Gio unzensiert – „Deutschland, zeig Flagge!“

Die stets charmante, doch diesmal sichtlich geschockte Giovanna Winterfeldt hat sich die dubiose Beschwerden über den angeblich zu offen gezeigten Patriotismus während der Fußball-WM genauer angesehen, reagiert und analysiert.

Pünktlich zur WM läuft sie wieder: Die absolut neurotische Debatte darüber, ob man beim Fußball noch Schwarz-Rot-Gold zeigen darf, oder nicht? Während das Sommermärchen 2006 nachträglich kriminalisiert und für einen Rechtsruck verantwortlich gemacht wird, bewerten ÖRR-Formate mittlerweile anhand der Hautfarbe, wer noch Flagge zeigen darf und wer nicht.



Titel-/Vorschaubild: Gio unzensiert

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One thought on “Gio unzensiert – „Deutschland, zeig Flagge!“

  1. Sportpatriotismus ist anders zu bewerten als ein echter Heimatpatriotismus – warum?
    So ein Gladiatorenspektakel mit gekauften Kämpfern ist ein Massenspektakel zum Abbau von Aggression – Kampfparolen und Symbole werden als Gruppenzugehörigkeit gezeigt (bei Spielen innerhalb einer Nation werden die Nationalflaggen mit Vereinsfahnen ausgetauscht, also das gleiche Ritual). Als Soziologe habe ich mich mit dieser Thematik immer wieder beschäftigt – die Ratio bei solchen Spektakeln wird durch Emotio ersetzt. Selbst Bruno Kreisky hat die Hysterie bei den Olympischen Winterspielen 1972 um Karl Schranz als beängstigend empfunden. Fazit: ein Milliardenmarkt und das Volk revoltiert nicht!

    https://www.fussball-kultur.org/artikel/wie-im-krieg-ueber-das-komplizierte-verhaeltnis-von-fussball-sprache-und-pazifismus?utm_source=chatgpt.com

    Ein Artikel von mir dazu aus 2016 – die Spektakelkulisse ist immer gleich und austauschbar:

    Fußball – vom Freizeitspaß zur Kampfkultur

    Können Sie sich noch an die Schlagzeilen erinnern, als es im Feber 2012 in Ägypten zu einer regelrechten Hatz auf Fußballfans gekommen war? Bei Ausschreitungen nach einem Fußballspiel zwischen zwei lokalen Top-Clubs waren in der nordägyptischen Stadt Port Said mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen, über 1.000 waren bei Massentumulten und Schlägereien teils schwer verletzt worden. Fans machten Jagd auf Fans, Spieler flüchteten in Todesangst vom Platz: „Wir werden nie wieder Fußball spielen“, zitierte damals das deutsche Magazin Spiegel einen ägyptischen Kicker.
    Kein halbes Jahr später dreht sich auch in Ägypten wieder alles um das runde Leder, und Europa ist anlässlich der Europameisterschaft für drei Wochen im Bann des Fussballsportes – eines Sportes, der zweifelsfrei auch Kampfsport ist.
    Fußball ist eine milde Form von Massenpsychose, ein kurzfristiger Rausch von Gewalt und Krieg, auch religiös instrumentalisiert. In Istanbul, der „Hölle von Fenerbahce“, wurde die Schweizer Nationalmannschaft brutalst attackiert und gejagt, weil ihr „Schweizer Kreuz“ als Kreuzrittersymbol den Unmut der Moslems erregte: „In Istanbul explodierten Aggression und Hass im sportlichen Frust“. Aber auch heimische grün-weiß Anhänger meinen „Rapid ist Religion“ und die Sponsorbrauerei hat das „Weihwasser“. Diesen Anhängern, „Schlachtenbummlern“, ist auch egal woher die Kämpfer kommen, sie wollen einfach „ihre“ Mannschaft siegen sehen, denn der Gegner muss „geschlagen“ werden. Früher mussten die Spieler einer Nationalmannschaft auch patriotische Kämpfer für die Ehre ihrer Heimat sein. Denken wir nur an das „Deutsche Wunder von Bern“, sogar der Kriegsbeginn gegen Russland musste am 23. Juni 1941 in der reichsdeutschen Zeitung „Der Montag“ der Schlagzeile „RAPID – Deutscher Fußballmeister. Rapid-Schalke 4:3“ weichen. Am 26. Juni 1969 löste das Länderspiel Honduras gegen El Salvador gar den „Fußballkrieg“ aus. Nach diesem Spiel wurden „gegnerische“ Fahnen verbrannt und es kam zu Ausschreitungen mit Todesopfern. Daraufhin entschloss sich die salvadorianische Regierung zu einer Militärintervention. Der 100 Stunden dauernde Kampf kostete 3.000 Tote und 6.000 Verletzte.
    Der Soziologe Thorstein Veblen beschreibt Sport als einen Überrest der Tapferkeit alter barbarischer Lebensweise im modernen Leben. Bei der Euro 2012 bewahrheitete sich das legendäre Qualtinger-Zitat: „Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität“. Die „Bild“-Zeitung berichtet: „Mindestens zehn Verletzte, mehr als 184 Festnahmen – das ist die vorläufige und traurige Bilanz der Ausschreitungen vor dem sportlich wie politisch brisanten Spiel zwischen Polen und Russland (1:1). Die Polizei verstärkte den Schutz der russischen Botschaft. Während im Warschauer Nationalstadion vereinzelt Feuerwerkskörper aus dem russischen Fanblock flogen, versuchten in der Innenstadt Hooligans, durch einen Technik-Eingang in die Fanzone einzudringen.“

    Kriegsähnliche Rituale gehören zum Fußballspiel – Feldzeichen, Kriegsbemalung, Uniformen und einpeitschender Schlachtgesänge wie: „Haut´s den Wienern die Schädeldecke ein!“ – so kehrt der moderne Freizeitmensch zu den eigentlichen Wurzeln des Sports als Vorbereitung zum gemeinsamen Kampf zurück.

    PS: Ob es durch Fußballpatriotismus mehr Heimatpatriotismus gibt wage ich zu bezweifeln (höchstens kurzfristig) – beim nächsten Ländermatch Österreich gegen die Türkei werden wieder die türkischen Fahnen und Schlachtgesänge im Wiener Stadion überwiegen!

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