Wie kam das Krokodil aufs Leiberl?

Die Welt der Mode ist von großen Marken und famosen Labels, wie auch von nicht so großartigen Namen, die automatisch mit textilem Schrott verbunden werden, geprägt.
Egal, ob es ein kleines Krokodil, ein Reiter mit Poloschläger (Spoileralarm!), ein Lorbeerkranz, ein stilisierter Adler mit Initialen oder andere mehr oder weniger einfallsreiche Logo-Kreationen sind. Sie haben Wiedererkennungswert und die Macher und Labelinhaber wollen nicht nur zeigen, daß sie das Kleidungsstück hergestellt haben und (hoffentlich) auch stolz darauf sind, sondern sie wollen ein wenig Image, Lebensstil und sicherlich auch einen Qualitätsstandard vermitteln.



Zurück zum Start: Es war einmal…
… ein sehr hervorragender französischer Tennisspieler. Sein Name war Jean René Lacoste und er war ein disziplinierter, fleißiger Spieler. Kein übermäßiges Talent, sondern das, was man landläufig als „Beißer“ bezeichnet. Dieser ehrgeizige junge Mann lernte erst mit 15 Jahren Tennis, gewann aber wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag Bronze beim Herren-Doppel der olympischen Spiele von Paris. Ein echter Beißer! Deshalb bekam er schon sehr früh von anderen Tennisspielern auch den Spitznamen „Krokodil“ verpaßt.



Ein Jahr vor seinem Olympia-Erfolg, 1923, war er als Teil der französischen Davis-Cup-Mannschaft in New York und sein Teamkollege und Davis-Cup-Kapitän Pierre Gillou versprach ihm einen Reisekoffer aus Aligatorleder, falls er am nächsten Tag sein Match gewinnen würde. Lacoste verlor, aber die Anekdote unterstreicht sein „Beißer“-Image.
Als 1927 sein Freund Robert Georges ihm ein Krokodil zeichnete, ließ sich der Franzose den Spitznamen auf sein (damals übliches) Tennis-Jacket sticken. Das Label war unbewußt geboren. Lacoste war mit der damals üblichen Sportbekleidung mehr als unzufrieden und suchte nach einer Alternative, die er im heute überall bekannten Polohemd aus Pique-Stoff fand. Er ließ diese Hemden produzieren und kleine Krokodilaufnäher auf der linken Brustseite annähen. – Das Lacoste-Polo!
Bis heute ist Lacoste eine der wenigen Marken, bei denen das Logo nicht eingestickt, sondern als Aufnäher angebracht wird.



Ein weiterer großer Tennisspieler, der mit Polo-Leibchen und seinem eigenen Label berühmt wurde, war der Engländer Fred Perry. Er startete Ende der 1940er mit dem Modegeschäft. Seine Kleidungsstücke mit dem Lorbeerkranz-Logo haben bis heute das Image des „British Lifestyle“.
Immer wieder kehrende Mythen und Gerüchte, die beiden Tennis-Modeschöpfer Lacoste und Perry hätten einander am Tennisplatz bekriegt, sind im Übrigen nichts als (ganz schwache) Legende. Die beiden Großen traten nie bei einem Bewerb gegeneinander an.





Bilder:
Lacoste Krokodil Logo-Aufnäher © flickr / Justin Taylor / cc by 2.0
Lacoste Parfum: wallpaperflare.com / anne kelly
Fred Perry Polo © wikimedia / stylecountz / flickr / Kuhlman / cc by-sa 2.0

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