Der Stahl, der Österreich aufbaute

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70 Jahre LD-Verfahren

Es ging schon ziemlich schnell! Rund zehn Jahre zuvor waren die ersten Anlagen der „Eisenwerke Oberdonau“, eines Teils der „Reichswerke Hermann Göring“ noch im Bau. Ziemlich genau fünf Jahre zuvor, begannen die US-Streitkräfte mit gezieltem Bombardement, um den wichtigen Lieferanten von Rüstungsbetrieben auszuschalten, und ca. vier Jahre zuvor war dieses Werk eher ein Industriefriedhof und kaum etwas ließ darauf schließen, daß auf diesem Areal wieder zig Tausende Menschen Lohn und Brot finden konnten und der Aufbau und Wohlstand eines ganzen Landes mitbegründet wurde.

Versuchskonverter beim Frischen nach dem LD-Verfahren


Im Sommer 1949 war es tatsächlich soweit. Viele Trümmer des Krieges waren noch nicht beseitigt, kaum die Versorgung mit dem Nötigsten sichergestellt und die Produktion nicht nennenswert. Aber ein unbezwingbarer Drang zu tüfteln, zu verbessern, etwas neues und besseres zu entwickeln hatte. Die Ingenieure Theodor Eduard Süß und Rudolf Rinesch entwickelten gemeinsam mit dem Hüttendirektor Herbert Trenkler (späterer Rektor der Montanuniversität Leoben) und vielen anderen Spezialisten ein Verfahren, bei dem reiner Sauerstoff in flüßiges Eisen geblasen wird und auf diese Weise besonders hochwertiger Stahl erzeugt wird. – Die genaue Erklärung würde den Rahmen unseres Magazins bei weitem sprengen. Fakt ist, man hatte ohne große Mittel, auf den Ruinen eines früheren Rüstungszulieferbetriebs eine Technik zur Betriebsreife gebracht, die weltweit die Stahlproduktion revolutionieren sollte. Durch diese Technik hat sich die Stahlproduktion weltweit verzehnfachen können, die Qualität des Werkstoffs hat sich rasant erhöht und es wurde die Basis für unzählige neue Einsatzmöglichkeiten geschaffen.
Am 31. August wurde das Patent für diese Verfahrenstechnik angemeldet. Und 1950

Das LD-Verfahren (LD steht für Linz – Donawitz, die beiden damaligen Standorte der VÖEST) wird heute bei über 70% der weltweiten Stahlproduktion angewandt.
Dies war zu Beginn noch nicht so klar. Gerade die den Markt beherrschenden Stahlkocher in Großbritannien und den USA waren nicht sonderlich erfreut über den innovativen neuen Konkurrenten aus der österreichischen Provinz. So mußte der bald als erheblich hochwertiger bekannte LD-Stahl viele zusätzliche Prüfungen durchlaufen, bevor man ihn bspw. zum Schiffsbau zuließ. – Ein kleiner Wirtschaftskrieg durch Verzögerung, der durch die hohe Qualität des LD-Stahls für die VÖEST entschieden wurde.

Heute kann man getrost davon ausgehen, daß Österreich ohne diese Erfindung anders aussehen würde. Durch das LD-Verfahren wurde der Grundstein für einen der größten Arbeitgeber Österreichs gelegt. Ausserdem konnte die immense Bautätigkeit und der Aufbau von Infrastruktur und ganzen Produktionsbetrieben durch den eigenen österreichischen Spezialisten abgedeckt werden. Die Wertschöpfung war enorm.

70 Jahre nach dieser Geburtsstunde, nach Technologie- und Stahlkrisen, nach grundlegenden Umstrukturierungen des Unternehmens steht die voestalpine, wie sie heute heißt noch immer für eine Qualität und für Innovation, die weltweit bewundert wird.

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