
Die Sonntagsfrage und die Umfrage zu Neuwahlen
Die Ferienzeit bringt keinen politischen Frieden. Ruck-Affäre, Wehrdienst-Diskussion, Migrationschaos und Inflation.
Amüsantes Detail bei den Motiven: Für die Mängel in der Verkehrsinfrastruktur wird die Grünen-Chefin Gewessler verantwortlich gemacht, während man den SPÖ-Bundesminister Hanke als zielorientiertes und kompetentes Regierungsmitglied sieht.
Die NEOS dümpeln ihrerseits in einem Bereich, der einen Wiedereinzug in den Nationalrat langsam fraglich macht.
Die Freiheitlichen mit ihrem Spitzenmann Herbert Kickl können mit ihren Gegenvorschlägen zu den Regierungsideen immer mehr Bürgerinnen und Bürger überzeugen.
Die FPÖ baut ihren Vorsprung aus und würde bei einer aliquot umgelegten, bereinigten Umfrage an der Absoluten kratzen. – Vorsicht, es handelt sich um Rohdaten, die sicher nicht dem Wahlergebnis entsprechen würden.
Die nächste Umfrage gibt es in zwei Wochen.
Nach wie vor: Herr und Frau Österreicher sind sauer!
Die Ergebnisse der „Sonntagsfrage“ Nationalrat:

Bereinigte Ergebnisse der „Sonntagsfrage“ Nationalrat:

Ergebnisse zur Umfrage „Neuwahlen?“:

* Onlineumfrage Sonntagsfrage von 27.07.2026, 00:00 bis 30.07.2026, 08:00. Befragt wurden 2000 wahlberechtigte, politisch interessierte und laut Eigenauskunft auch informierte Bürger aus allen Bundesländern im Alter von 16 bis 81 Jahren bei 1807 Rückmeldungen bei der mit der Sonntagsfrage gekoppelten Umfrage zur Neuwahl.
Es handelt sich hier ausschließlich um „Rohzahlen“ und nicht um „Hochrechnungen“.
Unter „Andere“ fallen Stimmen für Kleinparteien unter 1%, bzw. die nicht bundesweit zur Nationalratswahl antreten.
Unter „Ungültig“/„Keine Angaben“ fallen Mehrfachstimmen, sowie „leere Stimmzettel“.
Die Umfragen folgen nicht den Vorgaben des im Zusammenhang mit politischen Umfragen oft zitierten Verbandes der Markt- und Meinungsforschungsinstitute Österreichs (VdMI), dessen diesbezügliche Richtlinien wir als nicht zielführend ansehen und dem wir natürlich auch nicht angehören, da wir weder ein entsprechendes Institut sind, noch Umfragen im Auftrag Dritter, oder zu gewerblichen Zwecken (zum Verkauf) erstellen.
Daten und Graphiken © Gazette Oesterreich
Kann man in Österreich überhaupt noch von Politik sprechen? Nein – der Untergang wird nur noch verwaltet:
Österreich – Das Land, in dem der Untergang professionell verwaltet wird
Es gab einmal eine Zeit, da sprach man von Politik. Von Ideen. Von Visionen. Von Staatsmännern. Von Menschen, die den Mut hatten, gegen den Strom zu schwimmen und ihrem Land eine Richtung zu geben.
Heute genügt ein Blick nach Österreich. Visionen wurden durch Pressekonferenzen ersetzt, Staatskunst durch Krisenmanagement und Führung durch die Kunst, den nächsten Umfragetiefstand irgendwie zu überleben.
Die Republik gleicht einem Schiff, dessen Kapitän nicht mehr fragt, wohin die Reise gehen soll. Man diskutiert nur noch darüber, auf welcher Seite das Wasser zuerst eindringt.
Während das Staatsdefizit wächst und die Schulden in Höhen steigen, die kommende Generationen noch beschäftigen werden, herrscht im politischen Wien bemerkenswerte Gelassenheit. Man könnte fast glauben, Milliarden seien inzwischen eine Maßeinheit für politische Verantwortungslosigkeit.
Auch bei der Migration zeigt sich das gleiche Bild. Seit Jahren wird verwaltet, moderiert, angekündigt, vertagt und relativiert. Lösungen scheinen weniger gefragt zu sein als Presseaussendungen, in denen erklärt wird, warum gerade jetzt leider nichts möglich sei.
Nicht viel besser präsentiert sich die Wehrpolitik. Die jüngste Wehrreform wirkt wie das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, die sich zuerst auf Schlagworte und erst danach auf Inhalte geeinigt hat. Soldaten sollen Sicherheit garantieren – allerdings mit Konzepten, die oft den Eindruck erwecken, als hätte niemand die Wirklichkeit gefragt.
Das eigentliche Problem sitzt jedoch tiefer. Viele Minister erscheinen längst nicht mehr als Diener des Staates, sondern als Verwalter parteipolitischer Interessen. Die Republik wird dabei zum Nebenschauplatz, während innerhalb der Parteien Karrieren, Netzwerke und Loyalitäten wichtiger wirken als das Gemeinwohl.
Auch die aktuellen parteiinternen Affären vermitteln diesen Eindruck. Die Diskussionen rund um den Wirtschaftsbund und dessen Funktionäre belasten das Vertrauen ebenso wie die Frage, ob politische Verantwortung tatsächlich übernommen oder vor allem kommunikativ entschärft werden soll.
Bei den NEOS dominieren wiederum innerparteiliche Konflikte und Ausschlussdebatten. Wer einst Transparenz und neue politische Kultur versprach, kämpft heute selbst mit Vorwürfen mangelnder innerparteilicher Offenheit. Der moralische Zeigefinger wirkt deutlich weniger überzeugend, wenn er gleichzeitig auf die eigene Partei zurückzeigt.
Die SPÖ schließlich liefert unter Andreas Babler das Bild einer Partei, die mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit dem Land. Während intern über Führung und Zukunft diskutiert wird, fragen sich viele Wähler längst, ob diese Partei überhaupt noch weiß, wohin sie will.
So verwaltet Österreich seinen eigenen Niedergang. Nicht dramatisch. Nicht spektakulär. Sondern ordentlich, bürokratisch und mit beeindruckender Routine.
Vielleicht ist genau das die größte Leistung der politischen Klasse: den Eindruck zu vermitteln, alles sei unter Kontrolle, während sich die Probleme Jahr für Jahr weiter auftürmen.
Der österreichische Wähler darf dabei regelmäßig seine demokratische Pflicht erfüllen. Er darf wählen, welche Partei künftig den Stillstand organisiert, welche Regierung die nächsten Defizite verwaltet und welche Minister die Verantwortung mit professioneller Gelassenheit an ihre Nachfolger weiterreichen.
Visionen? Fehlanzeige.
Mut? Selten.
Staatskunst? Kaum noch erkennbar.
Österreich besitzt heute kein Erkenntnisproblem. Jeder kennt die Herausforderungen: Staatsverschuldung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration, Sicherheit, Bildung und demografischer Wandel. Es fehlt nicht am Wissen, sondern am politischen Willen.
Vielleicht ist das die treffendste Definition der österreichischen Politik des Jahres 2026:
Nicht mehr gestalten.
Nicht mehr führen.
Nicht mehr reformieren.
Sondern den Untergang möglichst geräuschlos verwalten – und ihn bei der nächsten Pressekonferenz als Erfolg verkaufen.
zahlen bitte:
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