
Geist und Ungeist im Netz
Heute wird man wieder viel öfter mit dem Begriff „Darknet“ und seinen Auswüchsen konfrontiert. Die bildliche Darstellung mißbrauchter Kinder, umgangssprachlich kurz als „Kinderpornographie“ bezeichnet, schwirrt nun wieder auf Grund des Falles um den Schauspieler Florian Teichtmeister gedanklich durch die Köpfe der entsetzten Menschen. Waffenhandel, Drogenhandel, die Weitergabe von Kontoinformationen und das Erpressergeschäft mit gestohlenen Unternehmensdaten. Immer wieder geht es ums Darknet. Dabei gibt es DAS Darknet gar nicht. Vielmehr ist es die Ansammlung verschiedenster besonders gesicherter Netzwerke. Die Verbindungen werden über spezielle Browser zwischen Einzelpersonen hergestellt. Die gesamten Netzwerke sind allerdings nicht miteinander verbunden. Möglichkeiten, sich die gewünschten Seiten über eine Suchmaschine ausfindig zu machen, gibt es dementsprechend eher nicht.
Und man fragt sich laienhaft, wie es einerseits möglich ist, daß die Behörden sofort – oft übertrieben gnadenlos – zugreifen können, wenn sich bspw. eine politische exponierte Person von einem anonym auftretenden User durch den Kakao gezogen fühlt, andererseits keine für den sichtbaren Aktivitäten beim Aufspüren und Zerstören von verbrecherischen Tausch- oder Handelsbörsen erkennbar sind.
Das Problem liegt in der Verschlüsselung bei den Datenübermittlungen. Oft wird die in mehreren „Schichten“ praktizierten Schutz- oder Verschlüsselungsmechanismen mit den Schalen von Zwiebeln verglichen. Die Zwiebel (engl. Onion) ist auch Symbol und Namensgeber für etliche Dienste des „Darknets“. Der sicherlich bekannteste genutzte Browser ist „Tor“, früher noch als „TOR“ bekannt, was ursprünglich für „The Onion Routing“ stand.

Jedoch ist dieses Netzwerk nicht nur der Spielplatz für Triebtäter, Waffen- und Drogenhändler, sondern auch für immer mehr Menschen, die sich unbemerkt von der eigenen Regierung vernetzen und informieren wollen. So stellten 2019 die britische BBC und der Sender Deutsche Welle ihre Seiten auch auf dem Tor-Netzwerk zum Abruf bereit.
Für die User in China, im Iran und vielen anderen Ländern wird der Tor-Browser von westlichen Organisationen beworben.
Gleichzeitig gab und gibt es massive Bestrebungen von Nachrichtendiensten – allen voran der US-amerikanischen NSA, unzählige Versuche, die User von Tor zu „deanonymisieren“. Hauptsächlich versucht man dies über Protokollierungsprogramme zu erreichen, die man durch Hineinhacken im Netzwerk installiert. Allerdings sind diese Versuche bislang nur von eingeschränkten Erfolg gekrönt gewesen. Also effektiv gar keinem, soweit man hier offiziellen Verlautbarungen Glauben schenken kann.

Interessant sind auch die Zahlen über die Nutzeraktivitäten von Browsern wie Tor. Spitzenreiter in Europa dürften die Niederlande und Italien mit jeweils über 200 Tor-Usern pro 100.000 Internet-User am Tag sein.
Zum Abschluß etwas Positives: Diverse Tausch- und Handelsplätze für „Kinderpornographie“ werden regelmäßig aufgedeckt. Allerdings nicht von Behörden, sondern von Hackern, denen dies genauso ein Graus ist, wie jedem anderen Menschen.
Bilder:
Tor-Logo © wikipedia / The Tor Project, Inc. / cc by 3.0 US
Nutzer-Grafik © wikipedia / Stefano.desabbata / cc by-sa 4.0