Am Abgrund der Bombe – und Europas Linke entdeckt ihr Herz für die Mullahs

Es war ein Samstag, der 28. Februar 2026, und er wird in die Chroniken eingehen – nicht als launige Randnotiz, sondern als jener Morgen, an dem die Dinge eine Härte annahmen, die sich nicht mehr wegerklären lässt. Israelische und US-amerikanische Streitkräfte griffen im Iran an und löschten binnen 40 Minuten die Führungsspitze und zentrale militärische Einrichtungen der Islamischen Republik aus. Die „erste Reihe“ des Regimes – Revolutionsgarden, Generalstabschef, schließlich auch der „Oberste Führer“ Ali Khamenei – wurde ausgeschaltet.
Und während in Teheran der Rauch aufstieg, stieg in manchen europäischen Hauptstädten ein anderer Nebel auf: der moralische Dunst einer politischen Linken, die plötzlich das Völkerrecht wie eine Monstranz vor sich herträgt – freilich nur dann, wenn Israel handelt.

Der Terrorstaat – nach außen und nach innen
Man darf bei aller Erregung die Tatsachen nicht aus dem Blick verlieren. Die Iran ist kein normales Gemeinwesen mit ein paar autoritären Schrullen. Sie ist ein theokratischer Sicherheitsapparat mit Staatsflagge. Nach außen finanziert, bewaffnet und dirigiert sie Proxys wie die Hisbollah, die Hamas und die Huthi-Rebellen. Raketen, Drohnen, Ausbildung, Logistik – all das fließt nicht aus frommer Mildtätigkeit, sondern aus strategischem Kalkül.
Nach innen herrscht ein vormittelalterliches Religionsrecht, das Frauen systematisch entrechtet, Andersdenkende verfolgt und jeden Protest mit Gefängnis, Folter oder der Todesstrafe beantwortet. Zwischen 30.000 und 40.000 regimekritische Bürger sollen allein zu Jahresbeginn 2026 im Zuge der Proteste ums Leben gekommen sein. Universitäten wurden gestürmt, Internetleitungen gekappt, Schauprozesse abgehalten. Die Hälfte der Gesellschaft – die Frauen – lebt unter einem System permanenter Kontrolle und Rechtlosigkeit.
Und dennoch: Als diese Zehntausenden starben, war die Empörung vieler europäischer Wortführer auffallend leise. Man beließ es bei „tiefer Sorge“ und „ernsten Mahnungen“. Der Galgen in Teheran erzeugt offenbar weniger moralische Schockwellen als ein Präventivschlag in Natanz.

540 Kilogramm – eine Zahl wie ein Donnerschlag
Am 27. Februar 2026, einen Tag vor den Angriffen, erklärten iranische Verhandler ihren US-Gesprächspartnern kühl, man verfüge über 540 Kilogramm auf 60% angereichertes Uran. Genug, um – technisch weiterverarbeitet – Material für bis zu elf Atombomben bereitzustellen. Zudem sei es das „verbriefte Recht“ des Iran, sich nuklear zu rüsten; Einschränkungen von außen dulde man nicht.
Wer hier noch an zivile Energiegewinnung glaubt, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann mit Turban. Die Islamische Republik erkennt den Staat Israel nicht an und hat die „Vernichtung des zionistischen Gebildes“ schon vor Jahrzehnten zur Staatsdoktrin erhoben. In einer solchen Konstellation ist auf 60% angereichertes Uran keine allfällige Randnote, sondern eine existenzielle Bedrohung.
Es ist im Übrigen kein Geheimnis, dass israelische und amerikanische Operationen im vergangenen Jahr Teile des iranischen Atomprogramms hemmten und zumindest teilweise stoppten. Ohne diese Eingriffe stünde die Welt womöglich bereits vor einer vollendeten Tatsache. Wer also heute empört fragt, warum Jerusalem und Washington handelten, möge die Gegenfrage beantworten: Ab welchem Anreicherungsgrad beginnt für Sie die Selbstverteidigung?

Präventivschlag oder Selbstmord auf Raten?
Der Schlag vom 28. Februar war, nüchtern betrachtet, ein Präventivschlag. Das Völkerrecht kennt – man lese Artikel 51 der UN-Charta – das Recht auf Selbstverteidigung, auch gegen unmittelbar drohende Gefahren. Wenn ein Staat, der Ihre Vernichtung predigt, kurz vor der nuklearen Bewaffnung steht, ist die Bedrohung nicht theoretisch, sondern sehr konkret.
Dass man in Brüssel, Berlin oder Wien nun salbungsvoll zur „Rückkehr an den Verhandlungstisch“ aufruft, hat etwas Rührendes. Mit wem, bitte? Mit einem Regime, das Israel nicht anerkennt, keine diplomatischen Beziehungen unterhält und in offiziellen Reden dessen Auslöschung fordert? Diplomatie setzt minimale gemeinsame Realität voraus. Wo diese fehlt, bleibt nur das Prinzip Hoffnung – oder das Prinzip Abschreckung.

Selektive Empörung – ein altes Laster
Es ist ein wiederkehrendes Muster: Wenn Israel oder die USA gegen erklärtermaßen feindliche Akteure vorgehen, wird das Völkerrecht beschworen, als handle es sich um eine empfindliche Porzellanfigur. Wenn jedoch Proxys des Iran Raketen auf israelische Städte feuern oder im Roten Meer Handelsschiffe bedrohen, dann spricht man von „Eskalationsspiralen“ und einer „komplexen Gemengelage“.
Diese selektive Empörung nährt einen Verdacht, den man ungern ausspricht, der aber im Raum steht: einen latenten Antisemitismus, getarnt als moralischer Universalismus. Das Existenzrecht Israels wird rhetorisch bejaht, praktisch jedoch relativiert, sobald es sich verteidigt.
Man konstruiert sich ein Völkerrecht, in dem Terrorregenten quasi unter Artenschutz stehen, während der bedrohte Staat gefälligst Geduld üben möge. Es ist die Verkehrung der Verantwortlichkeiten: Der Aggressor wird zum Missverstandenen, der Verteidiger zum Störenfried.

Wien, Berlin, Madrid – und die moralische Pose
In europäischen Städten kam es zu Demonstrationen, teils sogar zu Trauerbekundungen für den getöteten Revolutionsführer. Während iranische Dissidenten seit Jahren um internationale Solidarität ringen, findet sich hierzulande mancher Politiker lieber bei Fastenbrechen und Dialogformaten ein, als die Dinge beim Namen zu nennen.
Das ist nicht Dialogbereitschaft, das ist politische Naivität – oder Zynismus. Wer mit Regimen verkehrt, die Frauen auspeitschen und Homosexuelle hängen, darf sich nicht wundern, wenn die eigene Menschenrechtsrhetorik hohl klingt wie eine leere Blechdose.

Die strategische Realität
Die Lage ist ernst. Der Iran droht mit der Sperrung der Straße von Hormus, die Energiepreise reagieren nervös, Versicherer ziehen sich zurück. Ein Flächenbrand im Nahen Osten ist keine Fiktion, sondern eine reale Gefahr. Doch gerade deshalb ist die Frage entscheidend, ob man eine nuklear bewaffnete Theokratie in Kauf nimmt – oder ob man das Risiko einer militärischen Eskalation eingeht, um sie endgültig zu verhindern.
Israel hat sich – aus seiner Sicht nachvollziehbar – für Letzteres entschieden. Man mag das beklagen. Man mag es für riskant halten. Aber es ist zumindest eine rational begründbare Entscheidung in einer existenziellen Bedrohungslage.

Schluss mit der bequemen Blindheit
Die europäische Linke täte gut daran, ihre Reflexe zu überprüfen. Wer ernsthaft gegen Antisemitismus kämpfen will, darf ihn nicht in geopolitischer Verkleidung dulden. Wer Frauenrechte verteidigt, sollte sie auch dann verteidigen, wenn sie in Teheran mit Füßen getreten werden. Und wer das Völkerrecht beschwört, sollte es nicht als politisches Schlaginstrument missbrauchen.

Der 28. Februar 2026 markiert keinen Triumph, sondern eine Zäsur. Er zwingt uns, Position zu beziehen – nicht im Sinne blinder Gefolgschaft, sondern im Sinne intellektueller Redlichkeit. Zwischen einer Demokratie, die um ihr Überleben ringt, und einem Gottesstaat, der seine Bürger unterdrückt und die Auslöschung eines Nachbarn predigt, besteht ein Unterschied.
Wer ihn nicht sehen will, dem fehlt nicht Information, sondern der Wille zur Klarheit.

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