Schön sprechen, bittschön!

(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten

Ein Kommentar.

Kein Sonntag ohne bissigen Kommentar aus unserer Feder! Doch heute wird ’s garstig, denn wir sehen uns die Sprache und den damit verbundenen Hintergrund der Politikersprache an.

Was würde Konrad Duden, der Herausgeber des ersten richtigen Wörterbuchs und sein Namensgeber zu den sprachlichen Auswüchsen unserer Zeit sagen? Höchstwahrscheinlich nichts Freundliches. Sei ’s drum!
Neben den in der Schrift praktizierten Bosheiten gegen unsere Sprache in Form einer „gendergerechten“ Sprache, die ausschließlich darauf beruhen, daß einige Nebenerwerbsrevoluzzer unfähig oder unwillig sind, zwischen dem Genus und dem Sexus, also dem biologischen und tatsächlichen Geschlecht und der grammatikalischen Geschlechtszuordnung zu unterscheiden, tun sich auch andere sprachliche Abgründe auf.



Bekannt sind bereits Begriffe, wie „suboptimaler Verlauf“, wenn irgendein Ablauf komplett in die Hose ging und man einen Trümmerhaufen als kleines Hoppala darstellen will.
„Alternativlos“ steht neuerdings für die feste Ansicht eines Entscheidungsträgers, sich einen Dreck um Ansichten, Rechte oder Bedürfnisse der betroffenen Menschen zu kümmern.
Ähnlich sieht es beim Satz „Wir schaffen das!“ aus, der seither nur in den seltensten Fällen von den Personen getätigt wird, die sich bei diesem „Schaffen“ auch irgendeiner Anstrengung, Entbehrung oder Gefahr aussetzen. – Ein Klassiker!
Aus dem Bereich der Wirtschaftspolitik kennen wir den Begriff des „Minus-Wachstums“, der nichts anderes als das Gegenteil eines Wachstums, nämlich das Schrumpfen bedeutet. – Hört sich halt nicht so nett an.
Oder „solidarisch“: „Wir müssen uns solidarisch verhalten!“ oder „Wir leben Solidarität!“ sind echte Witzaussagen, wenn man bedenkt, daß Solidarität grundsätzlich auf Freiwilligkeit beruht, und sohin die freie Entscheidung des sich solidarisch verhaltenden Menschen voraussetzt. – Wann konnte sich der Bürger denn das letzte Mal persönlich und frei entscheiden, wenn zur „Solidarität“ aufgerufen wurde?

Einen ganz besonderen Ehrenplatz in dieser Liste sinnentstellender, ja sinnverhöhnender Begriffe bekommt der „EU-Wiederaufbaufonds“.
Nach der entsetzlichen Zurschaustellung maßloser Inkompetenz und Planlosigkeit bei der „Bekämpfung“ der Corona-Pandemie und den damit verbundenen flankierenden Maßnahmen zur Abfederung oder Vermeidung eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs im EU-Raum, basteln die Damen und Herren der EU-Kommission an einem „EU-Wiederaufbaufonds“. Das hört sich doch nett an. Nur wo kommt das Geld her, mit dem dieser Fonds befüllt wird? Nun, einerseits natürlich von den Mitgliedsstaaten selbst, was schon einmal die Absurdität des Vorhabens unterstreicht, andererseits allerdings auch über geborgtes Geld. Und hier wird ’s haarig! Die EU, die bislang genau keinen Beweis dafür erbrachte, daß sie mit dem Geld ihrer Mitglieder umgehen kann, gibt sich selbst den Auftrag, Geld auf dem Kapitalmarkt zu besorgen. Natürlich müssen die Mitgliedsstaaten jeweils diesen Schwachsinn ratifizieren, was bspw. genau diese Woche im österreichischen Nationalrat mit einer breiten Mehrheit von ÖVP, Grünen, Neos und SPÖ geschah. Einzig die Freiheitlichen wehrten sich mit Händen und Füßen gegen diesen seltsamen Mechanismus, der automatisch eine Vergemeinschaftung der Schulden zur Folge hat und einen massiven Eingriff in die Steuerhoheit der einzelnen Staaten darstellt.


Klartext: Die EU kann in gewissen Situationen in die jeweilige Steuerhoheit des Mitgliedsstaates eingreifen, also bspw. Steuern erhöhen oder neue Steuern einführen. Wie weit dies geht, kann man sich nur denken. Die Aufarbeitung dieses Themas ist komplex. Sehr komplex! Auch der Trick, mit dem ein faktischer EU-Vertragsbruch legistisch umschifft wurde, ist noch Gegenstand der Recherche.
Zusammenfassend kann man jetzt schon festhalten, daß Österreich erheblich mehr nach Brüssel zahlen wird, und zusätzlich Haftungen für Schulden anderer Staaten übernimmt. Zudem ist damit zu rechnen, daß sich die EU im Falle des Nichtbezahlens der Forderungen einfach selbst in Österreich bedient.
Das nennt sich dann „Solidarität“. Bitte nachsprechen und im Anschluß applaudieren:
SOLIDARITÄT!

Doch auch ein anderes sprachliches Phänomen hat Einzug in die österreichische Polit-Kommunikation gehalten: Man beleidigt wieder! Aber so richtig! Nicht die feine Klinge, ja nicht einmal das Breitschwert, sondern die Keule findet Anwendung und der Spitzenreiter der benutzten und (natürlich versehentlich) dahingeredeten Beleidigungen ist das „Oarschloch“.

Einfach mal mit Herzenslust beleidigen…



So ging es diese Woche heiß her, als man in einer Diskussion auf Servus-TV die Möglichkeiten, Klimapolitik umzusetzen auslotete. Und als die Frage auftauchte, was mit den Menschen sei, die sich diesem Klima-Diktat nicht beugen wollen – Immerhin wurde über Flugverbote, Verteuerung von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern, ja der Verunmöglichung des privaten Kfz-Gebrauchs schwadroniert – meinte Gebi Mair, Klubobmann der Tiroler Grünen, doch ernsthaft: „Die paar Arschlöcher hält die Gesellschaft locker aus…“ Na bumm! So sieht es aus, wenn der Grünpolitiker versehentlich sagt, was er denkt und keinen Politsprachfilter nutzt. Am Tag darauf entschuldigte sich der Grüne für seine Wortwahl (nicht für den dahinter stehenden Gedanken).
Trotzdem, bitte notieren und merken: Wer anderer Meinung ist und sich gegen Maßnahmen der grünen Nanny-Partei stellt, ist ein Arschloch.
Das Ding mit der Demokratie, der tatsächlichen Funktion von gewählten Abgeordneten und Regierungen sollte sich der Feingeist doch sicherheitshalber noch einmal genauer ansehen. Die Arschlöcher wären ihm dafür sehr dankbar.

Nicht weniger kultiviert und lösungsorientiert ging es diese Woche bei einer Diskussion auf dem Nachrichtensender oe24-TV zu, als der für seine besonders hohe Diskussionskultur bekannte und beliebte ÖVP-Mann Andreas Hanger auf den ohnehin schon massiv angefressenen Neos-Abgeordneten und früheren Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter traf. Was dann vor laufender Kamera folgte, dürfte niemanden überrascht haben: Brandstätter warf der ÖVP vor, den Untersuchungsausschuß mit Unterstützung der wie Kletten an der Macht hängenden Grünen mutwillig abgedreht zu haben und jede Aufklärung mit allen Kräften zu behindern. Hanger wiederum meinte allen Ernstes, daß die Abgeordneten der Neos, speziell Stephanie Krisper, und Jan Krainer von der SPÖ das Klima des U-Ausschußes mit ihren bösen Fragestellungen und respektloses Verhalten vergiften würden. – Eine schon so alte Geschichte, daß dem geneigten Beobachter ein Muskelkater vom Augenrollen droht.

Kein Mann der sanften Kommunikation: Andreas Hanger, ÖVP


Als Hanger dann zum wiederholten Mal versuchte Brandstätter mit einem OMV-Beratervertrag der Gattin des Neosabgeordneten in Verbindung zu bringen, ja ihm sogar vorwarf, Jubelartikel für die Kunden seiner Gattin verfaßt zu haben, wurde die Stimmung ein klein wenig aggressiv. Sichtlich entsetzt über die Schmuddeltaktik Hangers, die Brandstätter eigentlich kennen sollte, fragte er den ÖVP-Mann wieder und wieder: „Was is denn los mit Ihnen? … Warum machen Sie sowas? …) Aber da war Hanger, der Schöngeist schon nicht mehr zu bremsen und er schüttete vor laufender Kamera Dreck aus…
All das ist nichts Besonderes mehr. Leider. Hinter den Kulissen soll es dann nochmal zur Sache gegangen sein, als Helmut Brandstätter dem ÖVP-Mann fürs Grobe, dem Großmeister der Provokation, ein „G’schissenes Oarschloch“ an den Kopf warf.
Diese Wortwahl! Großes Entsetzen macht sich breit und die türkise Truppe, die vor allem für ihren politischen Reinlichkeitssinn bekannt ist, forderte umgehend eine Entschuldigung vom Rüpel Brandstätter. Diesem Lauser!
Losgelöst vom Recht haben oder auch nicht, stellt sich hier doch eine Frage: Wie sehr, wie intensiv und wie lange muß man einen Mann, der das halbe Leben mit der sorgsamen Wahl der Worte verbrachte, sekkieren, bis sich der dazu herab läßt, sein Gegenüber als „G’******** O*********“ zu bezeichnen.

Helmut Brandstätter, Neos – der Mann, dem der Kragen platzte.



Allerdings kann man getrost davon ausgehen, daß auch diese Konflikte, zumindest deren mediale Präsenz einen tieferen Sinn, einen gewollten Hintergrund haben. Damit kann man hervorragend von den Skandalen ablenken, die man am liebsten mit dem Untersuchungsausschuß beerdigt haben will. #beidlgate, die Weigerung der türkisen Regierungshälfte mit den aufklärenden Gremien zusammenzuarbeiten, die unsäglichen Vorgänge, die im „kleinen Untersuchungsausschuß“ behandelt werden, die schnell wieder relativierten Vorstöße, die Wahrheitspflicht bei U-Ausschüssen abzuschaffen, und so weiter… Ein schrecklicher Akt der Ablenkung. Von echten Profis mit viel Aufwand (an Steuergeld) betrieben.
Deshalb können wir uns der wunderbaren Schimpftiraden erfreuen und uns über den garstigen Unterhaltungswert dieser sündhaft teuren Laientruppe erfreuen.

#beidlgate und andere Skandale? … Lääängst in Vergessenheit geraten…




Wir wünschen Ihnen dennoch einen angenehmen Sonntag!
Bleiben Sie uns gewogen!
Bitte unterstützen Sie die heimische Wirtschaft!


Fotos:
Andreas Hanger © Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen
Helmut Brandstätter © wikimedia / Franz Johann Morgenbesser / cc by-sa 2.0

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One thought on “Schön sprechen, bittschön!

  1. sehr gut zusammen gefasst..find ich ausgezeichnet…
    leider werden diese ..öhm..g…a….. ala hanger und diese unfähigen und demokratiefeindlichen türkisen…mit dem münchhausenkanzler…wobei …münchhausen dagegen ja noch ein wahrheitsfanatiker war….von unserem steuergeld bezahlt…
    und unser toller herr bundespräsident…findet es nicht mal der mühe wert…einige wahre…und auch bezeichnende worte zu finden u. zu sagen…
    leider bin ich ja schon pensionist und kann mich gegen das steuern zahlen nicht wehren..denn wenn ich in arbeit stünde..ich war selbständig..würde ich nun mein unternehmen ins ausland verlagern..um nicht diese pagage zu finanzieren…
    vom kanzler abwärts…finanzminister.. .viezekanzler us.w.

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