Mitten in der „närrischen Zeit“

„Als Karneval, Fastnacht, Fassenacht, Fasnacht, Fasnet, Fasching, Fastabend, Fastelovend, Fasteleer oder fünfte Jahreszeit bezeichnet man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der vierzigtägigen bzw. sechswöchigen Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch, und sie dient im Christentum der Vorbereitung auf das Osterfest.“ So trocken wird der Fasching auf wikipedia beschrieben.

Der Ursprung und die eigentliche Idee dieses Treibens lassen sich weit vor das Christentum zurückverfolgen. Schon 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung soll in Mesopotamien, im heutigen Irak, ein mehrtägiges Fest mit „Gleichheitsprinzip“ gefeiert worden sein. Herren und Sklaven waren in dieser Zeit ebenbürtig. Es war die zeitlich begrenzte Freiheit, jedem die Meinung ins Gesicht zusagen und das Verbot, Befehle zu erteilen. – Sozusagen „närrisch“!

Ähnliches auch in alten Rom: Die „Saturnalien“, bei denen jeder, ohne Ansicht des Standes zu einem Gelage geladen war. Egal, ob Sklave, Plebejer oder Patrizier.

Aus dem Mittelalter sind vor allem das auf den Kopf stellen von Hierarchien überliefert. Es wurden Pseudopäbste gewählt, Narren- und Eselsmessen abgehalten. Die Begeisterung der Kirche hielt sich in Grenzen. Allerdings war man hier eher machtlos und ließ den Menschen das Ventil, um ihrem Ärger auch einmal Luft zu machen. Vorerst.
Gerade in Köln versuchte man ab dem 14. Jahrhundert dem lustigen und sicher auch deftigen Treiben, bei dem es oft zu wüsten Zechereien und anderen Exzessen kam, Einhalt zu gebieten. Trotz wiederholter Verbote und Einschränkungen blühte das wilde Brauchtum immer mehr auf. Hier liegen wohl die Ursprünge der Rosenmontagsumzüge.

Der Kampf zwischen Karneval und Fasten – Pieter Bruegel der Ältere

Im 17. Jhd. wurde sogar eine eigene innerstädtische Truppe zur besseren Durchsetzung der Ratsbeschlüße aufgebaut. Sie wurden „Funken“ genannt und sind heute mit ihren historischen Uniformen ein Bestandteil der Kölner Karnevalstradition.

Die Gedanken der Reformation stellten in weiten Teilen des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Fastenzeit vor Ostern und so auch die Tradition der Faschingsfeiern wieder in Frage. Aber sie überstanden auch dies.

Währenddessen entwickelten sich in den Herrschaftshäusern Kostümbälle, meist angelehnt an die italienischen Masqueraden, wie man sie heute noch vom Karneval von Venedig kennt.

Spätestens im 19. Jahrhundert war die fünfte Jahreszeit so weit etabliert, daß man von Seiten der Obrigkeit keinerlei nennenswerte Versuche mehr unternahm, sie zu unterbinden. Während die Feierlichkeiten früher noch von Handwerkszünften und Bürgervereinigungen organisiert wurden, entstanden nun reine Faschings-, Fastnachts- und Karnevalsgilden, die durch Höhen und Tiefen der Geschichte bis heute existent sind und großartige Feiern ermöglichen.


Kostümball 1873

Die närrische Zeit hat viele Namen und unzählige regionale Bräuche. Oft genug unterscheiden sich Bezeichnungen und Eigenarten schon in aneinandergrenzenden Ortschaften.

Am berühmtesten sind wohl der Kölner Karneval mit dem Gruß und Ruf „Kölle Alaaf!“, der Mainzer Karneval mit „Helau!“ und der Villacher Fasching mit „Lei-lei!“.

Ansonsten kann man einen Unterschied in der „Ernsthaftigkeit“ des Betreibens der Gebräuche feststellen. An Rosenmontagen kann es durchaus passieren, daß man in Köln ganze Betriebe nicht erreicht, weil eben Karneval ist. Punkt.



Auf jeden Fall macht die „närrische Zeit“ viel Spaß. – Solange man es nicht übertreibt.

Helau! Lei-lei! Alaaf!





Bilder rechtefrei


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