Die Wikinger in Köln

Als grimmige Seefahrer, welche die britischen Inseln und den Norden des heutigen Frankreichs angriffen, beraubten, um sich schlußendlich teilweise dort selbst anzusiedeln, sind die Wikinger bekannt.
Doch nicht nur die Küsten, sondern auch das Landesinnere wurde von den Nordmännern heimgesucht. Sie fuhren die Flußläufe hinauf und griffen die damaligen Großstädte an. Reiche Beute war ihnen dabei sicher.



All das gelang durch das wohl wichtigste strategische Kriegsgerät der Wikinger: Ihre Langschiffe. Die innovativen Schiffe aus Eichenholz hatten niedrigen Tiefgang, waren stabil und doch flexibel, sodaß sie auf hoher See genauso einsetzbar waren, wie auf seichten Flußläufen. Sie konnten mit Rudern oder mit Segeln angetrieben werden und waren im Vergleich zu ihren zeitgenößischen Wasserfahrzeugen pfeilschnell.



862 fuhren die Wikinger das erste Mal den Rhein stromaufwärts auf der Suche nach Beute. Sie wurden über 300 km landeinwärts in Köln fündig und plünderten es. Im Gegensatz zum Handelsknotenpunkt Dorestad im Rheindelta, der in Konkurrenz zu den Wikingerhandelszentren stand, wurde Köln nicht verwüstet. Der „Handelskrieg“ mit Dorestad endete mit seiner Auslöschung.



Gut 20 Jahre später, im Winter von 881 auf 882 war die Situation ein wenig anders. Ein großes Wikingerheer befand sich in Flandern (im heutigen Belgien). Städte wie Maastricht, Lüttich und Tongern waren bereits verwüstet und bis auf die Grundmauern niedergebrannt worden. In der Situation entschlossen sich die Wikinger, nachdem sie vom westfränkischen König Ludwig III. geschlagen worden waren, die Städte am Rhein zu belagern und Lösegeld zu erpressen. Wieder traf es Köln, neben Bonn und Neuss, besonders hart. Die Kölner wurden bei der Hin- und bei der Rückfahrt von den Wikingern angeriffen und erpreßt. Die zweite Forderung nach Lösegeld, sogenanntem „Danegeld“, konnten die Kölner Bürger nicht mehr aufbringen, worauf die Wikinger die Stadt niederbrannten.


Die Wikingerüberfälle gingen weiter, trafen aber nie wieder die Rheinmetropole. Im Laufe der Zeit wurden viele Friedensverträge mit den Wikingern geschlossen, einige Wikingeranführer ließen sich taufen und bekamen Ländereien von den früheren Feinden zur Verwaltung geschenkt. Manche ließen sich als Söldner anwerben. Durch Heiraten zwischen den Königskindern und Wikingern wurden tragfähige und friedliche Beziehungen aufgebaut. Einer der wichtigsten und bekanntesten Siedlungsräume im Frankenreich erinnert heute noch im Namen an deren Anwesenheit: Die Normandie.


Bilder:
Wikinger Diorama (Archäologisches Museum Stavanger) © wikimedia / Wolfmann / cc by-sa 4.0

Karte mit Wikingerüberfällen © wikimedia / NordNordWest / cc by-sa 3.0

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