Zum dritten Jahrestag des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 – die Folgen, die bis heute nachwirken

Heute, am 7. Oktober 2026 jährt sich zum dritten Mal jener Tag, an dem die Hamas und ihre Verbündeten aus dem Gazastreifen heraus einen der brutalsten Terrorangriffe der jüngeren Geschichte auf den Staat Israel verübten. Rund 1.200 Menschen wurden an jenem Tag ermordet, darunter in erster Linie Zivilisten, Frauen, Kinder und Alte; Hunderte weitere wurden verletzt. Genau 251 Menschen – darunter Frauen, Kinder, ältere Personen, Soldaten und ausländische Staatsangehörige – wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die Zahlen sind inzwischen gut dokumentiert: Etwa 1.182 bis 1.195 Tote am 7. Oktober selbst, darunter über 800 Zivilisten. Die Geiselkrise, die 843 Tage andauerte, endete erst am 26. Januar 2026 mit der Rückführung der letzten sterblichen Überreste. Die Bilder und Berichte von jenem Tag – Massaker in Kibbuzim, auf dem Nova-Musikfestival, gezielte Tötungen und Entführungen Wehrloser – stehen für eine beispiellose Eskalation islamistischen Terrors gegen einen demokratischen Staat. Drei Jahre danach ist es an der Zeit, klar zu benennen, was damals und seither geschehen ist – ohne Beschönigung, ohne Gleichsetzung und ohne die üblichen relativierenden Floskeln.

Es handelte und handelt sich nicht um einen Konflikt zwischen gleichberechtigten und gleichwertigen Gegnern. Es ist und bleibt ein Kampf verbrecherischer Terroristen gegen einen liberalen und funktionierenden Staat. Die Hamas ist keine nationale Befreiungsbewegung im klassischen Sinne, sondern eine islamistische Organisation, die in ihrer Charta und in ihren öffentlichen Verlautbarungen die Vernichtung Israels anstrebt und dabei Juden und Israelis pauschal als Feinde definiert. Israel hingegen ist eine parlamentarische Demokratie, ein Rechtsstaat, mit freier Presse, unabhängiger Justiz und einer Armee, die – bei allen Fehlern und Härten, die jeder Krieg mit sich bringt – an Regeln gebunden ist, die Terrorgruppen systematisch mißachten. Wer hier von „zwei Seiten“ spricht, die „gleichermaßen“ Verantwortung trügen, verwischt bewusst die fundamentale Unterscheidung zwischen einem Staat, der seine Bürger schützt, und einer Terrororganisation, die Zivilisten als Waffen einsetzt.

Die Hamas hat am 7. Oktober 2023 ganz offensichtlich einen Krieg begonnen, den sie zu keinem Zeitpunkt gewinnen konnte. Die militärische Überlegenheit Israels war und ist erdrückend. Das Ziel lag nicht in einem realistischen Sieg auf dem Schlachtfeld, sondern darin, den überlegenen Gegner in einen Kampf zu locken, bei dem jedes muslimische Todesopfer als Märtyrer in der Weltöffentlichkeit beklagt und Israel angeklagt wird. Die Strategie ist altbekannt und zynisch: Man provoziert eine Reaktion, verschanzt sich hinter der eigenen Bevölkerung und instrumentalisiert die Opferzahlen für die internationale Propaganda. Die Geiselnahme von Zivilisten diente demselben Zweck – Druck auf Israel und seine Verbündeten, emotionale Erpressung der Öffentlichkeit.

Von den 251 am 7. Oktober 2023 verschleppten Geiseln wurden im Laufe der folgenden Jahre alle freigelassen, gerettet oder – im Falle der Getöteten – ihre sterblichen Überreste zurückgeführt. Etwa 168 Geiseln kehrten lebend zurück: die größte Gruppe im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens vom November 2023 (überwiegend Frauen und Kinder), weitere in späteren Austauschaktionen 2025 sowie einzelne Rettungen durch die israelischen Streitkräfte. 85 Geiseln wurden als tot bestätigt; ihre Körper wurden schrittweise repatriiert. Die letzten lebenden Geiseln wurden am 13. Oktober 2025 im Rahmen einer Waffenstillstands- und Austauschvereinbarung freigelassen. Die endgültige Beendigung der Geiselkrise erfolgte am 26. Januar 2026, als die Überreste des letzten Geiselopfers, des Polizeibeamten Ran Gvili, aus einem Friedhof im nördlichen Gazastreifen geborgen und nach Israel überführt wurden. Damit waren alle 251 Fälle abgeschlossen – nach mehr als zwei Jahren und drei Monaten. Keine der ursprünglich entführten Personen befindet sich seither noch in der Gewalt der Hamas. Diese vollständige Rückführung war das Ergebnis harter militärischer und diplomatischer Anstrengungen und unterstreicht zugleich, wie lange die Terroristen die Geiseln als Druckmittel missbrauchten.

Daß im Kampf gegen die Islamisten auch immer wieder zivile Opfer zu beklagen sind, ist leider logisch. Einen Krieg mit chirurgischer Präzession gibt es nicht. Erschwerend kommt hinzu, daß sich die Hamas-Terroristen sehr bewußt hinter, oder vielmehr unter zivilen Einrichtungen verschanzen – Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Wohnvierteln. Die zivilen Opfer werden von den Terroristen in Kauf genommen und gezielt gegen Israel instrumentalisiert. Berichte und Videos aus dem Gazastreifen haben wiederholt gezeigt, wie Raketenstellungen und Tunnel in unmittelbarer Nähe von Zivilbauten angelegt wurden. Wer die eigene Bevölkerung als menschlichen Schutzschild nutzt, trägt die Hauptverantwortung für die Folgen. Israel hat seinerseits immer wieder vor Angriffen gewarnt, Evakuierungen gefordert und humanitäre Korridore eingerichtet – Maßnahmen, die von einer Terrororganisation nie erwartet werden können. Die Behauptung, Israel führe einen „Genozid“, ignoriert diese Realitäten und kehrt Täter-Opfer-Verhältnisse um.

Die Islamisten um die Hamas und andere Terrororganisationen überschütten mit der Unterstützung ihrer linksextremen Verbündeten die Welt mit falschen oder zumindest stark verzerrten Zahlen über ihre angeblichen Opfer. Die vom Hamas-geführten Gesundheitsministerium im Gazastreifen veröffentlichten Totenzahlen – inzwischen bei über 74.000 liegend – werden von vielen westlichen Medien und Institutionen weitgehend ungeprüft übernommen. Dabei unterscheiden diese Zahlen nicht zuverlässig zwischen Kämpfern und Zivilisten, schließen natürliche Todesfälle oder interne Gewalt mit ein und dienen offensichtlich der Propaganda. Israelische Angaben sprechen von zehntausenden getöteten Terroristen; unabhängige Analysen und sogar teilweise Bestätigungen aus israelischen Sicherheitskreisen deuten darauf hin, daß die Gesamtzahl der Toten hoch ist, die Zusammensetzung jedoch weit komplexer. Die systematische Verbreitung überhöhter oder selektiver Opferzahlen gehört zum Arsenal der Informationskriegsführung. Linksextreme Aktivisten und Teile der westlichen Medienlandschaft greifen diese Zahlen begierig auf, weil sie in ihr vorgefertigtes Narrativ von „Unterdrücker versus Unterdrückte“ passen.

Ein nach wie vor gravierendes Problem im Umgang mit den aus den Angriffen des 7. Oktober erwachsenen islamischen und islamistischen Bewegungen ist der einfältige, kindliche und völlig törichte Umgang und Zugang der Politiker und Eliten des Westens mit diesem bedrohlichen Phänomen. In Sitzkreisen, Talkshows und Expertenrunden westlicher Medien, Parlamente und Entscheider-Gremien debattiert man über den Umgang mit Muslimen, mit Terroristen, ob der Islam Teil Europas sei, welchen (angeblichen) Nutzen man nicht auf sozialer, ökonomischer und kultureller Ebene durch die von islamistischen Operationen nicht gerade ausgelöste, aber doch unterstützte Massenmigration hätte. Völlig faktenbefreit kommen selbsternannte Experten dann zum Schluß, daß dem Islam die Zeit der „Aufklärung“ und „Reformation“, wie sie im Christentum vor gut 500 Jahren startete, einfach noch fehle. Man geht davon aus, daß sich dadurch die Religion „Islam“, die an sich mehr Gesellschaftsplan, mehr Gesellschaftsordnung mit ritualisierten religiösen Handlungen darstellt als jede andere abrahamitische Religion, liberalisieren könnte und den Kern dieser Religion, den umfassenden religiösen Machtanspruch über die gesamte Menschheit, ablegen würde. Man übersieht dabei, daß sich die islamische Gesellschaft tatsächlich seit gut 100 Jahren in einer Art Reformation befindet. Allerdings beschreitet sie dabei einen anderen Weg als die christlichen Gesellschaften Europas im Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Während man in den europäischen christlichen Gesellschaften dieser Zeit die Religion und die Kirchen in ihren Machtansprüchen und Einflüssen an die Gegebenheiten und Notwendigkeiten des Lebens der Menschen, an die Lebensrealitäten und politischen Umstände anglich, arbeiten unzählige Personen, Vereine, Gemeinschaften, Glaubensvertreter und Politiker in der muslimischen Welt daran, die Lebensumstände der Menschen wieder in Richtung der Vorgaben des Islam zu adaptieren. Der Islam unterliegt also einer Reformation – allerdings in die entgegengesetzte Richtung, als es beim Christentum stattfand. „Back to the roots“ scheint das Credo der islamischen Reformer zu sein. Die westliche Naivität, die diesen Prozeß als bloß verzögerte Moderne deutet, ist gefährlich und realitätsfremd.

Die Art und Weise, wie die Islamisten ihren angeblichen Freiheitskampf als Dauerdemo-Thema in die Städte des Westens tragen, ist hochprofessionell und sehr aggressiv. In europäischen Metropolen – von London über Paris und Berlin bis Wien – finden seit dem 7. Oktober 2023 regelmäßig Großdemonstrationen statt, auf denen israelische Flaggen verbrannt, Juden bedroht und offen antisemitische Parolen skandiert werden. Selbsternannte linke Intellektuelle stellen sich gehäuft auf die Seite der Islamisten, was berechtigte Zweifel an der intellektuellen Leistungsfähigkeit dieser Damen und Herren aufkommen läßt. Wer nach einem Massaker an Zivilisten, nach Vergewaltigungen und Entführungen die Täterseite moralisch aufwertet oder relativiert, verrät nicht nur die Opfer, sondern auch die eigenen vorgeblichen Werte von Menschenrechten und Aufklärung. Die Allianz aus Islamismus und Teilen der westlichen Linken ist eine der bizarrsten, dümmsten und gefährlichsten Entwicklungen der letzten Jahre. Sie speist sich aus einem gemeinsamen Feindbild – dem Westen, dem Kapitalismus, dem „Zionismus“ – und ignoriert systematisch die realen Machtverhältnisse und ideologischen Grundlagen der Hamas und ähnlicher Gruppen.

Mit dem Schlachtruf „From the river to the sea“ wird nicht weniger als die restlose Auslöschung Israels und seiner Bewohner gefordert. Der Slogan bezieht sich auf das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer – also auf das gesamte Territorium des Staates Israel einschließlich der Westbank und Gazas. In der Version der Hamas und vieler radikaler Gruppen bedeutet er die Ersetzung Israels durch ein islamistisches oder „palästinensisches“ Gebilde ohne jüdische Existenz, geschweige denn Selbstbestimmung. Wer diesen Ruf auf westlichen Straßen skandiert, weiß oder müßte wissen, was er bedeutet. Die Versuche, ihn als bloßen Wunsch nach „Freiheit und Gleichheit“ umzudeuten, sind unglaubwürdig angesichts der Quellen und der Praxis der Organisationen, die ihn führen.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 stehen wir vor einer ernüchternden Bilanz. Die 251 Geiseln sind – lebend oder tot – alle zurück. Tausende Terroristen wurden ausgeschaltet. Der Gazastreifen liegt in Trümmern, die humanitäre Lage ist katastrophal – und die ideologische Front bleibt ungebrochen. In westlichen Gesellschaften hat der Angriff antisemitische Gewalt und Rhetorik massiv ansteigen lassen. Gleichzeitig halten Teile der politischen und medialen Eliten an einem relativierenden, oft geradezu verharmlosenden Diskurs fest. Die Lehre aus dem 7. Oktober muß klar sein: Terror darf nicht belohnt, Opfer dürfen nicht relativiert und ideologische Feinde des freien Westens dürfen nicht als Partner in einem „Dialog“ behandelt werden. Israel hat das Recht und die Pflicht, seine Bürger zu verteidigen. Der Westen hat die Pflicht, Klarheit zu bewahren und sich nicht von Propaganda, falschen Zahlen und moralischer Selbsttäuschung leiten zu lassen. Alles andere wäre eine Fortsetzung der Naivität, die den Boden für solche Angriffe und ihre Nachwirkungen bereitet hat.

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One thought on “Zum dritten Jahrestag des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 – die Folgen, die bis heute nachwirken”

  1. „Das eigentliche 20. Jahrhundert, so Lyons, begann erst nach 1945. Sein Gründungsimpuls und das Paradigma der folgenden 80 Jahre sei das kollektive „Nie wieder“. Dieses (westliche) „Nie wieder“ sei von drei miteinander verflochtenen Projekten bestimmt gewesen: der Dekonstruk­tion kultureller Normen und nationaler Grenzen, der Etablierung eines technokratischen Verwaltungsstaates sowie der Hegemonie einer liberalen internationalen Ordnung. Lyons bezeichnet diesen Rahmen schlicht als Liberalismus, wobei es sich meiner Ansicht nach eher um einen egalitären Liberalismus handelt, der Freiheitsprinzipien mit egalitären Zielen verbindet…“:

    https://www.achgut.com/artikel/die_rueckkehr_der_juedischen_frage

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