Gerard Freiherr van Swieten

Der Appetitzügler

Gerard van Swieten, deutsch auch Gerhard von Swieten, ab 1753 Freiherr van Swieten (* 7.5.1700 in Leiden; † 18.6.1772 in Hietzing beim Schloss Schönbrunn/Wien), war Mediziner, Leibarzt Maria Theresias und galt als wichtiger Reformer in der Zeit der Aufklärung. Er kam 1745 nach Wien als Leibarzt und Berater Maria Theresias. Er gründete die erste Wiener Medizinische Schule und reformierte den universitären Lehrbetrieb für die Medizin. Zudem verbesserte er die Bedingungen in den Krankenhäusern, gründete Hebammenschulen und sog. „Findel- und Gebärhäuser“ in denen ledige Mütter ihre Kinder gebären und im Notfall auch abgeben konnten.

Als Leibarzt der Kaiserin hatte es van Swieten nicht leicht. Sie war nicht nur eine Feinschmeckerin, sondern sehr zum Leidwesen ihres Leibarzts auch eine Vielesserin. Immer wieder machte er die Monarchin darauf aufmerksam, und bat sie, ihre Eßgewohnheiten zu überdenken und vor allem etwas zu zügeln. Die Kaiserin nahm van Swietens Bedenken freundlich zur Kenntnis, hielt sich allerdings nicht daran.
Bei einem Abendessen, bei dem der Mediziner zugegen war, wurden wieder große Mengen der feinsten Köstlichkeiten aufgetragen, und die Kaiserin schlug mit großer Lust zu: Suppen, Braten, Krustentiere, Kuchen, Torten, Cremes, und so weiter.
Der listige Arzt hatte neben seinem Stuhl einen Eimer stehen, und jedesmal, wenn sich die Kaiserin einen neuen Gang servieren ließ, nahm van Swieten die gleiche Menge der Speise und warf sie in den Kübel.
Irgendwann war die Kaiserin dann doch neugierig und fragte den Leibarzt, was er denn da treibe. Und der Arzt antwortete ihr:
„Ich habe diesen Kübel mitgebracht, um Eurer Majestät zu zeigen, wie es jetzt im Magen Eurer Majestät aussieht!“
Ob dieser Versuch einer Schocktherapie von Erfolg gekrönt war, ist nicht überliefert.



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