
Ein Versehen
Otto Bauer (* 5.9.1881 in Wien; † 5.7.1938 in Paris) war österreichischer Politiker, führender Theoretiker der Sozialdemokratie seines Heimatlandes, Redakteur der „Arbeiter-Zeitung“ und Begründer des Austromarxismus. Er war von 1918 bis 1934 stellvertretender Parteivorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und 1918 bis 1919 Außenminister der Republik Deutschösterreich.
Nach dem gescheiterten Februaraufstand 1934 floh er in die Tschechoslowakei, welche er nach dem Einmarsch deutscher Truppen 1938 in Richtung Frankreich verließ.

Nach der Niederschlagung des Februaraufstandes der Sozialdemokraten im Jahr 1934 flüchtete Bauer gemeinsam mit dem Kommandanten des republikanischen Schutzbundes, Julius Deutsch, nach Prag. Kurz darauf erschien im „Prager Tagblatt“ ein Leitartikel, in dem man den beiden vorwarf, daß sie sich abgesetzt hätten, während ihre Genossen im aussichtslosen Kampf in Wien auf den Barrikaden standen und fast 200 dabei ihr Leben verloren.
Bald tauchte eine Abordnung der Sozialdemokratischen Partei beim Herausgeber Rudolf Keller auf und beschwerte sich über diesen Kommentar. Rudolf Keller hörte sich die Beschwerden der Genossen in Ruhe an, unterbrach nicht und widersprach nicht. Dann atmete er einmal tief durch und antwortete:
„Meine Herren, Sie wissen doch, wie es zugeht in einer Redaktion – besonders an einem so aufregenden und hektischen Tag wie dem gestrigen. Da herrscht ein entsetzliches Durcheinander, die Meldungen überstürzen sich, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinhören soll. Tja, meine Herren, da kann es dann schon passieren, daß man einmal die Wahrheit schreibt!“
Interessantes Dokument:
https://www.freiheitskaempfer-salzburg.at/wp-content/uploads/1988_5-6_Kaempfer_kl.pdf
„…Wie sehr der Anschlußgedanke von
der ganz“en Partei, von links bis rechts,
akzeptiert wurde, können wir auch aus
dem Interview entnehmen, das Karl
· Renner am 3. April 1938 dem „Neuen
·wiener Tagblatt“ gegeben hat.
Und dann sagte Renner wortwörtlich:
„Obschon nicht mit jenen Methoden
errungen, zu denen ich mich bekenne,
ist der Anschluß nunmehr doch vollzo
gen, ist geschichtliche Tatsache, und
diese betrachte ich als wahrhafte Ge
nugtuung für die Demütigung von 1918
und 1919, für St-Germain und Ver
sailles. Ich müßte meine ganze Vergan
genheit als theoretischer Vorkämpfer
des Selbstbestimmungsrechtes der
Nation wie als deutschösterreichischer
Staatsmann verleugnen, wenn ich die
große geschichtliche Tat des Wieder
zusammenschlusses der deutschen
Nation nicht freudigen Herzens be
grüßte….“