
(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten
Ein Kommentar.
Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Leserinnen und Leser, diese Woche gibt nur wenig Anlaß zum Scherzen, zum Lachen, und um sich über die Niederungen der österreichischen Politik lustig zu machen. Im Grunde ist es ohnehin ein Trauerspiel, über das man sich nur unter Aufbringung einer Menge von Galgenhumor und Zynismus auslassen konnte.
Das übliche – vielleicht sogar ätzende – Auslassen über unsere nur in homöopathischen Dosen geschätzte Bundesregierung und ihre nur wenig segensreichen Taten, Untaten, Ankündigungen, Fehl- und Nichtentscheidungen, muß heute einmal ausbleiben. Manchmal muß man auch einen anderen Themenbereich, der nicht minder wichtig im Zusammenspiel der Menschen ist, bearbeiten. Und vielleicht muß man sich daran auch abarbeiten.
Diese Woche verstarben zwei Persönlichkeiten der Politik. Keine Hinterbänkler, sondern ziemlich große Kaliber in ihren Bereichen, ihren Lagern. Der eine war der bundesdeutsche, besser gesagt bayrische, Politiker, Wirtschaftsminister und Vorsitzende der „FW – Freie Wähler“, Hubert Aiwanger. Der andere war der österreichische Nationalratsabgeordnete Mag. Norbert Nemeth, der langjährige Klubdirektor der Freiheitlichen und profunde Kenner der österreichischen Verfassung, sowie des österreichischen Parlamentarismus in Theorie, Regeln und Praxis.
Der Tod dieser beiden Herren, gerade 55 und 57 Jahre alt, ist nicht nur eine Mahnung an die Menschen, sich ihrer Endlichkeit bewußt zu sein, sondern auch ein schmerzlicher Verlust für all jene Menschen, die mit den beiden Männern zu tun hatten. Beruflich, privat oder familiär. Und nicht nur Freunde, sondern auch politische Gegner, Mitbewerber aus anderen Parteien, waren entsetzt und zeigten ihre Betroffenheit. Man zeugte Respekt.
Leider gab es aber auch Stimmen, auf die man getrost verzichten hätte können. Gerade in sozialen Medien zeigten sich die einen oder anderen Zeitgenossen (und natürlich auch Zeitgenossinnen) von ihren widerwärtigsten, ihren ekelerregendsten Seiten. Daß sich in einer doch in weiten Bereichen zivilisierten und aufgeklärten Gesellschaft Menschen dazu hinreißen lassen, unverhohlen ihre Freude über das Ableben der Genannten kundzutun, ihren Spott über die Verblichenen auszuschütten, ist mehr als bloß ein Armutszeugnis über die Verfasstheit des Wertekorsetts der Verfasser. Es ist ein Alarmzeichen! Es ist ein Beleg dafür, daß es schwerste Verwerfungen durch die gesamte Gesellschaft gibt. Allerdings nicht zwischen den politischen Lagern, wie man uns ständig erklärt, nicht zwischen Links und Rechts, Oben und Unten, oder anderen angeblichen Bruchlinien. Es ist der immer weiter auseinander klaffende Spalt zwischen Anstand und Unanständigkeit, der hier sichtbar wird.
Es wurden und werden noch immer Grenzen auf Kosten der Verstorbenen, auf Kosten ihrer Familien und Freunde überschritten. Und es sind nicht die Grenzen des guten Geschmacks zur Geschmacklosigkeit, sondern Grenzen das Charakters zur Charakterlosigkeit.
Es hat sich ein Habitus bei einem viel zu großen Anteil der Menschen eingeschlichen, der Angst macht, der auch Ekel erregt. Personen oder Personengruppen, die sich darüber freuen, daß ein Vertreter einer anderen Meinung, einer anderen Weltsicht, eines vielleicht gegnerischen politischen Lagers (vor seiner Zeit) verstirbt, sind am Rande zu jener Denklogik, laut der man den Gegner auch zum Feind machen kann, und den Feind in Folge auch schädigen, vielleicht sogar töten darf. Wer sich über den Tod „der Anderen“ freut, ist nicht besonders weit davon entfernt, sich selbst dazu zu ermächtigen, auch den Tod zu bringen.
All jene, die nun am 9. November, am Jahrestag der Reichspogrom mit bebender, Tränen verschluckender Stimme danach fragen, wie es denn soweit kommen konnte, daß „scheinbar ganz normale Menschen“ zu Mördern, zu Monstern wurden, sei es ins Stammbuch geschrieben, ins Bewußtsein gerufen: Es geht ganz einfach! Man spricht „den Anderen“ jede Würde ab, man spricht nicht mit ihnen, sondern über sie, man freut sich über kleine, wie große Mißgeschicke, die „den Anderen“ widerfahren, man freut sich über ihren Tod und entschuldigt all diese zivilisatorischen Minderleistungen damit, daß „die Anderen“ ja die Bösen seien und sowieso Unrecht hätten.
Es bedarf keiner weltanschaulichen Ausrichtung, um zum Monster zu werden. Es ist keine Frage von Links und Rechts, keine Frage von Religion oder Ideologie. Es geht um Anstand und Charakter.
Schlußendlich wollen wir der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß all den Menschen, die sich jetzt als charakterlose Zivilisationslücken entpuppen, niemals die gleichen Widerwärtigkeiten widerfahren.
So nebenbei bemerkt: Neuwahlen wären die anständigste und eleganteste Lösung!
Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Sonntag!
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