Ein Gespenst geht um in Europa

Die Rückkehr der Kommunisten

„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet…“ Mit diesen Worten beginnt das „Manifest der kommunistischen Partei“, Marx` und Engels` literarisches Vermächtnis an die Welt Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieser Spruch, der dazumals, 1848, schon in weiten Kreisen als wehleidige Selbstüberhöhung wahrgenommen wurde, wird heute noch trotzig von den Kommunisten unserer Zeit und unserer Breiten wie eine Monstranz vorangetragen. „Wir sind die Wilden! Wir sind die, vor denen sich das Establishment fürchtet!“, denkt sich manch ein Vertreter der Ideologie, die sich das Blutrot als Farbe der Partei und Bewegung wählte.
Es ist eine Fehleinschätzung. Das alte Europa hat keine Angst vor dem Kommunismus. Der Kommunismus ist das alte Europa.

Als Marx und Engels vor 173 Jahren ihr Manifest in die Welt hinaus rülpsten, waren sie mit ihren Ideen und Analysen längst von den sich über den Kontinent verbreitenden Revolutionen überholt worden. Überhaupt sind die Analysen des heute unverständlicherweise als Philosophen gefeierten Karl Marx mehr als fragwürdig und würden einer strengeren Nachfrage – ohne vorauseilendem Gehorsam linker Verehrer – kaum standhalten. Die 1848er Revolutionen haben in ihrem Kern Wünsche und Forderungen zum Ausdruck gebracht, die zwar anfangs noch durch die Kanonen und Bajonette der Herrschenden wieder unterdrückt wurden, deren Geist aber nun frei gesetzt war. Und es war eben ein Geist, Ausdruck menschlichen Denkens und Fühlens, aber kein Gespenst. Der Geist der Freiheit, der Gleichheit vor Gesetzen, der Möglichkeit, sich seine Anführer selbst zu wählen, der Geist einer Welt in der man durch Fleiß und Einsatz etwas für sich und seine Familie schaffen kann. Es ging um den Geist der Wissenschaft, die nicht am Gängelband der Mächtigen hängen sollte, sondern frei und unbeeinflußt forschen können sollte. Es ging um Rechte, um Bürgerrechte. Diese Ideen zusammenfassend kann man die Bewegungen von 1848 getrost als bürgerliche Revolutionen bezeichnen.
Der krasse Gegensatz dazu wohnt dem Geist des Kommunismus inne, bei dem gesteuert wird, bei dem von der Wiege bis zur Bahre, in allen Lebensbereichen das Schicksal der Menschen bestimmt wird. Die Diktatur des Proletariats duldet keine Bürgerrechte, und schon gar keine Bürger.

Daß die Kommunisten „zurückgekehrt“ wären, ist eigentlich auch eine falsche Beschreibung. Schließlich waren sie immer da. Und Wahlergebnisse wie in Graz, wo die Kommunisten nun die stärkste Partei stellen, sind nur logisch, wenn man sich mit dem Geist oder Ungeist, der hinter dem Begriff Kommunismus steht, nicht beschäftigt. Schon 2003 hatten die Grazer Kommunisten ein sehr respektables Wahlergebnis von rund 20%. Es ist also alles nicht neu.
Doch wie soll man nun mit diesem Phänomen umgehen? In der Landeshauptstadt Linz ziehen nun zwei Kommunisten und ein Vertreter der nicht minder linksradikalen Partei WANDL in den Gemeinderat und in Graz wahrscheinlich eine Kommunistin ins Bürgermeisterbüro. Abgesehen von historisch und moralisch ansatzweise ausgebildeten Menschen des sogenannten konservativen Lagers scheint dieser Umstand kaum jemanden zu kümmern. Daß in Graz dieser massive Linksschwenk stattfand, hat wohl sehr stark mit lokalen politischen Umständen, mit einer ungeheuren Wohnungsnot für einkommensschwache Gruppen, und dem schon als Naturrecht wahrgenommenen Anspruch auf Wohnraum diverser Migrantengruppen zu tun. Und die Kommunisten konnten speziell in diesen Gruppen erfolgreich für sich Stimmung machen. Eine unbeschreiblich niedrige Wahlbeteiligung half dieser Partei, die für ihre ausgeprägte Fähigkeit, ihre Leute, ihre Anhänger zu mobilisieren, bekannt ist.
Es ist sicherlich nicht zu erwarten, daß die Grazer Spitzenkandidatin Elke Kahr GULAGs einrichtet. Nicht nur deswegen, weil sie keine Möglichkeit dazu hat, sondern weil sie – zumindest in ihrer Ausstrahlung und ihrem Wirken – sicher eine durchaus freundliche und umgängliche Person ist, die höchstwahrscheinlich niemandem etwas Böses antun will. Und das Gleiche kann man wahrscheinlich auch über ihre Linzer Genossin Grünn sagen, die zuletzt eine Legislaturperiode als einzelne Kommunistin im Linzer Gemeinderat zubrachte und ihre Arbeit sehr ernst nahm.
Diese Vorzeigedamen der Kommunisten, die quasi Österreichs Antwort auf die deutsche Sahra Wagenknecht darstellen sollen, sind nicht das Problem. Es ist das System Kommunismus, das sich dahinter wieder seinen Weg in Richtung Einfluß, in Richtung Macht bahnt, und das unweigerlich und unaufhaltsam wieder Unheil anrichten wird. Es geht um Unheil, das heute von den Kommunisten mit tatkräftiger Unterstützung aller möglichen linken Gruppen, Bewegungen und Strömungen zumindest relativiert, meist dreist geleugnet wird.

GULAG-Museum

So durfte man sich in einer Diskussionssendung eines österreichischen privaten Nachrichtensenders die seltsam anmutenden Erklärungen und Geschichtsbetrachtungen eines Sprechers der österreichischen Kommunisten ansehen und anhören. So meinte der Herr doch allen Ernstes sinngemäß, daß sich die KP nicht von Stalin distanzieren müsse, da er (Anm.: Stalin) doch selbst die Kommunisten verfolgt hätte und somit ein Gegner des Kommunismus war. Weiters machte der junge Herr aus der KP die Gründungspartei der zweiten Republik und erweckte den Eindruck, daß die KP quasi zur DNS der Republik Österreich gehöre, ohne die es nie einen Zusammenbruch des dritten Reichs gegeben hätte. 10% der Kommunisten seien in den Zeiten des Nationalsozialismus ermordet worden, führte der junge Herr Kommunist aus. – Wieviele davon durch Stalins Geheimpolizei den Tod fanden, als diese mit den vom dritten Reich übermittelten Listen von „Feinden des Reichs“ die politischen Gäste der UdSSR durchsuchten, erwähnte der gute Mann der KP nicht. Daß die Kommunistische Partei in den Apriltagen 1945 auf ausdrücklichen Wunsch Stalins in die erste Nachkriegsregierung Österreichs hinein reklamiert wurde, schien dieser Sprecher der KP, der sich eben noch mit so harten Worten vom großen Marschall Stalin lossagte, ebenfalls übersehen zu haben. Die friedliebende kommunistische Arbeiterbewegung, die 1950 mit ihrem Putsch gegen die damalige österreichische Regierung und gegen das Land und seine Menschen scheiterte, ist keine von Philanthropie durchzogene Gruppierung von Gerechtigkeitsfanatikern. Der Kommunismus, der in seiner Grundüberlegung und seinem bedingungslosen Anspruch auf die vollkommene Befehlsgewalt über alle Lebensbereiche, immer irgendwann zur Gewalt greifen muß, weil er wesentlichen Zügen der menschlichen Natur diametral entgegensteht, kann nicht anders. Er, der Kommunismus, und seine Anhänger werden, sobald sie über genügend Macht verfügen, zwangsweise, ja zwanghaft, den Menschen Schaden zufügen. – Nicht weil sie jemandem Böses wollen, sondern weil sie entsprechend ihrer Ideologie dazu gezwungen sind, „das Richtige“ zu tun, und dabei keine Rücksicht zu nehmen.

Karte mit einer Darstellung des GULAG-Lagersystems in dem Millionen Menschen inhaftiert waren und unzählige Menschen ermordet wurden.

Es wäre einfach an der Zeit, den Kommunismus in all seinen Facetten wieder ordentlich aufzuarbeiten. Der beiläufige KPÖ-Protestwähler sollte zur politischen Bildung ein paar Werke Lenins, des Urhebers der GULAG-Lager, lesen müssen. Hier allerdings sollten es Übersetzungen der Originale sein und nicht die kuschelweich gemachten, entzahnten und entschärften „überarbeiteten“ Werke, die von irgendeinem (höchstwahrscheinlich zwischenzeitig grünen) „Idealisten“ redigiert wurden. Ein Blick in diverse Artikel Karl Marx`, in denen er seine Überlegungen, ganze Völker in Europa auszurotten, da sie als vorindustrielle Gesellschaften „nicht revolutionierbar“ wären…
Der große Bundeskanzler und Staatsmann Bruno Kreisky hatte auf jeden Fall Recht, als er feststellte, daß es keinen einzigen Grund oder Anlaß gäbe, sich mit Kommunisten gemein zu machen.
Das Gespenst des Kommunismus kann man wie jedes andere Gespenst mit Tageslicht und Realitätssinn, schlicht mit Fakten und Wahrheit vertreiben. Dann wird irgendwann einmal der Sargdeckel über dieser ideologischen Mißgeburt zu fallen und zu bleiben.



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