
Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Dolly Rebecca Parton, die am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren in Nashville friedlich verstorben ist. Umgeben von ihren Angehörigen erlag sie nach einem kurzen Kampf gegen den Krebs. Die Welt der Musik, die Unterhaltungsbranche und unzählige Menschen, deren Leben sie mit ihrer Wärme, ihrem Witz und ihrer Großzügigkeit berührt hat, trauern um eine unvergleichliche Künstlerin und einen unvergleichlichen Mensch.
Geboren am 19. Januar 1946 in Locust Ridge im Sevier County, Tennessee, wuchs Dolly als viertes von zwölf Kindern einer armen Sharecropper-Familie in den Great Smoky Mountains auf. In einer kleinen Hütte ohne fließendes Wasser und Strom, reich an Liebe, Glauben und Musik, lernte sie früh, dass Talent und Entschlossenheit mehr wert sein können als materieller Besitz. Ihre Mutter Avie Lee sang und spielte Gitarre, ihr Vater Robert Lee Parton, der weder lesen noch schreiben konnte, arbeitete hart, um die große Familie durchzubringen. Diese Herkunft prägte Dolly ein Leben lang und floss in ihre ehrlichsten Lieder ein – etwa in „Coat of Many Colors“, das von dem bunten Mantel erzählt, den ihre Mutter aus Stoffresten genäht hatte.
Bereits als Kind trat sie in lokalen Radiosendungen auf, mit 13 Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne der Grand Ole Opry. Nach dem Schulabschluss zog sie nach Nashville, wo sie am ersten Tag ihren späteren Ehemann Carl Dean kennenlernte. Die beiden heirateten 1966 und blieben bis zu seinem Tod im März 2025 fast sechzig Jahre eng verbunden – eine der standhaftesten und privatesten Liebesgeschichten der Showbranche.
Dolly Partons Karriere war außergewöhnlich. Mit treffsicheren, oft autobiografischen Songs wie „Jolene“, „I Will Always Love You“, „9 to 5“ und Hunderten weiterer Kompositionen wurde sie zu einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Künstlerinnen des Country und darüber hinaus. Über 100 Millionen verkaufte Tonträger, zahlreiche Nummer-eins-Hits, Grammys, CMA Awards und die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame legten Zeugnis von ihrem Können ab. Sie schrieb nicht nur für sich, sondern öffnete Türen für Generationen von Songwriterinnen und Sängerinnen. Gleichzeitig bewies sie als Schauspielerin in Filmen wie „9 to 5“ und „Steel Magnolias“ Humor und Präsenz und baute mit Dollywood ein erfolgreiches Freizeitunternehmen auf, das ihrer Heimatregion Arbeit und Identität gab.
Doch Dolly Partons größtes Vermächtnis liegt jenseits der Bühne. 1995 gründete sie die Imagination Library zu Ehren ihres Vaters. Was als lokale Initiative begann, wuchs zu einem internationalen Programm heran, das bis zu ihrem Tod weit über 300 Millionen Bücher an Kinder von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr verschenkt hat. Monat für Monat erreichte ein Buch die Briefkästen von Millionen Familien in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Irland. „Book Lady“ nannten sie die Kinder – ein Titel, den sie lieber trug als jeden anderen. Dazu kamen großzügige Spenden für Bildung, Katastrophenhilfe und medizinische Forschung.
Dolly Parton verkörperte den amerikanischen Traum, ohne ihn zu verklären. Mit ihrem unverwechselbaren Erscheinungsbild – der hohen blondierten Frisur, den Strasssteinen und dem selbstbewussten Lächeln – feierte sie Weiblichkeit und Individualität, ohne sich je von Klischees definieren zu lassen. Sie blieb bodenständig, witzig und gütig, eine Brückenbauerin über Generationen, politische Lager und musikalische Grenzen hinweg.
Nun ist die Stimme verstummt, die so vielen Trost, Lebensfreude und Hoffnung schenkte. Doch ihre Lieder werden weitergesungen, ihre Bücher weiter gelesen und ihre Güte weiterwirken. Dolly Parton hinterlässt Geschwister, eine große Familie und Millionen von Menschen, die sich durch sie gesehen und ermutigt fühlten. In tiefer Dankbarkeit und mit aufrichtiger Trauer nehmen wir Abschied von einer Frau, die der Welt nicht nur Musik, sondern ein Stück Menschlichkeit schenkte.
Ruhe in Frieden, Dolly. Dein Licht erlischt nicht.