Tierschutz am Prüfstand

Rund zwei Wochen nach dem letzten bekannt gewordenen Fall brutaler und ekelerregender Tierquälerei ist es schon wieder ruhig geworden um diese Vorfälle. Ein oder mehrere Täter hatten in und um Linz frei laufenden Katzen den Schwanz bei lebendigem Leib eingeschnitten und dann das Fell abgezogen. Nach unserem Erkenntnisstand verendeten zwei der drei Tiere nach diesem abscheulichen Verbrechen gegen diese Lebewesen. – Problematisch ist hier schon einmal, daß diese Taten im strafrechtlichen Sinne nicht einmal als Verbrechen, sondern „nur“ als Vergehen gelten, da die Höchststrafe unter drei Jahren Haft liegt.

Der Grad an Zivilisation und Kultur einer Gesellschaft läßt sich auf jeden Fall an seinem Umgang mit Tieren messen. In einer hochentwickelten Gesellschaft, die auch einen – vielleicht auch ungerechtfertigt – hohen moralischen Anspruch für sich geltend macht, sollte es nicht nur möglich, sondern zwingend nötig sein, daß man einerseits Tieren unnötiges Leid erspart, und ihnen ein im Rahmen der Möglichkeiten artgerechtes Leben ermöglicht, andererseits Menschen, die Tieren Leid zufügen, eine harte Bestrafung zukommen läßt.


Der Linzer Vizebürgermeister DI Markus Hein (FPÖ)

Doch vor der harten Bestrafung steht auch der Wille, ordentliche Strafverfolgung zu betreiben. Und dieser Wille ist nicht erkennbar. Vor allem fehlt offensichtlich der politische Wille. Abgesehen vom Linzer Vizebürgermeister DI Markus Hein (FPÖ) und dem Obmann der Linzer Jungendorganisation der Blauen, Daniel Hartl, war – so der Augenschein – niemand bislang bereit, politische Schritte in diesem neuen Fall an Grausamkeit gegen Tiere zu setzen. Hein thematisierte die abscheulichen Taten offen und setzte € 1.500,– Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Tierquälers oder der Tierquäler führen, aus. Dieser Betrag wurde in der Zwischenzeit durch eine Unternehmerspende auf € 2.500.– erhöht.
Der Obmann Hartl der jungen Blauen läßt für den sachdienlichen Hinweis zur Ergreifung eine Sachspende im Wert von € 300,– an die Tierrettung OÖ gehen.


Daniel Hartl, FJ Linz

Dazu Daniel Hartl, der diese Initiative für die Jugendorganisation FJ startete: „Man ist fassungslos darüber, daß es wirklich Menschen gibt, die auf die schwächsten Lebewesen, die hilflosesten Geschöpfe in dieser unbeschreiblichen Brutalität losgehen. Diese Katzen sind doch irgendeines Menschen bester Freund und haben Vertrauen zu Menschen. Und genau dieses Vertrauen wurde von unmenschlichen Bestien ausgenutzt. Wir werden keine Ruhe geben, wir werden nicht leise sein, bis der oder die Täter gefaßt sind. Wir stehen auf gegen Tierquälerei! Hier ist ein Ausmaß an Abscheulichkeit erreicht, das ein besonderes Bemühen der Behörden verlangt. – Keine 08/15-Ermittlungen, die nach kurzer Zeit zu den Akten gelegt werden!“

Es bleibt ein unangenehmes Gefühl der Beklommenheit, wenn man sich die Qualen der Tiere, deren unfaßbares Leid vorstellt. Und es bleibt natürlich auch die Aufgabe, der Politik, und vor allem den zuständigen Mandatsträgern, genau auf die Finger zu schauen, wie sie mit diesen Vorfällen umgehen. Die zwei Parteien der Bundesregierung haben sich speziell in solchen Fällen bislang nicht mit Ruhm bekleckert und glänzen durch Nichtstun. Scheinbar haben Tiere für diese Damen nur Wert, wenn man sich für ein PR-Foto in Wahlkampfzeiten mit einem freundlich den Schwanz wedelnden Familienhund fotografieren lassen kann.


Für einige Politiker sind Tiere scheinbar nur zur Selbstinzenierung oder als Wahlkampfwerkzeug interessant.

Fotos:
DI Hein © FPÖ
D. Hartl: privat / FSMedia
Sebastian Kurz mit Hund © sebastian.kurz.at (Screenshot, Ausschnitt der HP)
Wahlplakat V.d.Bellen 2016 © Wahlwerber (nunmehr Bundespräsident) Van der Bellen




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