Die Politik-Umfragen der Woche

Die Sonntagsfrage und die Umfrage zu Neuwahlen

Ein großer Knall nach dem SPÖ-Zirkus bleibt aus. Die Sozialdemokratie rutscht nur etwas schneller ab. Andere Parteien können aus der Schwäche der SPÖ kaum Nutzen ziehen.
Die FPÖ bleibt schon die zweite Woche über der magischen 40%-Marke in den Rohdaten.

Nach wie vor: Herr und Frau Österreicher sind sauer!

Die Ergebnisse der „Sonntagsfrage“ Nationalrat:


Bereinigte Ergebnisse der „Sonntagsfrage“ Nationalrat:


Ergebnisse zur Umfrage „Neuwahlen?“:



Onlineumfrage Sonntagsfrage von 05.10.2026, 00:00 bis 08.10.2026, 06:00. Befragt wurden 2000 wahlberechtigte, politisch interessierte und laut Eigenauskunft auch informierte Bürger aus allen Bundesländern im Alter von 17 bis 81 Jahren bei 1823 Rückmeldungen bei der mit der Sonnta
gsfrage gekoppelten Umfrage zur Neuwahl.
Es handelt sich hier ausschließlich um „Rohzahlen“ und nicht um „Hochrechnungen“.
Unter „Andere“ fallen Stimmen für Kleinparteien unter 1%, bzw. die nicht bundesweit zur Nationalratswahl antreten.
Unter „Ungültig“/„Keine Angaben“ fallen Mehrfachstimmen, sowie „leere Stimmzettel“.
„Bereinigte Ergebnisse“ stellen die Werte bei aliquoter Anrechnung der „Ungültig/Keine“-Stimmen auf alle anderen Parteien dar. Erfahrungsgemäß entspricht diese aliquote Umrechnung nicht der Realität eines Wahlergebnisses.

Die Umfragen folgen nicht den Vorgaben des im Zusammenhang mit politischen Umfragen oft zitierten Verbandes der Markt- und Meinungsforschungsinstitute Österreichs (VdMI), dessen diesbezügliche Richtlinien wir als nicht zielführend ansehen und dem wir natürlich auch nicht angehören, da wir weder ein entsprechendes Institut sind, noch Umfragen im Auftrag Dritter, oder zu gewerblichen Zwecken (zum Verkauf) erstellen.

Daten und Graphiken © Gazette Oesterreich

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2 thoughts on “Die Politik-Umfragen der Woche”

  1. la comedia finita

    Vorhang fällt für die SPÖ – Unterhaltungsshow in der Löwingerbühne: Aufstieg und Fall des „Urin-Andis“ – Eine politische Tragikomödie in mehreren Akten

    Thomas Mayer und Martina Kampmann haben ihr Buch einmal „Politik als Theater“ genannt. Man darf ihnen nachträglich gratulieren: Die SPÖ liefert inzwischen die Bühnenfassung frei Haus. Was sich derzeit in der ältesten Partei Österreichs abspielt, ist eine Mischung aus griechischer Tragödie, österreichischer Posse und moderner Fernsehinszenierung.

    Erster Akt: Der Hauptdarsteller

    In der Hauptrolle: Andreas Babler. Sein Aufstieg ist durchaus bemerkenswert. Vom Flaschenabfüller und Staplerfahrer zum Vizekanzler, Minister und Parteivorsitzenden – demokratisch ist daran zunächst nichts auszusetzen, an seiner Qualifikation darf allerdings gezweifelt werden, denn inzwischen sitzt Babler an den Schalthebeln der Bundesregierung und führt gleichzeitig eine Partei, deren Landesorganisationen mit seiner Führung offenbar zunehmend unzufrieden sind.

    Man möchte ihn loswerden. Nur: Der Hauptdarsteller denkt nicht daran, die Bühne freiwillig zu verlassen. Das ist im Theater ungewöhnlich. In der österreichischen Parteipolitik nennt man es Parteistatuten.

    Zweiter Akt: Die Landesfürsten

    Also treten die Landesparteichefs auf. Sie schauen ernst, beraten, telefonieren und verhandeln. Es gibt offenbar großen Handlungsbedarf. Und dann geschieht das österreichische politische Wunder: Man einigt sich – worauf genau, bleibt ein wenig im Nebel. Es soll Veränderungen geben, heißt es. Welche, wann und vor allem mit wem, wird später geklärt. Der Parteichef jedenfalls bleibt.

    Damit ist der Machtkampf vorerst beendet – zumindest für die Kameras. Man könnte auch sagen: Die SPÖ hat einen Machtkampf gewonnen, ohne einen Machtwechsel zustande zu bringen. Das ist die hohe Schule politischer Darstellungskunst: Aus einer Niederlage wird ein Kompromiss, aus dem Kompromiss ein Erfolg und aus dem Erfolg eine Pressekonferenz.

    Dritter Akt: Der Nachfolger hinter dem Vorhang

    Im Hintergrund wird bereits über den nächsten Chef gesprochen. Markus Marterbauer wird als mögliche Zukunftsfigur gehandelt. Das ist politisch ausgesprochen praktisch: Ein möglicher Nachfolger muss zunächst nichts tun. Er muss nur möglich sein.

    So kann Babler bleiben, Marterbauer warten und die Partei gleichzeitig den Eindruck erwecken, die Zukunft sei bereits geregelt. Das erinnert an ein Theaterstück, bei dem der zweite Hauptdarsteller schon hinter der Bühne steht, während der erste seinen Abgang einfach nicht wahrhaben will.

    Noch bemerkenswerter ist allerdings, dass sich offenbar kaum jemand aus der Partei nach vorne drängt und sagt: „Ich übernehme jetzt die Verantwortung.“ Eine Partei mit dieser Geschichte, dieser Größe und diesem politischen Anspruch müsste eigentlich über genügend Persönlichkeiten verfügen, die bereit sind, ins Rampenlicht zu treten. Stattdessen wird hinter den Kulissen darüber spekuliert, wer irgendwann einmal übernehmen könnte.

    Das ist vielleicht die tragischste Pointe des ganzen Stücks.

    Vierter Akt: Der Überqualifizierte

    Und dann gibt es noch Gerhard Zeiler. International erfahren, medienerfahren, managementerfahren und mit einer Karriere außerhalb des klassischen österreichischen Parteiapparats. Eigentlich müsste ein solcher Mann interessant sein.

    Vielleicht ist genau das sein Problem, denn Parteien schätzen Menschen mit Erfahrung – solange diese Erfahrung nicht dazu führt, dass jemand unangenehme Fragen stellt. Etwa: Warum funktioniert das so? Wer entscheidet das? Und vor allem: Wer trägt dafür die Verantwortung?

    Ein Mann von außen könnte auf die Idee kommen, tatsächlich aufzuräumen. Das wäre für einen Parteiapparat ungefähr so angenehm wie ein Bilanzprüfer, der nicht nur die Buchhaltung lobt, sondern die Bücher aufschlägt.

    Fünfter Akt: Wien führt Regie

    Dann betritt Michael Ludwig die Bühne. Der Wiener Bürgermeister kennt die Mechanik des politischen Theaters seit Jahrzehnten. Er weiß, wann man auftreten muss, wann man schweigen sollte und dass man in der Politik möglichst niemals sagt: „Wir haben ein Problem.“

    Man sagt lieber: „Wir haben einen intensiven Diskussionsprozess begonnen.“ – das klingt sofort nach Führung. Auch wenn noch niemand weiß, wohin.

    So entsteht das moderne politische Wunder: Aus einem Machtkampf wird ein Reformprozess, aus einem Streit ein Dialog, aus einer Niederlage ein Kompromiss und aus dem Kompromiss ein Erfolg. Die Kameras laufen, die ernsten Gesichter werden eingefangen und das Publikum darf sich seinen Teil denken.

    Sechster Akt: Die Demokratie als Parteistatuten

    Damit kommen wir zum eigentlichen Kern des Stücks. Österreich ist eine Demokratie. Das Volk wählt. Aber das Volk wählt keinen Vizekanzler, keinen Minister und auch nicht unmittelbar den Parteivorsitzenden.

    Der Bürger wählt Abgeordnete. Die Parteien bestimmen, wer kandidiert, auf welchem Listenplatz jemand steht und wer innerhalb der Partei die Macht besitzt. Die Parteien entscheiden schließlich auch darüber, wer für Regierungsämter infrage kommt.

    „Alles Recht geht vom Volke aus.“ Ein schöner demokratischer Satz. In der politischen Wirklichkeit könnte man ihn inzwischen ergänzen: Das Recht geht vom Volke aus – und macht vorher einen langen Umweg durch die Parteizentralen.

    Der Wähler glaubt, er könne bei der Wahl den künftigen Regierungschef auswählen. Tatsächlich wählt er Parteien und Abgeordnete. Wer Vizekanzler wird, entscheidet nicht der Wähler unmittelbar, sondern das politische Machtgefüge danach.

    Das ist formal korrekt. Aber es zeigt zugleich das Grundproblem unserer Parteienlandschaft: Zwischen Bürger und politischer Macht steht ein mächtiger Filter – die Partei. Und manchmal wird aus diesem Filter ein nahezu geschlossenes System.

    Letzter Akt: Der Vorhang

    Was also tun mit Andreas Babler? Man kann ihn offenbar nicht einfach von der Bühne holen. Also wird sich irgendwann eine neue Rolle finden müssen: eine Funktion, eine Aufgabe, ein Amt – irgendetwas, das den politischen Abgang wie einen Aufstieg aussehen lässt, das Salär muss natürlich stimmen! Denn eines ist in Österreich ziemlich sicher: Für einen ehemaligen Spitzenpolitiker findet sich fast immer eine Verwendung. Das politische System ist in dieser Hinsicht erstaunlich sozial. Nur beim Wähler ist es weniger großzügig. Der darf zuschauen, bezahlen und alle paar Jahre wieder abstimmen.

    Die eigentliche Tragödie ist deshalb nicht einmal Andreas Babler. Es ist die Partei selbst. Eine politische Bewegung, die einst staatstragend sein wollte, beschäftigt sich zunehmend mit ihrer eigenen innerparteilichen Statik: Wer darf bleiben? Wer darf gehen? Wer wird Nachfolger? Wer bekommt welche Rolle?

    Währenddessen warten draußen die politischen Probleme des Landes.

    Die SPÖ möchte Erneuerung, ohne einen wirklichen Bruch zu riskieren. Sie möchte Führung, ohne den Führungswechsel zu wagen. Sie möchte Geschlossenheit, obwohl die Flügel gegeneinander arbeiten. Und sie möchte dem Publikum vermitteln, dass alles unter Kontrolle sei- das ist weniger Politik als Bühnenregie.

    Und damit schließt sich der Kreis zu Thomas Mayer und Martina Kampmann: Politik als Theater ist längst keine Metapher mehr. Sie ist zur politischen Betriebsanleitung geworden.

    Die vielleicht bitterste Pointe aber lautet: Der Bürger glaubt, er sei der Souverän. Tatsächlich darf er alle paar Jahre die Eintrittskarte lösen. Wer auf der Bühne steht, bestimmt weitgehend das Ensemble selbst.

    Das ist die österreichische Version von Volksherrschaft:
    Das Volk darf wählen – die Parteien besetzen.

    Die Griechen nannten es Tragödie. Shakespeare nannte es Theater. Wir nennen es Demokratie.

    Und wenn der Vorhang fällt, bleibt vor allem eine Frage offen: Wer hat eigentlich das Stück bestellt – und warum darf das Publikum den Hauptdarsteller nicht abwählen? Oder wird Babler stöhnend Fragen: „Auch du, mein Sohn Marterbauer?“

    https://www.youtube.com/watch?v=tPJLVqgZQ9U

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