Vom guten Vorsatz zur schlechten Ausrede – Neujahr 2026 und die Kunst des Unterlassens

Alle Jahre wieder – der Mensch und sein Spiegelbild
2025 ist passé, 2026 steht im Türrahmen. Keine Heldentat, bloß Kalenderarithmetik. Und wie jedes Jahr blickt der Mensch kurz in den Spiegel, seufzt tief und verspricht Besserung. Weniger Gewicht, weniger Rauch, weniger Promille. Mehr Bewegung, mehr Disziplin, mehr Karriere. Die Klassiker. Vorsätze im Taschenformat, moralisch handlich, praktisch folgenlos. Denn zwischen Entschluss und Umsetzung liegt bekanntlich der Alltag – dieses biestige Wesen, das gute Absichten zuverlässig zerknüllt.

Das Kleine üben wir – das Große vermeiden wir
Während der Einzelne tapfer mit dem inneren Schweinehund ringt (und leider oft unterliegt), entziehen sich die wirklich Mächtigen jeder Form von Neujahrsaskese. Dabei wären gerade sie gefordert. Denn was im Privaten Kalorien sind, sind im Politischen Fehlentscheidungen. Und davon gab es reichlich.

Migration: Ordnung ist kein Schimpfwort
Die Migrationskrise mitsamt ihren zahllosen Nebenschauplätzen schreit nach Lösung. Nicht nach Arbeitskreisen, Gipfeln oder dem Verweis auf Brüssel. Österreich muss im eigenen Haus Ordnung schaffen – erst dann lässt sich europäisch argumentieren. Wer nationale Untätigkeit mit europäischer Komplexität tarnt, betreibt keine Politik, sondern Ausfluchtspflege.

Ukraine: Frieden beginnt mit dem Mut zum Gespräch
Frieden entsteht nicht durch moralische Selbstüberhöhung und das reflexhafte Abwürgen jeder diplomatischen Initiative. Reden ist keine Kapitulation. Wer Gespräche im Vorhinein verunmöglicht, verlängert Leid und nennt es Haltung. Das ist nicht standhaft, sondern gefährlich einfältig.

Energie und Wirtschaft: Irrtum oder Vorsatz?
Eine Politik, die Energie verteuert, Produktion vertreibt und Wohlstand dem guten Gewissen opfert, ist kein Versehen mehr. Fehler einzugestehen ist menschlich. Sie wider besseres Wissen fortzuführen, ist fahrlässig – und auf Dauer ruinös.

Ehrlichkeit als radikaler Neuanfang
Die apokalyptischen Prophezeiungen über Trump und Milei sind widerlegt. Messbar, sichtbar, amtlich. Wer dennoch an ihnen festhält, betreibt keine Kritik, sondern Verleumdung aus Gewohnheit. Ehrlichkeit wäre hier kein Luxus, sondern Pflicht. Und ein paar Anleihen an deren Tun zu nehmen, wäre durchaus eine intelligente Handlung!

Ein letzter Vorsatz – und der wichtigste
Mehr Ehrlichkeit, mehr Anstand, mehr Demut täten der österreichischen Bundesregierung gut. Und sie könnte diesen Vorsatz sofort umsetzen: durch Rücktritt und Neuwahlen. Es wäre der seltene Fall, dass politisches Unterlassen tatsächlich Fortschritt bedeutet.

2026 hätte es verdient.

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One thought on “Vom guten Vorsatz zur schlechten Ausrede – Neujahr 2026 und die Kunst des Unterlassens

  1. Man hofft – auf Glück, aber auf die Dauer hat nur der Tüchtige Glück, und dieser Regierung mangelt es an dieser seltenen Spezies. Das Glück bleibt eine Illusion und so sollten sich die Regierungsmitglieder an das Aschenlied halten –

    https://www.youtube.com/watch?v=k0H90PXO2lA

    Warum fällt mir der Babler, der Stocker und die Meindl ein, wenn ich höre:

    So mancher steigt herum
    Der Hochmut bringt ihn um
    Trägt einen schönen Rock
    Ist dumm als wie ein Stock
    Von Stolz ganz aufgebläht
    O Freunderl, das ist öd
    Wie lang stehts denn noch an
    Bist auch ein Aschenmann
    Ein Aschen! Ein Aschen

    Ein Mädchen kommt daher
    Voll Brüßler Spitzen schwer
    Ich frag gleich wer sie wär?
    Die Köchin vom Traiteur
    Packst mit der Schönheit ein
    Gehst glei in d Kuchel rein
    Ist denn die Welt verkehrt?
    Die Köchin ghört zum Herd.
    Ein Aschen! Ein Aschen!

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