Sind wir im Krieg?

Gedanken zur COVID-19-Krise

Ein Kommentar.

Vorweg: Nein. Wir sind nicht im Krieg. Und sämtliche Kriegsrhetorik ist unangebracht und unpassend. Das Land ist erkrankt und bekommt gerade eine Therapie an der es eher zu sterben droht als an der Krankheit. – Das ist natürlich hoffnungslos überzeichnet, aber man muß es einfach betonen, daß die von der Regierung gesetzten Maßnahmen entweder übertrieben, nicht durchdacht, falsch oder zu spät waren.

Heute gab sich Minister Anschober und stammelte von geschätzt 700 „Ahhh“ unterbrochen seinen Zwischenbericht herunter. Er kündigte unter anderem an, die „Vorgänge in Ischgl/Tirol“ entsprechend zu untersuchen und aufzuklären. Aufklärungswürdig ist in diesem Zusammenhang auch die Rolle Anschobers, bzw. seines Ministeriums. Da COVID-19 seit Januar eine meldepflichtige Krankheit ist, war nicht mehr das Land Tirol mit seiner schwarz-grünen Führung, sondern das Ministerium zuständig. Der Landeshauptmann Platter hatte weisungsgebunden zu handeln. Was also war da los? Zudem ließ man heute plöztzlich verlauten, daß der erste gemeldete COVID-19-Fall doch nicht am 5. Februar, sondern erst am 5. März auftauchte. – Das falsche Datum soll zuvor ein Eingabefehler gewesen sein.
Also nochmal: Was verdammt nochmal war da los und was verdammt nochmal wird da gerade gespielt?
Manchem gelernten Österreicher graut gerade Schreckliches!

In der Zwischenzeit springt die in ihrem Fach- und Sachbereich augenscheinlich nur durch Abneigung gegen Individualverkehr auffällige Verkehrsministerin Gewessler ihrer Wiener Parteigenossin Hebein zur Seite und fantasiert von Fußgängerstraßen, um den Menschen das Einhalten der 1.5m-Distanz im öffentlichen Raum zu erleichtern. In Anbetracht der Tatsache, daß sich Millionen Österreicher überwiegend in den eigenen vier Wänden und maximal noch an ihrem Arbeitsplatz aufhalten, also Frischluft nur nach vom Arbeits- oder Einkaufsweg kennen, ist die Forderung nach mehr Platz für die, welche #bleibdaheim nicht ernst nehmen, ein Tritt in die Weichteile. Hier versucht man ideologisierte Auto-, Menschen- und Wirtschaftshasserpolitik mit der Brechstange umzusetzen. Niemand ist in Wien im Auto unterwegs, weil es Spaß macht. – Das tut es nämlich gar nicht! Hier den auf Kfz angewiesenen Menschen noch einmal eins reinzuwürgen, ist pure und plumpe Bosheit!




Zurück zum Titel und seiner Frage.
Krieg setzt einen Feind, einen denkenden, taktierenden mit einem Kriegsziel ausgestatteten Feind voraus. Eine Armee eines feindlichen Staates, oder zumindest eine Terrororganisation von entsprechender Größe und Schlagkraft.
Und doch bedient sich (nicht nur) unsere Regierung einer Kommunikationstaktik, die eher zu einem Kriegszustand passen würde: Man sagt nie alles, verschweigt viel, ergibt sich in Andeutungen, verspricht erst ein baldiges Ende (raschen Sieg?), um dann noch höhere Anstrengungen und Belastungen anzukündigen. All das wäre bei einem militärischen Konflikt durchaus legitim. Zu groß wäre die Gefahr, daß der Feind sich nützliche Informationen über Regierungsstatements holen würde. Aber wir sind eben nicht im Krieg. COVID-19 betreibt weder Spionage, noch Feindaufklärung und ändert nicht seine Strategie, weil der Gesundheitsminister oder Bundeskanzler dieses oder jenes ankündigte. Es ist ein mikroskopisch kleines Lebewesen, das nicht einmal einen Hintern hat, um das weltweit vorsorglich bevorratete Klopapier zu nutzen.
Die Kriegsrhetorik und Kriegskommunikation ist also so notwendig wie ein Schnorchel für einen Goldfisch.

Was viel dringender von Nöten wäre, ist Offenheit und Transparenz bei den Entscheidungsfindungen zu den getroffenen und zu treffenden Maßnahmen. Und die Bürger des Landes verdienen Aufklärung, warum bspw. die angekündigten 15.000 Testungen pro Tag nach wie vor nicht stattfinden. Sich jetzt auf die Schulter zu klopfen und von der Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs zu fabulieren, ist ein Hohn! Es gibt kein aussagekräftiges Datenmaterial, auf das sich die Behauptung stützen könnte.
Mindestens genauso transparent darzulegen ist, warum es jetzt, Anfang April, angeblich keine benötigten Labormaterialien für die überfälligen großflächigen Tests gibt. Seit Mitte Januar war bekannt, was hier auf uns zukommt. Hat man es damals verabsäumt, Vorbereitungen zu treffen? Der Eindruck drängt sich auf. – In aller Höflichkeit gesagt.

Erschreckend ist, wie die frühere Wirtschaftpartei ÖVP jede rationale Überlegung, den „Laden“ Österreich am Laufen zu halten, über Bord geworfen hat. Die Abänderung des Epidemiegesetzes von 1950 zum absoluten Schaden der kleinen und mittleren Unternehmen ist alarmierend. Und all diese Maßnahmen unter dem Deckmantel des „nationalen Schulterschlusses“ durchzupeitschen, ist einfach bedenklich.
Vielleicht kommt einer der so oft von der Regierung zitierten und als Ausrede für die seltsamsten Maßnahmen genutzten Experten einmal auf die Idee, zumindest die bereits immunisierten Personen, jene Menschen, die das Virus mit oder auch ohne Krankheit überstanden haben, wieder in die „Freiheit“, ins Leben, in die Wirtschaft, an die Arbeitsplätze zu entlassen? Die Arbeitnehmer bangen um ihre Existenzen!

Auch die nun doch noch nicht ganz vorgeschriebenen Masken in Supermärkten sind ein Symptom des Versagens im Krisenmanagement. Erst sind sie nicht da, dann nicht verteilt. Niemand weiß, wer sie bezahlt. Dann verschiebt man den ganzen Ballawatsch doch wieder um ein paar Tage.
Gleichzeitig hätte man den unzähligen kleinen Textilverarbeitungsbetrieben, den Änderungsschneidereien usw. eine Erleichterung zur Ausübung ihres Gewerbes geben können, damit diese Betriebe sich während der Krise durch die Produktion dieser Masken ein paar Euros hätten verdienen können. Denn die derzeit praktizierte Lösung mit den Papiermasken kann nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Es handelt sich um Einwegmasken, die nach kurzem Gebrauch zu entsorgen sind. – Lustigerweise eigentlich auch noch als Sondermüll, nämlich potentiell biologisch kontaminiertes Material. – Analog zur Mülltrennung in Krankenhäusern. Und über den bei Experten umstrittenen Sinn und Unsinn dieser Masken wollen wir gar nicht erst nachdenken… Wirklich nicht!

Aus der „sicheren Distanz“, dem Homeoffice zu schimpfen und alles besser zu wissen, ist natürlich leicht, wird man sagen. Allerdings liegt das Schicksal dieses Landes gerade in den Händen von Menschen, die bei näherer Betrachtung nichts auf die Reihe bringen. Und da wird ’s Zeit, die Stimme zu erheben!

Mundschutz? – Von mir aus.
Maulkorb? – Niemals!


Bilder:
Otto Dix – Der Krieg © Metropolitan Museum od Art
Dame mit Schutzmaske © deviantart / CorneredRing-Stock / cc by-sa 3.0

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