
(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten
Ein Kommentar.
Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Leserinnen und Leser!
Damals, also vor langer laaanger Zeit, dazumals, als Gummistiefel noch aus Holz waren, das Wasser noch klar, und die gute Chris Lohner weit mehr als die angenehme Damenstimme bei einer Bahnhofsansage, fanden sich bisweilen die Österreicher am Abend vor dem Fernseher ein. Die Kleinen schauten „Am Dam Des“, vielleicht auch „Es war einmal der Mensch“ und die etwas bis sehr viel älteren TV-Konsumenten erfreuten sich (mehr oder weniger) am „Seniorenclub“, informierten sich bei der „Zeit im Bild“ (deren Name damals noch nicht so abgekürzt war, daß man zwangsweise an Reißverschlüße denkt) und beobachteten das Aufeinanderprallen von Standpunkten im „Club 2“. Eben. Damals.
Kabel- oder Satellitenfernsehen waren weitgehend unbekannt und wer in entsprechender Grenznähe wohnte, bekam neben den (damals) zwei ORF-Sendern vielleicht auch noch etwas vom Fernsehangebot des Nachbarlandes mit.
Das war aber auch damals, als die Vormittagsübertragungen um ca. 13:00 endeten und man bis ca. 17:00 nichts als das Testbild zu sehen bekam und das Abendprogramm etwa um Mitternacht mit dem Abspielen der Bundeshymne endete. Danach: Testbild.

Das Testbild sehen wir heute nicht mehr, wenn wir die TV-Geräte einschalten. Mit dem Verschwinden des Testbilds ging langsam aber sicher auch das Verschwinden des ursprünglichen Auftrags, der ursprünglichen Idee des ORF, des österreichischen Staatsfernsehens, verloren. Der ORF, und hier vor allem das Fernsehen, sollte – so war einmal der großartige Plan – informieren, unterhalten und bilden. Jaja! Die Sache mit dem Bildungsauftrag! Da gab es bei erheblich weniger Sendezeit und geringerer Programmvielfalt Sendungen zum Erlernen fremder Sprachen! Französische, Russisch, Italienisch konnte man mithilfe der Glotze pauken. In Dokumentationen wurden Zusammenhänge in der Biologie, Interessantes aus der Tierwelt erläutert. Aus unzähligen Wissensbereichen wurde berichtet und die jeweiligen Themen wurden regelrecht unterrichtet.
Dazu mag man heute die Augen rollend und seufzend die Schultern zucken. Aber es war der Bildungsauftrag, der den ORF interessant machte. Die Berichterstattung zu den Themen der Politik war ohnehin immer Zankapfel der Herrschaften in Opposition und Regierung und beim Thema Unterhaltung setzte man auf möglichst viele Eigenproduktionen und gute Filme aus Hollywood oder sonst woher… Im Großen und Ganzen also nicht schlecht.

Diese Woche gab es nun eine Wahl des Generaldirektors des ORF. Der Langzeitdirektor Wrabetz wurde – und man kann es schwer anders bezeichnen – abmontiert. Über den Wahlvorgang, die Auswahl der Wahlberechtigten und überhaupt, den gesamten parteipolitisch verseuchten Klüngel der Entscheider des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muß man sich nicht erst auslassen. Es ist ein Bild außer Rand und Band geratenen österreichischen Parteibuch-Geplänkels.
Unbestritten sollte wohl sein, daß sich der ORF vom Anbieter von Bildung zum Erzieher aufgeschwungen hat. Nicht mehr alltagstaugliches Wissen, sondern „Haltung“, ein ideologisiertes Zerrbild meist linker Versatzstücke irgendwelcher Meinungen zu Themen, von denen die Meinungsmacher keine Ahnung haben, wird vermittelt. Das geschieht nicht erst seit Wrabetz, sondern länger, aber unter Alexander Wrabetz wurde es zur „Unternehmenskultur“, der man schwer entfliehen kann. Nicht nur in Nachrichtensendungen wird rücksichtslos gegendert und damit die Sprache in einer Art und Weise zerstört, daß sich Schiller und Goethe, wie Kafka und Torberg im Grabe umdrehen.
Wo es ging und geht, wurde und wird ideologisiert. In einer Filmproduktion über den Kaiser Maximilian wurde seiner Gattin, einer burgundischen Adeligen, der unsägliche Satz „Wir schaffen das!“ in Anbetracht von (Inlands- und Kriegs-) Flüchtlingen in den Mund gelegt. Und bei historischen Dokus war man stets bemüht, einen teils schon grotesk herbeigesponnenen „Multikulti“-Faktor einzubauen.
Für diesen knallhart ideologisierten Kurs ist Wrabetz allemal verantwortlich und damit als Generaldirektor für einen öffentlich-rechtlichen Sender ungeeignet. Daß die Grundlinie der Berichterstattung eine seltsame Bobo-linke Schlagseite hat, ist dem etwas aufmerksameren TV-Konsumenten auch nicht entgangen. Wenn der gefürchtete Armin Wolf seine Interviews führt, kann man an der Parteizugehörigkeit des Befragten schon ablesen, wie schwer der Grad der Inquisitionsfolter sein wird. Ein Faymann, ein Kern, eine Rendi-Wagner. ein Anschober oder Kogler mußten sich nie einem so unangenehmen Watschentanz stellen wie ein Kickl oder Kurz. Dabei sei aber auf jeden Fall zu bemerken, daß Wolf durchaus auch bei den türkisen Regierungsmitgliedern nicht zu seiner vollen Härte und Stärke auflief. Da war er dann doch ein klein wenig schaumgebremst, auch wenn ihm die Interviewpartner, wie einst Gernot Blümel, die Arbeit sehr einfach machten und er den Politiker mit dem seltsam anmutenden Rechtsverständnis bis auf die Grundmauern abbauen hätte können.
Allerdings soll nun – so gehen Gerüchte um – auch Großinquisitor Wolf trotzdem auf einer türkisen Abschußliste stehen. Und man muß Herrn Wolf nicht mögen, aber hier wird augenscheinlich und klar ein (lästiger) kritischer Journalist entsorgt.

Aber all das soll ja jetzt eh bald Schnee von gestern sein. Der neue Generaldirektor wird nicht mehr Alexander Wrabetz, sondern Roland Weißmann heißen. Er wird nicht mehr aus dem links-rot-grünen Spektrum, sondern aus der türkisen Famile kommen. Und lustigerweise wird dieses klare politische Umfärbeprojekt auch noch mit den grünen Stimmen im Gremium der Wahlberechtigten ermöglicht! – Wie das geht? Ganz einfach! Die Wahl ist nicht geheim! Die Wahl zum ORF-Generaldirektor wird so abgehalten, daß ja niemand der zur Wahl entsandten Damen und Herren auf die Idee kommt, nach rationaler Überlegung und Vernunft zu entscheiden. Die ideologischen Schmerzen ob der grünen Stimmen für den türkisen Generaldirektor wurden durch die Vergabe von zwei Direktorsposten an von den Grünen genannte Personen etwas gemildert. So wird die türkise „Aktion ÖBAG“ beim ORF durch ein bißchen „greenwashing“ versüßt.
Das knallharte Umfärben jenseits von reinen Kompetenzüberlegungen geht weiter. Und die Grünen sind bei den politischen Ein- und Umfärbeaktionen nicht nur keinen Deut besser als die von ihnen sonst so gescholtenen anderen Parteien, sondern spür- und sichtbar schlimmer.

Der Karren ist schrecklich verfahren im Bereich des ORF. Und so sehr man einige Produktionen des ORF auch schätzen kann, ist der Weg zurück zum richtigen und „guten“ öffentlich-rechtlichen TV-Sender so gut wie unmöglich geworden. Viel zu viele Player mit (partei-)politischen Interessen versuchen selbst die kleinsten Bereiche des Senders zu vereinnahmen. Und diese Player, in erster Linie der SPÖ, ÖVP und Grünen zuzuordnen, kämpfen mit Zähnen und Klauen um das nach wie vor mächtige Medienunternehmen ORF.

Zum Schluß noch ein Gedanke, warum ein öffentlich-rechtlicher Sender mit all seinen Möglichkeiten nicht Schnee von gestern und keinesfalls zu unterschätzen ist: Die bundesdeutsche Spitzenkandidatin Bärbock, die am laufenden Band und eindrucksvoll unter Beweis stellte, daß sie für die (Spitzen-)Politik oder gar Kanzlerschaft gänzlich ungeeignet ist, wurde und wird von den bundesdeutschen ÖR-Medien geschont, um nicht zu sagen unterstützt. Und die Umfragen vor den bundesdeutschen Wahlen zeigen, daß die genannte Obergrüne gar nicht genügend Böcke schießen kann, um im Umfrage-Nirvana zu verschwinden. Hätten die deutschen ÖR-Sender ohne Schlagseite und ohne freundlichem Wohlwollen über die Dame berichterstattet, wäre sie höchstwahrscheinlich samt ihrer Partei längst politisch verstorben.

Irgendwie wird es immer weniger verwunderlich, daß immer mehr Haushalte bewußt auf den Fernseher verzichten und den ORF (wie andere ÖR-Sender) nur noch vom Hörensagen kennen.
Wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Sonntag!
Bleiben Sie uns gewogen!
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Fotos:
BK Kurz und Alexander Wrabetz © wikimedia / BM f Europa, Integration und Äußeres /Foto: Mahmoud / cc by 2.0
Sendezentrum Küniglberg © wikimedia / Thomas Ledl / cc by-sa 3.0 at
ORF-Kamera © wikimedia / wikiolo / cc by-sa 4.0
Armin Wolf © wikimedia / JCS / cc by-sa 3.0 / GFDL