demographischer und wirtschaftlicher Dynamik, soll nun Usbeken nach Österreich schicken und im Tausch problematische Rückkehrer aufnehmen. Ob Taschkent das wirklich will oder kann, bleibt – wie so oft – nebulös. Selbst wenn die österreichischen Minister mit nassen Fetzen durch die Straßen gejagt worden wären, hätte die Regierungs-PR den Besuch als triumphalen Erfolg gefeiert. So ist es nun einmal in dieser Ära des gefühlten Fortschritts.

Die eigene Jugend im Stich lassen
Während man in Zentralasien nach Talenten fahndet, verrottet das heimische Bildungssystem. Hier zeigt sich die eigentliche Tragödie: Ein Land, das Fachkräfte benötigt, müsste alles daran setzen, die eigenen jungen Menschen dafür fit zu machen. Stattdessen produziert es Abgänger, die in elementaren Dingen versagen. Grundlegende Deutschkenntnisse fehlen nicht nur bei vielen migrantischen Schülern, deren zusätzliche Bedürfnisse den Unterricht für alle bremsen. Auch einheimische Pflichtschulabsolventen können oft nicht sinnerfassend lesen, geschweige denn im Kopf multiplizieren oder dividieren. Das Smartphone erledigt, was einst der Verstand leisten sollte – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus schlichter Unfähigkeit. Für Lehrbetriebe sind solche Absolventen schlicht unbrauchbar.
Bundesminister Wiederkehr träumt indes davon, die AHS-Matura „fit für den Arbeitsmarkt“ zu machen. Freiheitliche Abgeordnete wie Hermann Brückl haben ihm zu Recht entgegengehalten: Die Allgemeinbildende Höhere Schule war niemals als Berufsausbildung konzipiert. Sie bereitet auf Universitäten, Fachhochschulen, interne Ausbildungen großer Betriebe oder den öffentlichen Dienst vor. Diese Unkenntnis des eigenen Systems wirkt beinahe rührend – wäre sie nicht so folgenreich.
Die „Reformpläne“ lesen sich wie der Wunschtraum eines verkrachten Schülers mit Fünfern im Zeugnis: Naturwissenschaften zusammenlegen, Lateinstunden streichen, neue Fächer wie „soziale Kompetenzen“ oder Demokratiebildung via Social Media einführen. Expertengruppen haben dem Latein-Kahlschlag bereits eine Rote Karte gezeigt. Zu Recht: Gerade das analytische, strukturierte Denken, das Latein schult, wäre für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz von unschätzbarem Wert – ein Punkt, den echte KI-Kenner betonen, während Politiker ratlos danebenstehen.

Ideologie statt Substanz
Noch bedenklicher ist die ideologische Durchtränkung. Statt ideologisch dominierte Lehrinhalte – von postkolonialer Geschichtsschreibung bis zu Gender-Studies – endlich auf den Müllhaufen der Wissenschaftsgeschichte zu werfen, fließen weiter Gelder in Richtungen, die dereinst mit Alchemie oder Phrenologie verglichen werden dürften. Gleichzeitig fehlt es an Studienplätzen in Technik, Naturwissenschaften und Medizin. „Trust the science!“, rief einst Gesundheitsminister Rauch – und wir erinnern uns mit einem Schmunzeln und leichtem Magengrimmen daran, wie der angebliche Schutz der Wissenschaft zum argumentativen Feigenblatt jener wurde, die echtes Hinterfragen verabscheuen.
Wissenschaft lebt vom Zweifel, vom ständigen Prüfen von Thesen. Bildungspolitik hingegen sollte kein Experimentierfeld sein. In Österreich ist sie es seit Jahrzehnten. Je „progressiver“ die Schulversuche, desto tiefer der Fall in den PISA-Rankings. Vielleicht wäre es an der Zeit, zu jenen Methoden zurückzukehren, unter denen österreichische Schüler einst an der Spitze standen: Leistungsorientierung, Disziplin, Fokus auf Lesen, Schreiben, Rechnen.
Stattdessen sorgt sich Minister Wiederkehr darum, ob Schüler „Social Media“ und „Demokratie“ verstehen. Die jungen Menschen kennen Ersteres besser als er selbst. Das Zweite soll offenbar ideologisch aufbereitet werden – weniger Erziehung zu selbständigem Denken als vielmehr sanfte Umerziehung. PR, ja das können die NEOS, das muss man ihnen lassen. Den Schülern und dem Land nützt es wenig.

Großreinemachen tut not
Wir brauchen kein weiteres Herumdoktern an Symptomen. Ein Großreinemachen im gesamten Bildungsbereich – von der Elementarpädagogik bis zur Universität – wäre angebracht. Weg mit den ideologischen Ballaststoffen. Hin zu Kernkompetenzen. Hin zu einer Politik, die Migration nicht als Ersatz für eigene Bildungsmisere missbraucht, sondern die bedingungslose Integration jener, bei denen es überhaupt Sinn ergibt, ernsthaft einfordert. Der Rest sollte ohnehin nicht in unserem Land aufhältig sein, oder zumindest nicht unser Schulsystem belasten.
Deutsch vor dem Regelunterricht. Leistungsprinzip statt nivellierender „Chancengerechtigkeit“, die oft nur Gleichmacherei nach unten bedeutet. Sechs Jahre Volksschule als neues Allheilmittel? Selbst Koalitionspartner und Bundesländer winken ab – zu teuer, infrastrukturell unmöglich, pädagogisch fragwürdig.
Die Usbekistan-Reise war kein Einzelfall, sondern Symptom. Man sucht Fachkräfte in der Ferne, weil man die eigenen nicht mehr heranbildet. Man feiert Abkommen, deren praktischer Nutzen ungewiss bleibt. Und man reformiert Schulen, als gelte es, den gesamten Prüfungsstoff einer verpassten Matura nachzuholen.Wir, die Bürger dieses Landes, haben ein Recht auf mehr. Auf eine Bildungspolitik, die weiß, was sie tut – oder zumindest bereit ist, es zu lernen. Bevor die nächste PR-Welle über uns hereinbricht und uns einredet, alles sei auf dem besten Weg in die strahlende Zukunft. Die Zeichen stehen anders. Es wird Zeit, sie endlich zu lesen.

So nebenbei bemerkt: Neuwahlen wären die anständigste und eleganteste Lösung!

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Sonntag!
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2 thoughts on “Denn sie wissen nicht, was sie tun – Bildungspolitik als PR-Spektakel und Realitätsverweigerung

  1. Warum wir die Intelligenz ohnehin überbewertet haben

    Es gibt Nachrichten, die lassen einen tief durchatmen. Und dann gibt es die nackten Zahlen aus dem österreichischen Bildungswesen, bei denen man sich am liebsten mit einem kräftigen „Guten Morgen, Abendland!“ direkt wieder unter die Bettdecke verkriechen möchte. Aber betrachten wir es doch einmal positiv: Wenn bereits ein Drittel der Schulabsolventen Probleme mit dem sinnerfassenden Lesen, Schreiben und Rechnen hat, ist das kein kollektives Versagen. Es ist ein genialer, evolutionärer Entlastungsschritt! Wer braucht schon die Grundrechenarten, wenn man ohnehin kein Geld mehr hat, das man zählen müsste?

    Die neue Elite: Sinnerfassend war gestern

    Man muss die Dinge pragmatisch sehen. Die Zukunft gehört logischerweise denjenigen, die sich am fleißigsten reproduzieren. Und da zeigt sich ein wunderschöner, neuer Pluralismus im Klassenzimmer: Laut einschlägigen Studien von Kenan Güngör hält die Hälfte der muslimischen Jugendlichen den Koran für das Nonplusultra der Literatur – weit vor jedem profanen Physik- oder Geschichtsbuch. Ein faszinierender Trend! Das spart nicht nur Platz im Rucksack, sondern vereinfacht auch die Diskussionskultur enorm. Warum sich durch die Widersprüche der Aufklärung quälen, wenn man absolute Wahrheiten schwarz auf weiß haben kann? Dass in manchen Herkunftsländern dieser Denkschulen gleichzeitig „Mein Kampf“ ein Bestseller war, ist da sicher nur ein historisches Missverständnis.

    Unsere Bildungspolitiker reagieren auf diese dynamische Entwicklung mit der ihnen eigenen, stoischen Ruhe. Eingreifen? Gottes willen, nein! Bloß niemanden stigmatisieren. Viel wichtiger ist es, dass die verbleibenden Ressourcen dafür genutzt werden, den korrekten Gender-Stern in die vierte Nachkommastelle zu deklinieren. Wenn ein System kollabiert, sollte es wenigstens politisch korrekt beschildert sein.

    MINT wird überbewertet – Es lebe die geförderte Befindlichkeit

    Es wird ja immer lautstark gejammert, dass uns die Techniker ausgehen. Österreich bräuchte dringend Kompetenz in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Doch seien wir ehrlich: Mathematik ist ohnehin ein patriarchales Konstrukt, das voller diskriminierender Hürden steckt.

    Besonders viele junge Frauen zeigen hier eine bewundernswerte Resilienz gegen die Logik und flüchten völlig zurecht in die unendlichen Weiten der Sozialwissenschaften. Warum Brücken bauen oder Software programmieren, wenn man später in einer staatlich subventionierten NGO wunderbar das gesellschaftliche Unbehagen weg-analysieren kann? Ein unschlagbares Geschäftsmodell: Wir schaffen die Probleme, die wir später mit Steuergeldern beforschen lassen.

    Wer heute mit einem Maturanten spricht, wird schnell geerdet.

    Goethes Faust? Klingt nach einem Kampfsport-Move.
    Grundlagen der Philosophie? „Ist das diese neue Serie auf Netflix?“
    Man muss die Jugend verstehen: Warum sich mit Kant oder Nietzsche belasten, wenn man das Leben auch einfach fühlen kann?

    Brot und Spiele 2.0: Hauptsache, das Spektakel stimmt

    Schon Kaiserin Maria Theresia wusste: Das Volk braucht Spektakel. Und die moderne Republik liefert! Wenn der Song Contest ansteht, gerät das Land in eine kollektive Schockstarre, die sonst nur von der Frage übertroffen wird, ob der Ausgang der Graz-Wahl primär vom parallel stattfindenden Großsportereignis beeinflusst wird. Politische Inhalte? Konzepte für die Zukunft? Nebensache! Wer die besseren VIP-Zelte und die seichtere Unterhaltung bietet, gewinnt das Match um die Aufmerksamkeit.

    Die absolute Krönung unserer medialen Reife erleben wir jedoch, wenn tagelang im Hauptabendprogramm über das tragische Ableben eines gestrandeten Wals berichtet wird. Dass in der Natur alles, was entsteht, irgendwann vergeht, ist eine biologische Banalität, die man der Generation „Zartbitter“ natürlich nicht ungefiltert zumuten kann. Da wird das Ableben eines Meeressäugers zur Staatsaffäre stilisiert, während das Absaufen des eigenen Bildungssystems maximal ein Achselzucken hervorruft.

    Das große Kuscheln im Klassenzimmer

    Wie konnte es so weit kommen? Ganz einfach: durch die konsequente Nivellierung nach unten. Bloß kein Leistungsdruck! Wenn Schulen es heute kaum noch wagen, Schülern eine schlechte Note zu geben oder sie gar durchfallen zu lassen, weil am nächsten Tag die Helikopter-Eltern mitsamt Anwalt in der Direktion stehen, dann ist das gelebter Verbraucherschutz. Der Kunde ist schließlich König, auch wenn er den eigenen Namen nicht fehlerfrei tanzen kann.

    Dass Lehrerinnen an manchen Brennpunktschulen mittlerweile von religiösen Eiferern im Mini-Format angefeindet und bedroht werden, ist dabei nur die Würze im multikulturellen Eintopf. Man nennt das wohl „lebendige Debattenkultur“.

    Ein optimistischer Ausblick

    Die Zukunft Österreichs ist also keineswegs trist – sie wird schlichtweg anspruchslos. Wenn niemand mehr weiß, was ein logischer Fehlschluss ist, merkt auch keiner mehr, wenn die Politik von der Hand in den Mund lebt. Wir steuern auf eine glückliche Epoche der kollektiven Ahnungslosigkeit zu. Und das Beste daran: Wenn erst einmal alle dumm genug sind, fällt es gar nicht mehr auf.

    In diesem Sinne: Vorhang auf für das nächste Spektakel!
    Die Zukunft gehört den kulturfernen Analphabeten – das kann nicht mehr verschwiegen werden, aber nicht verzagen: es ist zu spät um gegenzusteuern, daher: Gott Fußball ruft –

    https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/muss-uns-ihre-neue-studie-%C3%BCber-junge-muslime-besorgen-herr-g%C3%BCng%C3%B6r/ar-AA23j5wa?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=6a05c2429e6947c08e91a53feb1cfd08&cvpid=f1661e1b9e4e4610926168ce8c85c0b6&ei=6

  2. Geh bitte – H.G.Wells wußte das schon 1895 – klare Entwicklung – oder etwa nicht???

    Wir werden zu Eloi – gesteuert von den EU-Morlocks, die Zukunft ist schon da!!!!!!

    „Die Zeitmaschine“ (Original: The Time Machine) von H.G. Wells aus dem Jahr 1895.

    Der Zeitreisende reist weit in die Zukunft (in das Jahr 802.701) und trifft dort auf die Eloi.

    Die Verblödung durch Sorglosigkeit: Die Eloi leben in einer paradiesischen Welt, haben aber über die Jahrtausende jeglichen Verstand, Ehrgeiz und jede Kultur verloren. Sie sind klein, naiv, ungebildet und verhalten sich wie Kleinkinder.

    Verlust einfachster Fähigkeiten: Sie wissen nicht mehr, wie man arbeitet, wie man Werkzeuge benutzt oder wie die verfallenen Paläste um sie herum gebaut wurden. Sie leben einfach nur in den Tag hinein, essen Früchte und spielen.

    Der Kulturschock: Der Zeitreisende ist völlig entsetzt darüber, dass die Menschheit sich nicht weiterentwickelt hat, sondern komplett „degeneriert“ und verblödet ist, weil es keinen Überlebenskampf und keinen Leistungsdruck mehr gab.

    (Fun Fact am Rande: Das Ganze hat noch eine düstere Kehrseite. Die Eloi werden unterirdisch von den brutalen Morlocks wie Vieh gehalten und gefressen – die Morlocks sind diejenigen, die im Untergrund noch die Maschinen bedienen, während die Eloi oben im seichten Spektakel leben).

    Das Thema wurde auch genial in der Science-Fiction-Satire „Idiocracy“ verfilmt. Dort reist ein absolut durchschnittlicher Soldat durch ein Experiment 500 Jahre in die Zukunft und stellt fest, dass die Menschheit durch die Evolution der Dümmsten komplett verblödet ist. Er ist plötzlich der klügste Mensch der Welt und muss den Leuten im Weißen Haus im wahrsten Sinne des Wortes erklären, dass man Felder mit Wasser bewässert – und nicht mit dem populären Energy-Drink „Brawndo“, weil der Pflanzen eben nicht guttut, obwohl er doch „Elektrolyte“ hat.

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