
(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten
Ein Kommentar.
Sehr geehrte Damen und Herren, Österreich hat den politischen Aschermittwoch hinter sich – und wie nach jeder ordentlichen Fastnacht folgt auch hier der Kater. Einer, der nicht nur vom Bier herrührt, sondern von den Reden, den Bildern, den medialen Reflexen und jenen politischen Selbstentlarvungen, die dieser Tag wie ein grelles Scheinwerferlicht freilegt. Wir erleben dieser Tage die Nachwehen eines Rituals, das längst mehr ist als Brauchtum: Der politische Aschermittwoch ist zur jährlichen Standortbestimmung der Parteien geworden – rhetorisch, personell, geistig.
Drei Parteien, drei Bühnen, drei Welten
Unter besonderer Beobachtung standen heuer die Aschermittwochstreffen dreier Parlamentsparteien: das seit Jahrzehnten etablierte Treffen der FPÖ in der Jahn-Turnhalle in Ried, die Veranstaltung der ÖVP in Klagenfurt sowie das SPÖ-Treffen in der Steiermark. Drei Bühnen, drei Atmosphären – und, man muss es sagen, drei sehr unterschiedliche Grade politischer Vitalität.
Ried: Wo Worte wieder etwas gelten
Das größte Aufsehen erregte – und zwar schon vor dem ersten gesprochenen Satz – der politische Aschermittwoch der FPÖ in Ried. Rund 2.000 Plätze, 20 Euro Eintritt, und dennoch: restlos ausverkauft am ersten Tag des Kartenverkaufs. Man stelle sich das einmal bildlich vor: Menschen, die bereit sind, Geld zu bezahlen, um einem Politiker zuzuhören. Nicht wegen eines Galadinners, nicht wegen einer Tombola, sondern wegen der Rede. Für 20 Euro gab es zwar auch eine Halbe Bier und eine Portion Heringssalat – aber der eigentliche Hauptgang war offenkundig das Wort.
Schon der oberösterreichische Landesparteiobmann und Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner zeigte, dass politische Rede mehr sein kann als das Ablesen wohltemperierter Phrasen. Humor, Wortwitz, klare Kante – eine Mischung, die in der österreichischen Innenpolitik rar geworden ist.
Herbert Kickl: Der vielgescholtene Gewinner
Der Hauptredner des Abends, FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl, ließ es danach – im übertragenen Sinne – krachen. Punkt für Punkt arbeitete er die Fehler der Bundesregierung auf, verband Analyse mit Polemik, Ernst mit Schmäh. Ihm war im Vorfeld alles vorgeworfen worden, was der moralische Werkzeugkasten hergibt: verbale Brutalität, Hass, Hetze, Entgleisungspotenzial. Doch Kickl tat seinen Gegnern nicht den Gefallen, diese Karikatur zu bedienen. Er blieb hart im Ton, aber präzise; bissig, aber kontrolliert; scharf, ohne schäbig zu werden.
Wenn er dem SPÖ-Chef attestierte, er habe weniger Anhänger als eine Wiener Straßenbahngarnitur, dann war das keine Beleidigung um der Beleidigung willen, sondern politischer Spott alter Schule. Kickl hatte es schlicht nicht nötig, in die unterste Schublade zu greifen – der Kontrast zu den Mitbewerbern erledigte die Arbeit für ihn.
Klagenfurt: Wenn die ÖVP sich selbst im Weg steht
Ganz anders das Bild in Klagenfurt. Vor deutlich kleinerem Publikum startete der neue ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker sein Aschermittwochsprogramm. Unterstützt wurde er ausgerechnet vom Chef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber. Ein politischer Fehlgriff erster Güte.
Weber bringt es fertig, gleichzeitig das Vertrauen eines schmierigen Gebrauchtwagenhändlers und die Beliebtheit eines eingewachsenen Zehennagels zu vereinen. Als EVP-Chef und Parteifreund von Ursula von der Leyen ist er federführend mitverantwortlich für eine Serie von EU-Entscheidungen, die sich hartnäckig gegen die Interessen breiter Bevölkerungsschichten richten – vom Verbrenner-Aus bis zur technokratischen Bevormundung.
Dass ausgerechnet er als Verstärker für Stocker dienen sollte, wirkte wie politische Sabotage im eigenen Haus. Wer sich neben Weber stellt, braucht keine Gegner mehr.
Steiermark: Die SPÖ und das Glück des Fernbleibens
Die SPÖ wiederum hatte – man muss es so deutlich sagen – Glück. Glück deshalb, weil Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler nicht auftrat. Keine agitatorische Rede im Duktus eines marxistischen Wanderpredigers der 1920er Jahre, kein rhetorisches Dauerfeuer aus Phrasen und Parolen.
Stattdessen sprach Max Lercher, dem man eine gewisse Gegnerschaft zu Babler nachsagt. Seine Rede war inhaltlich nicht überragend, aber auch nicht schmerzerregend – und das allein war in diesem Kontext schon ein Fortschritt. Ein Rundumschlag gegen FPÖ und Regierungspartner, garniert mit ungewohnter Selbstkritik: wenig begeisternd, aber immerhin erträglich.
Der Vergleich, den niemand gewinnen konnte
Am Ende dieses politischen Aschermittwochs drängt sich ein Vergleich auf, den man fast schon unfreiwillig ziehen muss. Stellt man Herbert Kickl und Manfred Weber nebeneinander, entsteht das Bild eines Duells zwischen Prof. Moriarty und Sherlock Holmes. Weber wirkt wie ein Strippenzieher im Halbdunkel der EU-Bürokratie, verstrickt in politische Spinnennetze, die niemand gewählt hat. Kickl hingegen präsentiert sich – ob man ihn mag oder nicht – als einer, der diese Netze sichtbar machen will, der Gaunereien benennt und Mißstände aufzeigt.
Und genau darin liegt der Kern der Nachwehen dieses Aschermittwochs: Nicht in der Lautstärke, nicht im Bierkonsum, nicht in der Zahl der Kameras, sondern in der Frage, wer den Mut hat, Konflikte auszusprechen – und wer sich hinter wohlklingenden Worthülsen versteckt.
Nach dem Aschermittwoch ist vor der Entscheidung
Was bleibt, ist ein politisches Stimmungsbild, das deutlicher kaum sein könnte. Die FPÖ zieht Menschen an, die bereit sind, Eintritt zu zahlen, um zuzuhören. ÖVP und SPÖ wirken, als müssten sie ihr Publikum eher zur Anwesenheit überreden. Der politische Aschermittwoch 2026 war damit weniger ein folkloristisches Ritual als eine Vorwahlkampf-Generalprobe – mit klar verteilten Rollen.
Die Nachwehen werden uns noch beschäftigen. Denn dieser Aschermittwoch hat nicht nur Reden produziert, sondern Wahrheiten freigelegt. Und wie wir wissen: Wahrheiten wirken nach. Manchmal länger als jeder Kater.
So nebenbei bemerkt: Neuwahlen wären die anständigste und eleganteste Lösung!
Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Sonntag!
Bleiben Sie zuversichtlich!
Bleiben Sie uns gewogen!
Bitte unterstützen Sie die heimische Wirtschaft!
Aschermittwoch bei der SPÖ – da werden Fakten mit Sprache verdreht:
Wenn Moral nur selektiv scharf gestellt wird – Aschermittwoch bei der Sozialdemokratische Partei Österreichs in der Steiermark.
Auf der Bühne: Max Lercher.
Nicht auf der Bühne: Parteichef Andreas Babler.
Man könnte fast meinen, selbst innerhalb der Partei herrscht eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um die rhetorische Scharfmacherei geht. Vielleicht war es Terminnot. Vielleicht aber auch das stille Wissen, dass Aschermittwoch und Fakten gelegentlich in getrennten Zügen anreisen.
Im Zentrum der moralischen Empörung: die Freiheitliche Partei Österreichs – angeblich unverantwortlich, weil sie einer weiteren Verschärfung des Waffengesetzes kritisch gegenübersteht.
Nur: Das österreichische Waffengesetz war bereits vor jeder neuen Verschärfung eines der strengeren in Europa.
Psychologisches Gutachten.
Waffenführerschein.
Verlässlichkeitsprüfung.
Regelmäßige Kontrollen.
Keine Vorstrafen.
Wer legal eine Schusswaffe besitzt, wurde gründlicher durchleuchtet als so mancher politische Lebenslauf.
Doch nun zur eigentlichen Pointe.
Wenn wir politische Moral nach Opferzahlen bemessen würden – rein hypothetisch natürlich –, dann müsste die Aschermittwochsrede ganz anders klingen.
Die wahre Massenvernichtungswaffe
Weltweit sterben jährlich rund 1,2 Millionen Menschen im Straßenverkehr.
Nicht im Krieg.
Nicht durch Terror.
Nicht durch Sportschützen.
Sondern im Straßenverkehr.
In Österreich waren es 2023 rund 400 Verkehrstote.
Dazu kommen mehrere Tausend Schwerverletzte.
Hunderte mit dauerhaften Schäden.
Querschnittslähmungen.
Schädel-Hirn-Traumata.
Leben, die in Sekunden von „unterwegs“ auf „dauerhaft eingeschränkt“ umgestellt werden.
Und das sind nur die Zahlen mit Airbags, Knautschzonen, ABS, ESP, Notbremsassistenten, Gurtpflicht und jahrzehntelanger Sicherheitsforschung.
Ohne diese technischen Schutzsysteme lägen die Opferzahlen um ein Vielfaches höher.
Das bedeutet übersetzt:
Wir fahren tagtäglich potenzielle Hochenergie-Werkzeuge mit 150 km/h über Asphalt – und nennen es Mobilität.
Wo bleibt der Psychotest?
Nun die satirische Frage:
Warum kein verpflichtender psychologischer Test alle fünf Jahre für Autofahrer?
Warum keine Zuverlässigkeitsüberprüfung wie beim Waffenbesitz?
Warum darf jemand mit nachgewiesener Alkoholproblematik – sobald die Sperrfrist vorbei ist – wieder 1,5 Tonnen Stahl bewegen?
Warum dürfen 16-Jährige Fahrzeuge lenken, obwohl Impulskontrolle nachweislich noch nicht voll ausgereift ist?
Wenn Gefährdungspotenzial das Maß politischer Empörung wäre, müsste die nächste SPÖ-Forderung lauten:
„Psychotest für alle Lenker. Verlässlichkeitsprüfung für jeden Führerscheinbesitzer. Wiederholungsprüfung alle fünf Jahre. Und bei Depression bitte nur noch Fahrrad.“
Doch erstaunlicherweise gilt beim Auto: wirtschaftliche Notwendigkeit.
Beim legalen Waffenbesitz: moralische Panik.
Empörung nach politischer Verwertbarkeit
Natürlich weiß jeder: Das Auto ist systemrelevant.
Es schafft Arbeitsplätze.
Es bringt Wähler zur Wahlurne.
Es zahlt Mineralölsteuer.
Der legale Waffenbesitzer hingegen ist politisch leichter verwertbar. Symbolpolitik funktioniert nun einmal besser mit moralischem Nebel als mit statistischer Nüchternheit.
Und vielleicht erklärt das auch, warum der Bundesparteivorsitzende an diesem Aschermittwoch fehlte. Wer innerparteiliche Geschlossenheit demonstrieren möchte, sollte sich bei Themen mit faktischer Sprengkraft nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
Denn eines zeigt der Vergleich ziemlich deutlich:
Wenn man Risiko konsequent regulieren wollte, müsste man das Führerscheinrecht radikaler umbauen als jedes Waffengesetz.
Aber das wäre unbequem.
Und unbequem ist selten aschermittwochtauglich.
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Gefährlichkeit allein entscheidet nicht über politische Strenge.
Entscheidend ist, was sich besser skandalisieren lässt.
Und so fährt die Empörung weiter – mit Tempomat, aber ohne Psychotest.
Der Max Lercher hat sich mit seinem Rhetorikversucht zu einem Maxi Lercherl verzwergt – ein lächerlicher Auftritt! Er ist eben nicht mehr aktuell, genauso wie die ganze linke Ideologie.
https://report24.news/linke-gegen-die-demokratie-vergib-ihnen-nicht-denn-sie-wissen-genau-was-sie-tun/
PS: Harald Martensteins Rede anhören – das ist kein Lercherl!°