
Ulrich Siegmund (* 25. Oktober 1990 in Havelberg, aufgewachsen in Tangermünde) ist seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und seit August 2022 Co-Fraktionsvorsitzender der AfD (gemeinsam mit Oliver Kirchner). Für die Landtagswahl am 6. September 2026 tritt er als Spitzenkandidat an und gilt als aussichtsreicher Anwärter auf das Amt des ersten AfD-Ministerpräsidenten. Der Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom politisch weisungsgebundenen Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.
Herkunft, Ausbildung und beruflicher Werdegang
Siegmund stammt aus einer mittelständischen Familie in der Altmark; der Vater war Ingenieur und Verkaufsleiter und später ebenfalls in der AfD aktiv. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Tangermünde (Fachhochschulreife nach der 11. Klasse) absolvierte er 2008–2011 eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Anschließend arbeitete er als Kaufmann, Vertriebsleiter im Großhandel und Key-Account-Manager in einer Berliner Augenklinik. 2014 gründete er ein Unternehmen (u. a. REIMA / Berlin-Duftet), das Raumbeduftungen und Duftmarketing anbietet – Themen, die auch seine Bachelorarbeit bestimmten.
Von 2013 bis 2016 absolvierte er berufsbegleitend ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie an der Europäischen Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) und schloß mit dem Bachelor of Arts (Gesamtnote 2,3) ab. Die Abschlussarbeit trug den Titel „Untersuchung von Duftmarketing, anhand des gewerblichen Einsatzes mit einer psychologischen Beeinflussung von Wohlfühlempfindungen und monetären Beeinflussungen des Kaufverhaltens“. 2015 nahm er an einer Managementschulung in Peking teil. 2026 zog er sich aus der Firma zurück, nachdem im Rahmen der politischen Auseinandersetzung Fragen zur Nebentätigkeitsanzeige gegenüber dem Landtag aufgekommen waren (die er bestritt).
Siegmund ist verheiratet und Vater einer Tochter. Er lebt in Tangermünde. 2017 trat er aus der römisch-katholischen Kirche aus – auf Grund ihrer „sehr unrühmlichen und auch politischen Rolle“. Er behielt allerdings auch nach diesem Schritt die christlichen Werte „im Herzen“.
Politischer Werdegang
Bereits mit 18/19 Jahren (2008/2009) trat Siegmund in die CDU ein, um kommunalpolitisch aktiv zu werden. 2013/2014 verließ er die Partei aus Kritik an der Euro-Rettungspolitik der Merkel-Regierung und wechselte zur AfD. Seit 2015 ist er Pressesprecher und Vorstandsmitglied des AfD-Kreisverbands Stendal; seit 2016 gehört er dem Landesvorstand an. Kommunalpolitisch ist er im Stadtrat Tangermünde und im Kreistag Stendal aktiv, wo er auch von den politischen Mitbewerbern als konstruktiver Politiker dargestellt wird.
Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 zog er über die Landesliste in den Magdeburger Landtag ein. Er war gesundheitspolitischer Sprecher und bis Februar 2024 Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Im August 2022 wurde er Co-Fraktionschef. Im Mai 2025 nominierte ihn der Landesparteitag mit überwältigender Mehrheit (rund 98% bzw. 231 von 237 Stimmen) zum Spitzenkandidaten für 2026.
Öffentliche Wahrnehmung und Kontroversen
Siegmund gilt als mediengerecht, kommunikationsstark und besonders bei jüngeren Wählern erfolgreich. Sein TikTok-Kanal „Mutzurwahrheit90“ hat (Stand August 2026) über 760.000 Follower und macht ihn zu einem der reichweitenstärksten deutschen Politiker auf der Plattform. Er präsentiert sich als Pragmatiker mit Fokus auf Migration, innere Sicherheit, Abschiebeoffensive und wirtschaftliche Vernunft und schließt derzeit eine Koalitionen mit etablierten Parteien aus – Ziel sei eine absolute Mehrheit („45% plus X“).
Überregionale Bekanntheit erlangte er durch die Teilnahme am Potsdamer Treffen im November 2023 (Correctiv- „Recherche“ zu „Remigration“), an dem neben Unternehmern, sowie CDU- und AfD-Parteimitgliedern auch Identitäre teilnahmen. Daraufhin wurde er als Ausschussvorsitzender abgewählt. Er wies Vorwürfe der „Kontaktschuld“ zurück. Weitere Kritik betraf Aussagen zur Verantwortung Putins im Ukraine-Krieg. Medien wie der Spiegel stilisierten ihn zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ – was er als ungewollte Werbung zu nutzten wußte.
Siegmunds Biografie zeigt einen klassischen Aufstieg aus der Provinz: kaufmännische Praxis, Selbständigkeit, früher Parteiwechsel von der CDU zur AfD und konsequenter Aufbau innerhalb eines als rechtsextrem eingestuften Landesverbands. Sein Erfolg basiert auf lokaler Verwurzelung, Social-Media-Reichweite und dem Image des bodenständigen Unternehmers, der „Wertschöpfung“ und Klarheit verspricht. Sogenannte Kritiker sehen in ihm einen geschickten Kommunikator angeblich radikaler Positionen; Anhänger den volksnahen Gegenentwurf zum etablierten Politikbetrieb. Die Landtagswahl 2026 wird zeigen, ob dieser Weg in die Staatskanzlei führt.