
Die Midterms stehen vor der Tür – am 3. November 2026 wählen die Amerikaner ihr Repräsentantenhaus komplett neu, ein Drittel des Senats und eine Reihe von Gouverneuren. Ein völlig normaler Vorgang in einem Staatenverbund, der sich die Vereinigten Staaten von Amerika nennt. Die Bürger bestimmen ihre Vertreter, regional und national. Doch weil es sich um den mächtigsten Staat der Erde handelt, fühlen sich wieder ganze Heerscharen weniger von der Sonne der Weisheit beschienener Politiker, „Experten“ und Medienleute dazu berufen, ihre unausgegorenen Analysen zum Besten zu geben. Man kennt das Ritual zur Genüge: Heute erklären sie uns den Ausgang, nächste Woche erklären sie uns, warum ihre Prognosen danebenlagen. Wie immer mit erstaunlicher Selbstsicherheit und ohne erkennbare Scham.
Die Prognosen-Maschinerie und der Skandal der erfundenen Zahlen
Nicht nur mit Analysen, auch mit Umfragen und Wahlprognosen versuchen diverse Experten ihr Wunschergebnis als fixe Tatsache zu verkaufen. Die Demokraten führen im „Generic Ballot“ mit sieben bis neun Punkten, Modelle rechnen dem Haus mit 80% – 95% Wahrscheinlichkeit eine demokratische Mehrheit zu, dem Senat mit 50% – 75%. Trump-Zustimmung dümpelt irgendwo zwischen 32% und 39%. Alles klar, alles entschieden – wenn man den Zahlen glauben will.
Daß diese Vorhersagen schon bei den letzten Midterms und bei der Präsidentschaftswahl gründlich danebenlagen, stört die fleißigen Experten nicht. Daß es derzeit einen handfesten Skandal gibt, weil ein Institut namens Wedgewood Polls völlig frei erfundene Prognosen veröffentlicht hat – und diese dann von vielen Medien, darunter die New York Times, brav mitgeschleppt wurden –, stört sie ebensowenig. Die Firma gab selbst zu, die Zahlen größtenteils erfunden zu haben, angeblich als „Experiment“, um zu testen, wie leicht man die Branche austricksen kann. Es war erschreckend einfach. Spenden versiegten, Kandidaten kamen unter Druck. Hauptsache, es geht gegen Trump und die Republikaner. Da muß man sich aus Sicht der sogenannten Experten weder an Daten und Fakten noch an gültiges Recht halten. Das eigene Narrativ zählt in diesen Kreisen immer noch mehr als die Realität.
Wirtschaft, die nicht so schlecht ist, wie man sie gerne hätte
Die Wirtschaftsdaten, auf denen von europäischer Medienseite so gerne herumgeritten wird, sind weit nicht so schlecht, wie gerne dargestellt. Die Republikaner mit Trump schaffen es, daß sich große Wirtschaftsbetriebe in den USA ansiedeln oder investieren. Investitionen in Milliardenhöhe werden angekündigt, die Abwanderung aus den USA ist zumindest in Teilen gestoppt und umgekehrt worden. Man sorgt sich um niedrigere Energie- und Treibstoffkosten – soweit das im globalen Umfeld möglich ist. Daß beispielsweise Diesel aus der russischen Föderation bezogen wird, stört offensichtlich nur die Pseudomoralisten der EU, nicht aber den Kunden an der Tankstelle in den USA. Der ist dankbar, wenn der Preis nicht noch höher klettert.
Natürlich hat der Konflikt mit dem Iran die Preise nach oben getrieben. Benzin liegt national um die 4,20 bis 4,30 Dollar pro Gallone, Diesel war zeitweise über sechs Dollar. Das ist unangenehm. Doch der Vergleich mit Europa ist erhellend. In Deutschland oder Österreich zahlt man an der Zapfsäule erheblich mehr – oft das Doppelte und mehr, je nach Umrechnung und Steuern. Japan, das weit stärker von Lieferungen über die Straße von Hormus abhängig ist, hat moderatere Treibstoffpreise. Die Behauptung, die Energiepreiskrise in der EU sei ausschließlich Folge von Trumps Launen und einer angeblichen Blockade der Straße von Hormus, ist nüchtern betrachtet im besten Falle Unfug, wahrscheinlich einfach gelogen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Die EU-Staaten haben sich ihre Sanktionen und ihre Steuerpolitik selbst gebaut. Die Amerikaner zahlen den Weltmarktpreis plus moderate Steuern. Dieser Unterschied ist spürbar.
Wahl ohne Ausweis – ein US-amerikanisches Kuriosum
Durchaus berechtigte Bedenken darf man im Bezug auf die rechtmäßige Abwicklung dieser wichtigen Wahlen haben. Noch immer gibt es genügend Staaten – bezeichnenderweise klassische „blaue“, also von den Demokraten verwaltete Staaten wie Kalifornien, New York, Illinois, Oregon oder Pennsylvania –, in denen man ohne Identitätsnachweis wählen darf. Ein Vorgang, der in Österreich oder Deutschland völlig undenkbar wäre. Hier verlangt man für die einfachste Amtshandlung einen amtlichen Lichtbildausweis, dort genügt mitunter der Name und eine Unterschrift. Selbstverständlich kann man das „inklusiv“ nennen. Eher sollte man es aber naiv oder zumindest fahrlässig nennen. Die amerikanische Diskussion darüber ist alt und erbittert. Für den europäischen Beobachter bleibt es ein Kuriosum, welches das Vertrauen in das Verfahren nicht gerade stärkt.
Der Iran-Konflikt und die fehlenden Bleisärge
Die häufig in Redaktionsstuben und Talkshows im EU-Raum geäußerte Überlegung, daß die Republikaner mit Trump wegen des militärischen Konflikts mit dem Iran verlieren könnten, ist nicht ganz zu Ende gedacht. Die US-Bürger würden rebellieren und bei den Wahlen Denkzettel verteilen, wenn es zu häßlichen Verlusten an Menschenleben bei den eigenen „Jungs“, bei den eigenen Soldaten käme. Die Menschen wollen keine Bilder von großen Transportmaschinen sehen, aus denen zig Bleisärge mit im Mittleren Osten gefallenen jungen Soldaten getragen werden. Und die gibt es nicht. Der Konflikt mit dem Iran ist weitgehend ein Krieg ohne Bodentruppen und somit ein Krieg ohne massenhaft Gefallene. Das ändert nichts an den wirtschaftlichen Kosten und den gestiegenen Benzinpreisen. Es ändert aber die emotionale Dynamik. Ein Luft- und Raketenkrieg mit begrenzten eigenen Verlusten ist politisch etwas anderes als ein Bodeneinsatz mit Tausenden Toten.
Das Ergebnis geht die Amerikaner etwas an – nicht den EU-Wunschträumern
Das Ergebnis der Wahlen, die ehrlich gesagt nur US-Bürger etwas angeht, sehen wir kommende Woche, nicht in den zu Anti-Trump-Propaganda verwandelten Wunschträumen diverser Politiker und Mainstream-Journalisten. Die Amerikaner werden wählen. Die einen aus Überzeugung, die anderen aus Ablehnung, wieder andere aus Gewohnheit oder Trotz. Die Experten werden danach erklären, warum sie diesmal besonders recht hatten – oder warum die Umfragen diesmal ausnahmsweise getrogen haben, die Wähler besonders widerspenstig waren oder irgendwelche „Unterschätzungen“ im Spiel waren. Das Spiel ist alt. Es wird fortgesetzt.
Bis dahin gilt: Die Bürger eines mächtigen Landes entscheiden über ihre Vertreter. Alles andere ist Kommentar, Spekulation und, allzu oft, Wunschdenken mit ganz viel Blabla. Man sollte den Ausgang abwarten, bevor man ihn feiert oder beweint. Die Experten im Nebel haben schon oft genug danebengelegen.