DAS CABINET DES DR. CALIGARI

Zum 100. Jahrestag der Uraufführung des expressionistischen Meisterwerks

Das Filmschaffen der Weimarer Republik ist nicht nur als die innovativste Zeit des deutschen Kinos anzusehen, sondern als eine DER wegweisenden Epochen der Filmhistorie überhaupt. Zahllose große Namen sind mit dieser Zeit zu verbinden: Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau, Georg Wilhelm Pabst und Paul Leni sind nur einige prominente Beispiele.



Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sollte diese so fruchtbare Phase des deutschen Filmes leider ein Ende finden, viele Meisterregisseure wie Lang und Murnau setzten ihre Karriere in Amerika fort. Ein Meisterwerk der Weimarer Zeit wurde im Februar 1920, also vor genau einhundert Jahren, uraufgeführt: Robert Wienes „Cabinet des Dr. Caligari“, DER Klassiker des expressionistischen Films schlechthin.



Mit Werner Krauß, Conradt Veidt und Lil Dagover prominent besetzt, setzte dieses Werk neue künstlerische Maßstäbe. Besonders hervorzuheben ist der unbedingte Stilwille, mit dem eine phantastisch-bizarre Welt geschaffen wird, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Berühmt geworden sind die gemalten expressionistischen Kulissen und Dekorationen, die mit ihren verzerrten Perspektiven die normalen Raumvorstellungen aufzuheben scheinen. Selbst die Gestaltung der Zwischentitel wurde in dieses künstlerische Programm mit einbezogen. Die Stimmung des Unheimlichen und Phantastischen wird dadurch noch unterstrichen.



Die Geschichte: in eine deutsche Kleinstadt kommt der unheimliche Schausteller Dr. Caligari (Krauß) und präsentiert dem Publikum das Medium Caesare (Veidt), der den Menschen die Zukunft voraussagt. Schon bald ereignen sich mysteriöse Todesfälle…



Eine wesentliche Änderung erfuhr das Drehbuch durch die nachträglich eingefügte Rahmenhandlung, in der die Geschichte von Francis, dem Insassen einer Irrenanstalt, erzählt wird. Dadurch werden die unheimlichen Ereignisse zur Phantasie eines Geisteskranken.



Der Einfluss des „Caligari“ auf den deutschen Stummfilm ist gewaltig, und das nicht nur in formaler Hinsicht. Thematisch findet hier eine Hinwendung zur Phantastik und zum Psychologischen statt – Hauptthemen des deutschen Films der 1920er Jahre. Zugleich wurden hier Möglichkeiten filmischen Ausdrucks durch Kameraführung und Montage demonstriert, die eine ganz eigene Welt zu schaffen imstande waren.

Dr. P.

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