Die Boykottierer

Die politischen Auseinandersetzungen, im Idealfall der Wettstreit der besten Ideen, ist verroht und hat Formen angenommen, die zu Denken geben sollten. Angehörige anderer politischer Parteien oder Interessensgruppen werden nicht mehr als Mitbewerber wahrgenommen, sondern viel zu oft als Feinde, die man auf die eine oder andere Art vernichten soll. Das beginnt im (vergleichsweise) Kleinen, wenn man dem politischen Gegner unterstellt, daß die von ihm vertretene Meinung eben keine Meinung sei, sondern ein Verbrechen. Sie kennen höchstwahrscheinlich die politische Kampfparole der Linken im deutschsprachigen Raum: „Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ Ziel dieses Spruchs ist nicht das Verhindern von Rassismus, sondern das Vermeiden eines Dialogs mit Menschen anderer Ansicht. Und man kann sich zu 99% sicher sein, daß die so negativ bewertete Meinung höchstwahrscheinlich nichts mit Rassismus (oder einem anderen Kampfbegriff) zu tun hat.

Aber man verleumdet einfach lautstark in diese gewünschte Richtung und fordert gleichzeitig mit fadenscheinigsten Begründungen auf, mit der so gebrandmarkten Person(engruppe) nicht mehr zu reden, sie quasi zu boykottieren.
Um zu solchen Mitteln zu greifen bedarf es nicht nur einer ziemlich beschränkten politischen Bildung sondern auch eines ordentlichen Maßes an Selbstüberhöhung.
Zudem muß man in aller Nüchternheit einmal klarstellen, daß Rassismus sehr wohl „eine Meinung“, oder Teil einer Meinung oder Geisteshaltung oder Ideologie sein kann. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine dumme, vielleicht sogar sehr böse Meinung oder Ideologie. Aber es ist eine Meinung. Das Leugnen einer abgelehnten Meinung ähnelt doch sehr einem kindlichen Reflex, unangenehme oder als grundsätzlich falsch oder bedrohlich empfundene Umstände als nicht existent zu behandeln und zu verdrängen. Kopf in den Sand…

Die vielleicht am häufigsten praktizierte Form des politischen Boykotts spielt sich allerdings auf einer anderen Ebene ab: Auf der ökonomischen Ebene. Man versucht die Vertreter anderer Meinungen finanziell zu schädigen. Bekannt sind hier die moralinsauren Aufrufe, diese oder jene Kleidermarke nicht zu tragen, diese oder jene Gaststätte nicht zu besuchen, oder – besonders pfiffig und so halbwegs aktuell – ein bestimmtes Lied nicht mehr zu hören, zu spielen oder auch nur zu summen.
Beispiele zu diesem Wahnsinn der sinnlosen Boykottiererei:
Ein österreichischer Händler für Ausrüstung und Waffen für Einsatzkräfte in Österreich benötigt, um an Polizei, Bundesheer oder Zollwache überhaupt etwas liefern zu dürfen, den Nachweis einer gültigen Haftpflichtversicherung für seinen Betrieb. Der einfache Weg zum Versicherungsmakler entpuppt sich als unendliche Geschichte. Der Reihe nach bekommt der gute Mann, der für eine politische Partei in der Wirtschaftskammer sitzt, Absagen. Der Reihe nach wird erklärt, daß man sein Gewerbe – also das Ausrüsten österreichischer Polizei-, Bundesheer- oder Zollwache-Angehöriger mit Gürteln, Taschen, Taschenlampen, ggf. Pistolen und Munition – aus ethischen Gründen nicht versichern kann und will. Besonders lustig empfand man diese Absage von einer Versicherungsanstalt, die durch ihre großzügig organisierten Jagdveranstaltungen mit viel Bier, Wein und einer Leistungsschau von Handfeuerwaffen auffällig geworden ist. Da denkt man sich doch gleich einmal seinen Teil dazu.

Die Jugendorganisation einer politischen Partei will eine Fotokamera versichern. Auch hier wird das Geschäft von den Versicherern verweigert. Man argumentiert: Man lehnt die „menschenverachtenden“ Werte dieser Jugendorganisation einer im österreichischen Nationalrat vertretenen Partei ab.
Sie, geschätzte Leserinnen und Leser dürfen jetzt raten, welcher politischen Partei der Waffen- und Ausrüstungshändler und die Jugendorganisation angehörten.

Eine nicht minder interessante Frage ist wohl, wie die Eigentümer, die Aktionäre eines Unternehmens dazu stehen, wenn die Ausführenden es aus weltanschaulichen Gründen ablehnen, von einem potentiellen Kunden Geld anzunehmen. Stellen hier irgendwelche politischen Clowns ihre persönlichen Ansichten über den klar geregelten gesetzlichen Auftrag, das von den Eigentümern investierte Geld nicht zu gefährden, sondern zu mehren?
Diese mehr als fragwürdigen, meist „von oben nach unten“ praktizierten Boykotte mit Erziehungsauftrag bergen ein unbeschreiblich hohes Maß an Peinlichkeit in sich. Eine echte Schande! Zum Fremdschämen. Doch die Vertreter dieser moralischen Selbstüberschätzung bemerken es oft nicht oder erst zu spät, wie sehr sie sich auf dem Holzweg befinden.
Zwei feine „zu spät“-Beispiele:
Die Firma Budweiser in den USA – hat nichts mit Budweiser in unserer tschechischen Nachbarschaft zu tun – will sich modern geben, will auch den eigenen Kunden ein wenig „Wokeness“ aufs Biertrinkerauge drücken und macht eine Werbekampagne mit einer Trans-Person, vielen Regenbogenflaggen und anderem Gedöns. Die Reaktion der Kunden: Ablehnung. Und innerhalb von wenigen Wochen bricht der Markt für „Buds“ ein. Über vier Milliarden Dollar Verlust im Aktienkurs. Der zweitgrößte Bierversorger des Landes fällt auf den vierzehnten Platz zurück.
Peng! Ein Boykott der Kleinen gegen die Großen funktioniert also.

Nach einem peinlichen musikalischen Vorfall auf Sylt bei denen einige Besoffene zum Lied von Gigi D’Agostino ihre Parolen grölten, riefen die hinlänglich bekannten moralischen Selbstüberhöher dazu auf, dieses Lied nie wieder im Radio zu spielen, daß der Verkauf von Tonträgern verboten werden sollte, und auf Veranstaltungen, wie dem Oktoberfest, unbedingt gebannt werden muß.
Das Resultat auf diese besonders dümmliche Aufforderung zur musikalischen Ausgrenzung war, daß das Lied in den Charts nach oben schoß, daß es ein Verkaufshit wurde.


Die Menschen wollen sich eben ungern (um)erziehen lassen. Und wenn eine Personen- oder Interessensgruppe, deren moralisches Fundament einer Spinnwebe ähnelt, plötzlich den Verzicht auf Grund (fragwürdiger) ethischer Maßstäbe fordert, wird es den vielen Menschen, die sich ständig genervt und gegängelt fühlen, einfach zu bunt. Und das ist gut so!

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