Hollywood an der Isar!

100 Jahre Bavaria Filmstudios

Nicht nur Filmfreunden werden die Bavaria Filmstudios in München, die heuer hundertjähriges Bestehen feiern, ein Begriff sein. Nicht so glamourös wie die Filmmetropole in Los Angeles, ist die Bavaria dennoch aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken. Wer einmal die Atmosphäre eines großen Filmstudios erleben möchte, ohne deswegen gleich über den großen Teich zu fliegen, dem sei ein Besuch der „Bavaria Filmstadt“ mit ihrem 300.000 qm großen Gelände nahe gelegt. Seit 1981 kann man im Rahmen von Führungen die Studios besichtigen, rund eine Viertelmillion Besucher nutzen jährlich die Gelegenheit, das Innere der „U 96“ zu erkunden oder einen Ritt auf dem Rücken des Glücksdrachen Fuchur aus der „Unendlichen Geschichte“ zu unternehmen.



Beeindruckend ist die lange Liste erfolgreicher Filme, die noch in die Stummfilmzeit zurückreicht. So haben in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts der später in Hollywood erfolgreiche Wilhelm Dieterle und der noch am Beginn seiner großen Karriere stehende Alfred Hitchcock in den Münchener Studios gefilmt.

Auch während des nationalsozialistischen Regimes wurde gedreht: Filmgrößen wie Georg Wilhelm Pabst, Paul Verhoeven (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen holländischen Filmemacher) und dem später als Curtis Bernhardt in Hollywood erfolgreichen Kurt Bernhardt gaben sich die Klinke in die Hand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die unbeschädigt gebliebenen Filmstudios der amerikanischen Armee unterstellt, das Gelände durfte aber an andere Produktionsfirmen vermietet werden. Erst 1949 nahm die Bavaria den eigenen Produktionsbetrieb mit der Verfilmung des Volksstückes „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ (mit Paul Hörbiger) wieder auf. Erfolgreiche Produktionen der Fünfziger Jahre waren „Das doppelte Lottchen“ nach dem Roman von Erich Kästner, „Ich denke oft an Piroschka“ und Max Ophüls’ „Lola Montez“. Zu einem der ersten „Straßenfeger“ wurde der Fernsehmehrteiler „So weit die Füße tragen“, entstanden nach dem gleichnamigen Roman von Josef Martin Bauer.



Aber auch internationale Produktionen nutzten die Filmstadt an der Isar: in den frühen Sechzigern arbeiteten Billy Wilder („Eins, zwei, drei“) und John Sturges („Gesprengte Ketten“) in München.



Seit den Siebziger Jahren konnte sich eine neue Generation erfolgreicher deutscher Filmemacher etablieren, auch sie drehten in den Bavaria Filmstudios: Rainer Werner Fassbinders ambitionierte Literaturverfilmung „Berlin Alexanderplatz“, Wolfgang Petersens „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“ entstanden hier.



Viel Beachtung fand auch Ingmar Bergmans „Das Schlangenei“, der erste außerhalb Schwedens gedrehte Film des großen Regisseurs, der sich zu dieser Zeit aufgrund einer Steueraffaire im deutschen „Exil“ befand.



In den beiden letzten Jahrzehnten setzte man vermehrt auf leichte Familienunterhaltung wie „Asterix und Obelix“, „Wickie und die starken Männer“ oder die Michael-Herbig-Komödien. Aber auch mit anspruchsvolleren Sujets war man erfolgreich: Tom Tykwers Verfilmung des Bestseller-Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind lockte alleine in Deutschland über fünf Millionen Besucher in die Kinos, und die Bernd-Eichinger-Produktion „Der Untergang“ konnte eine Oskar-Nominierung als bester ausländischer Film für sich verbuchen – der erst kürzlich verstorbene Bruno Ganz lieferte darin als Adolf Hitler eine vielbeachtete Darstellung ab. Neben den oft auch international erfolgreichen Kinofilmen sorgte die Bavaria auch mit ihren Fernsehproduktionen für Furore: Dietmar Schönherr machte 1966 in „Raumpatrouille Orion“ Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise Konkurrenz, in den Siebzigern folgten erfolgreiche Serien wie „Tatort“, und „Polizeiruf 110“. Auch im neuen Jahrtausend ist man dem Genre des Kriminalfilms mit Krimiserien wie „Rosenheim Cops“ und „Soko Stuttgart“ treu geblieben, aber auch mit Seifenopern wie „Marienhof“ konnte man beim Publikum punkten. Wer nun Lust bekommen hat, selbst einen Eindruck von einem der größten Filmstudios Europas zu bekommen, sollte das jetzt tun: zum hundertsten Jubiläum gibt es eine einmalige Sonderausstellung mit vielen exklusiven Exponaten und Archivmaterial!

Der Gazette-Tipp: „Eine interaktive Zeitreise durch hundert bewegte Jahre“ im neuen Filmstadt Atelier der Bavaria Filmstudios München. Ausstellung anlässlich des hundertjährigen Bestehens. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr.

Bilder © Bavaria Filmstadt
screenshots „Das Boot“ (Szenenbild), Plakate „Eins, Zwei, Drei!“, „Gesprengte Ketten“

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.