Mecklenburg-Vorpommern vor der Wahl: Wenn die Brandmauer zum eigenen Kerker wird

Am 20. September 2026 wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt, und die Zahlen sprechen auch an der Ostseeküste eine mehr als deutliche Sprache. Die AfD liegt in den jüngsten Umfragen stabil bei 36% – 37%, die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kommt auf 28%, die Linke auf 11%, die CDU dümpelt bei 10%, die Grünen fürchten schon die 5%-Hürde, das BSW scheitert knapp darunter. Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD, formuliert es sehr unmißverständlich: „Es geht in Richtung Alleinregierung.“ Man mag den Optimismus für kühn halten, doch der Trend ist unübersehbar. Während im benachbarten Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund die Partei mit charismatischer Klarheit und bodenständigem Pathos in die Nähe der Macht führt, mausert sich die AfD auch in Mecklenburg-Vorpommern zum Hoffnungsträger jener Bürger, die der rot-roten Dauerherrschaft und dem bundespolitischen Chaos endgültig überdrüssig sind.

Die Brandmauer als selbst gebauter Kerker
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern liefert derzeit ein Lehrbeispiel in Sachen politischer Selbstfesselung. Landeschef und Spitzenkandidat Daniel Peters signalisierte zunächst Offenheit für eine Zusammenarbeit mit der Linken. „Das wäre wahrscheinlich so“, sagte er mit Blick auf die Umfragewerte, als es um mögliche Mehrheiten jenseits der AfD ging. Mit der AfD hingegen? „Nein.“ Die Partei sei eine „Chaostruppe“. Wenig später ruderte er heftig zurück: Er habe die Frage „falsch verstanden“. Mit der Linken werde es keine Koalition geben, die Beschlüsse seien bindend. Minderheitsregierungen seien denkbar. Man kennt das Spiel. Die Brandmauer, die man sich von linken Parteien und Medien hat einreden lassen, wird zum Kerker, in dem die CDU nun selbst gefangen sitzt. Während sie nach links hin immer flexibler wird – man erinnere sich an die einstigen „roten Socken“ –, bleibt die Absperrung nach rechts eisern. Das Ergebnis: 10% und die Aussicht, als Juniorpartner einer wie auch immer gearteten Fortsetzungsregierung zu fungieren, die den Bürgern nichts Neues bieten wird. Peters’ Verzweiflung ist greifbar. Er will „unbedingt“ regieren. Die Wähler scheinen das weniger zwingend notwendig zu finden.

Grüne Selbstzerfleischung und SPD-Müdigkeit
Bei den Grünen ging es derweil weniger vornehm zu. Die Partei schoß den eigenen Spitzenkandidaten ab – genauer: die Spitzenkandidatin Constanze Oehlrich. Parteintern wurde die Vorgangsweise hinter vorgehaltener Hand als plumpe Intrige bezeichnet. Vorwürfe des Machtmißbrauchs und der Belästigung, öffentliche Demütigungen, Fraktionsausschlüsse und schließlich die Neuwahl der Liste. Claudia Müller übernahm den ersten Platz, Ole Krüger den zweiten. Der Landesverband, ohnehin klein und zerstritten, präsentierte sich als Paradebeispiel in Sachen interner Säuberung. Die 5% in den Umfragen wirken da fast noch großzügig. Wer die eigene Truppe so behandelt, darf sich über mangelndes Vertrauen der Wähler nicht wundern.

Die SPD hat unterdessen abgewirtschaftet, auch wenn Schwesig der Amtsbonus noch einigermaßen rettet. Von einst fast 40% bei der letzten Landtagswahl ist man in der Zwischenzeit weit entfernt. Die Arbeit der SPD in der Bundesregierung – Migrationschaos, Energiepreise, Bürokratie – wirft kein gutes Licht auf die Landesmutter. Schwesig gibt sich unglaubwürdig zweckoptimistisch und spricht von einem „positiven Trend“. Die Zahlen zeigen eher, dass die Bürger zwischen Amtsbonus und bundespolitischem Frust schwanken. Rot-Rot hätte keine Mehrheit mehr. Selbst mit den Grünen wird es eng. Die Linke hält sich stabil, doch das reicht nicht für die Fortsetzung des alten Spiels. Man hat ausgespielt.

Experten und Realitätsverlust bei der CDU
Die CDU sucht derweil Experten – und stößt, sobald es sich um echte Fachleute handelt, auf Kritik am Kurs der Bundes-CDU. Daniel Peters selbst äußerte sich kritisch zu Grundgesetzänderungen als „Einfallstor für klagefreudige Lobbygruppen“. Mit dieser SPD gebe es keine Reformen, ließ er verlauten. Doch statt die Konsequenzen zu ziehen und die Brandmauer einzureißen, verharrt man in der selbstgewählten Isolation. Merz’ Auftritte im Land wurden mit enden wollendem Beifall bedacht – ein Symbol für die völlige Entfremdung. Die Union wirkt wie ein Patient, der die Diagnose kennt, aber die Medizin verweigert.

Die blauen Hoffnungsträger
Während die etablierten Parteien in Panikreaktionen verfallen – von grünen Intrigen über CDU-Rückzieher bis zu SPD-Beschwichtigungen –, formiert sich die AfD als klare Alternative. Holm spricht von Ordnung und Alleinregierung. Die Bürger, die 6000 Einwendungen gegen überdimensionierte Windparkpläne einreichen, die Schulskandale und pädagogische Totalausfälle erleben, die Machetenüberfälle und islamistische Bedrohungen wahrnehmen, die Steuergeldverschwendung für „Demokratieförderung“ und Fantasieprojekte beobachten, finden in der AfD jene Stimme, welche diese brennenden Probleme beim Namen nennt. Ulrich Siegmunds Erfolg in Sachsen-Anhalt – mit sonnigem Auftreten und klaren Botschaften – zeigt, wohin die Reise gehen kann. In Mecklenburg-Vorpommern wird es voraussichtlich nicht ganz so spektakulär, doch ein erster Platz und ein ordentliches Plus sind greifbar.

Die Panik der Altparteien ist verständlich. Eine AfD, die stärkste Kraft wird, zwingt zum Umdenken – oder zum nächsten Kartellbündnis der Verlierer. Die Brandmauer mag die CDU schützen, doch sie schützt sie vor dem Wählerwillen. Und der weht derzeit frisch von der Ostsee.

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