
Es gibt journalistische Meisterleistungen, und es gibt richtige Kunststücke, bei denen man sich fragt, ob die Redaktion womöglich über eine Zeitmaschine verfügt oder das Raum-Zeit-Kontinuum zu verbiegen vermag. Der „Standard“, jenes lachsrosa Zentralorgan, das Medienminister Andreas Babler so gerne als Qualitätsmedium betitelt und mit Fördergeldern streichelt, liefert derzeit ein wahres Paradebeispiel der zweiten Kategorie ab. Seit Monaten wird ein völlig normaler Vorgang – der Verkauf von Wohnungen durch eine Genossenschaft – mit viel Aufwand, viel Einsatz und einer schieren Unmenge an Fantasie zum Skandal hochstilisiert. Zuerst waren die Preise angeblich nicht marktüblich, sondern auffällig niedrig. Das entpuppte sich als völliger Unsinn. Nun wird eine angebliche Intervention, die über ein Jahr nach dem Wohnungskauf stattfand, zur Untat zum Wohnungskauf hinkonstruiert. Wie das gehen soll, weiß wirklich niemand. Vielleicht mit einer Zeitmaschine. Oder mit jener besonderen Form von Recherche, die Fakten erst dann liebt, wenn sie sich der ideologischen Schablone fügen, und wenn man sich noch so bemühen und die Fakten verbiegen muß.
Von marktüblichen Preisen und der Kunst der Halbwahrheit
Erinnern wir uns: Im August 2026 berichtete der „Standard“, enge Vertraute des oberösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreters und Wohnbaureferenten Dr. Manfred Haimbuchner hätten 2012 „Luxus-Sozialwohnungen“ einer landeseigenen gemeinnützigen Gesellschaft – der damaligen OGW – „zugeschanzt“ bekommen. Weit unter Marktwert, versteht sich. Eine ehemalige Referentin aus Haimbuchners Büro und eine frühere FPÖ-Landtagsabgeordnete und Primarärztin standen im Visier. Zahlen wie 164.000 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung geisterten durch die Spalten, ein 160-Quadratmeter-Penthouse um 536.000 Euro wurde zum Symbol der Freunderlwirtschaft erhoben. SPÖ, Grüne und NEOS forderten prompt Aufklärung, Offenlegung aller Akten und personelle Konsequenzen. Die Optik sei „keine besonders vorteilhafte“, hieß es selbst in gemäßigteren Tönen.
Und der so ungustiös angepatzte Manfred Haimbuchner legte die Karten auf den Tisch. Die eine Wohnung kam auf einen Gesamtkaufpreis von rund 230.000 Euro – inklusive eines zurückzahlbaren Landesdarlehens, das selbstverständlich Teil des Preises ist. Damals, 2012, ein gar nicht so günstiger Preis für eine Wohnung in Linzer Innenstadtlage. Die zweite Wohnung war freifinanziert und lag damit völlig außerhalb jeder Landeskompetenz. „Zugeschanzt“ nach Überweisung des Kaufpreises – für Sozialisten offenbar ein unvorstellbarer Vorgang, wie Haimbuchner sarkastisch bemerkte. Die Genossenschaften und ihre Organe bürgen für gesetzeskonforme Vorgänge. Er selbst sei weder für einzelne Verkäufe noch Vergaben zuständig. Und er kündigte an, die „Diffamierungskampagne“ nicht hinzunehmen und rechtliche Schritte zu prüfen. Inzwischen ist die Klage gegen den „Standard“ eingebracht.
Eine Frage, die man sich für gehaltvolle Berichterstattung stellen sollte, ist die nach Plausibilität. Die wurde bei der sogenannten „Berichterstattung“ zu diesem Thema augenscheinlich nicht gestellt. Denn es ist mehr als undenkbar, daß sich die leitenden Damen und Herren einer Wohnungsgenossenschaft von irgendeinem Politiker auf der Nase herumtanzen oder sich gar eine Wohnung zum Diskontpreis abluchsen ließen. Und all dies im Jahr 2012, als die FPÖ weit weg von dem Einfluß, weit weg von der Kraft war, die sie heute hat. Unplausibel, und deshalb lächerlich. Die Bosse dieser Gesellschaften sind selbstbewußte Akteure, die Wohnraum schaffen und Arbeitsplätze sichern – keine willenlosen Erfüllungsgehilfen eines damaligen Landesrats.
Die Intervention, die keine war – oder: Baumängel versus Zeitmaschine
Nun also der nächste Akt. Der „Standard“ wühlt in internen E-Mails und entdeckt eine angebliche Intervention. Der FPÖ-Mann Herwig Mahr habe interveniert, damit eine Haimbuchner-Vertraute, Frau Simader, eine luxuriöse Sozialwohnung bekomme. Die Geschichte klingt dramatisch – bis man die Daten betrachtet. Die Wohnungen wurden 2012 vergeben und verkauft. Die besagten Mails, die dem „Standard“ laut eigener Aussage vorliegen, datieren auf 2013. Wohnungsvergaben geschehen für gewöhnlich nicht Jahre nach der Fertigstellung eines Objekts, sondern eher Jahre davor. Wofür sollte Herr Mahr eigentlich ein Jahr nach der Übergabe der Wohnungen noch intervenieren?
Die oberösterreichische FPÖ hat die substanzlose Wortspende unter der false flag der „Berichterstattung“ treffend kommentiert:
„Um den Elefanten im Raum gleich direkt anzusprechen – Sie werden den neuesten Artikel des Standards ja kennen. Es handelt sich bei dieser Sache von Anfang an um eine Kampagne gegen mich und die FPÖ OÖ, bei der, gelinde gesagt, unfassbar schlecht recherchiert und völlig dilettantisch Unwahrheiten behauptet wurden. Um Ihnen das eindrücklich zu veranschaulichen – ein Beispiel: Bei der angeblichen Intervention von Herrn Mahr handelt es sich nicht – wie vom Standard behauptet – um eine Intervention hinsichtlich einer Wohnungsvergabe. Herr Mahr wies im Namen von Frau Simader die Herren der OGW mündlich lediglich auf eine Vielzahl an Baumängeln hin. Frau Simader schlug diesen Weg ein, da jegliche vorangegangene Kommunikation mit der OGW fruchtlos war – und sie am Ende eine Klage verhindern wollte. Übrigens ohne Erfolg – auch der Einsatz von Herrn Mahr änderte an den bestehenden Baumängeln nichts. Es wurde geklagt.
Der Standard hätte das auch recht einfach herausfinden können. Immerhin liegen diese „Mails“ dem Standard ja vor, wie wir aus der Klagebeantwortung des Standards wissen. Betrachtet man das Datum der Mail bei der die angebliche Intervention von Mitarbeitern der OGW und dem Geschäftsführer der OGW besprochen wird, erkennt man das Jahr 2013. Die Wohnungen wurden allerdings weit vorher vergeben (Wohnungsvergaben geschehen für gewöhnlich nicht Jahre nach der Fertigstellung eines Objekts, sondern eher Jahre davor). Auch die Kaufverträge – die dem Standard laut eigener Aussage auch vorliegen – sind auf 2012 datiert. Wofür sollte Herr Mahr ein Jahr nach der Übergabe der Wohnungen noch intervenieren?
Sie sehen: Es handelt sich im besten Fall um Dilettantismus und mehr als fragliche Recherchearbeit – im schlimmsten Fall handelt es sich um vorsätzliche Kampagnisierung. Und das alles finanziert durch Qualitätsjournalimus-Förderung, gesponsert von Noch-Vizekanzler Babler.“
Besser kann man es kaum formulieren. Eine Intervention wegen Baumängeln wird zur Intervention wegen Wohnungsvergabe umgedeutet. Die Chronologie wird elegant ignoriert. Und die Tatsache, daß die Bemühungen scheiterten und es zur Klage kam, fällt unter den Tisch. So entsteht aus einem alltäglichen Ärger mit Mängeln ein politischer Skandal – zumindest in der lachsrosa Parallelwelt.
Qualität, die an Glanz verliert, und das aufziehende Gewitter
Lächerlich ist auch, daß gerade der „Standard“, scheinbar die liebste Zeitung des so sichtbar sach- und fachfremden Medienministers Andreas Babler, als „Qualitätsmedium“ bezeichnet und dementsprechend belobhudelt wird. Der Begriff „Qualität“ hat dank des Mitwirkens des Medienministers und des „Standards“ sehr stark an Glanz und Wirkkraft eingebüßt. Wenn selektive Wahrnehmung, verkürzte Preise, ignorierte Chronologie und die beharrliche Ausblendung unliebsamer Fakten als investigative Meisterleistung gelten, dann ist der Qualitätsbegriff selbst zur Baustelle geworden. Aber wie heißt es so „schön“: Fakten hau’n die beste G’schicht zusammen!
Der aufmerksame österreichische Medienkonsument und Medienbeobachter wird sich noch köstlich amüsieren in Anbetracht des aufziehenden juristischen Gewitters für das lachsrosa Zentralorgan. Haimbuchner hat bereits geklagt. Die Beweislage – Kaufverträge von 2012, Mails von 2013, marktübliche Preise, gescheiterte Bemühungen um Mängelbeseitigung – spricht eine mehr als nur klare Sprache. Wer mit Zeitreisen und umgedeuteten Interventionen operiert, sollte sich nicht wundern, wenn die Realität irgendwann die Rechnung präsentiert.
Oberösterreich baut erfolgreich Wohnungen. Die Genossenschaften verkaufen Eigentum, wo es sinnvoll ist. Politiker und Mitarbeiter verschiedener Couleur kaufen dort – nicht nur blaue. Den Versuch, daraus eine reine FPÖ-Affäre zu stricken, indem man Preise verkürzt, Begriffe inflationär gebraucht und die Zeitrechnung außer Kraft setzt, entlarvt vor allem eines: den journalistischen Dilettantismus (oder gar Bosheit?) jener, die sich selbst gerne als Wächter der Demokratie stilisieren. Willkommen in einem ideologischen Sommerloch, das offenbar keine Jahreszeiten kennt.
Wie die Medien lügen – am Beispiel der „New York Times“
Walter Duranty war der führende Korrespondent der „New York Times“ in Moskau. Zu Durantys Reputation trug bei, dass ihm Stalin persönlich im Jahre 1929 ein Interview gegeben hat. Und Duranty hat sich erkenntlich gezeigt. Zu Beginn der 30er Jahre gibt er zwar in seinen Artikeln eine gewisse Unmenschlichkeit bei der russischen Kollektivierung zu. Er hielt sie jedoch für unerlässlich. Ein anderer Weg sei seiner Meinung nach in Russland nicht möglich gewesen. In seinen Artikeln wurde Stalins Politik durchwegs gutgeheißen. Für diese Artikel hat er 1932 den Pulitzer-Preis bekommen. Der Pulitzer-Preis ist die höchste journalistische Auszeichnung in den USA. Jeder bösartige Bericht über Stalins Mordpolitik ist eine Übertreibung oder eine böswillige Propaganda, schrieb er noch am 23. August 1933 in der „New York Times“, als bereits Millionen gestorben waren. So hat sich die „New York Times“ unauslöschlich in der Geschichte der Leugnung des Holocausts an den russischen und ukrainischen Bauern verewigt. Stalin zeigte sich dankbar. Ende desselben Jahres richtete er an Durant die folgenden Worte: „Sie haben durch ihre Informationen über die Sowjetunion gute Arbeit geleistet“. Nach Jahrzehnten, als endlich die Wahrheit ans Licht gekommen war, wurde darüber diskutiert, ob Duranty der Pulitzer-Preis aberkannt werden sollte. Es ist niemals geschehen.
Die heutigen Mainstreammedien sind zeitgeistig ebenfalls links versifft – so wie einst von Stalin begeistert, sind sie auch heute noch einäugig links orientiert – der „Urin-Andi“ wird sie, solange er noch kann, belohnen.
http://www.science-blog.at/2019/01/wieso-sind-die-medien-so-linksij/