Was genau „geht auf keine Kuhhaut“?

Sprichwörter und Redewendungen

In der heutigen Ausgabe soll die beliebte Artikelreihe zu den deutschen Sprichwörtern und Redensarten ihre Fortsetzung finden. Einige Redewendungen aus dem Bereich des Handwerks wurden in der letzten Ausgabe bereits vorgestellt. Ergänzen ließe sich die Reihe um etliche Beispiele, wie: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Diese Wendung rührt daher, dass die Bauern ihr Getreide beim Müller mahlen ließen, was oftmals ein längeres Anstellen erforderte. Wer zuerst kam, konnte also – ganz buchstäblich – auch zuerst mahlen. Heute wird dieses Bild nur noch im übertragenen Sinne verwendet in der Bedeutung, sich durch rasches Handeln einen Vorteil verschaffen.



Die Herkunft aus dem Schmiedehandwerk ist offensichtlich bei: „Das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“ Natürlich konnte ein Metallstück nur dann geschmiedet werden, wenn es sich in glühendem, also weichem und formbarem Zustand befand. Heute will man mit dieser immer noch geläufigen Wendung zum Ausdruck bringen, dass man eine günstige Gelegenheit ergreifen soll, solange sie sich bietet.



Auf nicht allzu feine Weise komplimentiert man jemanden aus dem Haus mit den Worten: „Dort hat der Tischler das Loch gelassen“. Dies bezieht sich natürlich auf die vom Tischler für den Türstock ausgesparte Wandöffnung.



Eine etwas unrühmliche Rolle kommt der Jägerzunft im sprichwörtlichen Jägerlatein zu, unterstellt es dem wackeren Waidmann doch, es bei der Schilderung seiner Jagderfolge nicht immer ganz mit der Wahrheit zu halten, vielmehr in prahlerischer Weise zu übertreiben. Der Begriff wird somit für jede Art von nicht recht glaubwürdiger Angeberei verwendet. „Etwas unter den Tisch fallen lassen“ bedeutet, sich stillschweigend und nicht immer ganz redlich einen Gewinn zu verschaffen. Tatsächlich hatten die Schneider oft unter ihrem Tisch eine Kiste für anfallende Stoffreste, worin wohl des öfteren auch größere, noch brauchbare Stücke fielen, die der Schneider für sich behielt.

Zahlreiche Redensarten stehen in einer Verbindung zur Nutztierhaltung, die ja seit Jahrtausenden vom Menschen praktiziert wird. Sprichwörtlich geworden ist das blinde Huhn, das auch ein Korn findet. Darin findet das ziellose Scharren der Hühner seinen Ausdruck, mit dem es seine Nahrung sucht. Die Redensart wird denn auch eher abwertend verwendet für einen Menschen, der ohne Plan und Verstand vorgeht und doch zu Erfolg kommt. „Wie der Ochs vorm Scheunentor stehen“ spiegelt das schwerfällige und phlegmatische Naturell des Zugochsen wider, der unschlüssig vor dem Tor stehen bleibt und nicht weitergeht. Mit diesem Vergleich wird denn auch ein Mensch bedacht, der in einer (überraschenden) Situation nicht zu reagieren weiß.



Dass das Schwein für jede Art der Unreinheit – nämlich im tatsächlichen wie auch übertragenen (z. B. moralischen) Sinne – herhalten muss, liegt offensichtlich in seiner Angewohnheit, sich in Schmutz und Schlamm zu wälzen, ein im übrigen durchaus sinnreiches Verhalten, dass zum einen Kühlung bringt, zum anderen vor Parasiten schützt. „Das geht auf keine Kuhhaut“ hat seinen Ursprung in einem bereits aus dem Mittelalter belegten Predigttraktat. Demnach habe der Teufel während einer Predigt alle sündigen Gedanken der Kirchenbesucher auf einer Kuhhaut notiert – da deren allzu viele waren, musste der Teufel solange an der Haut zerren, bis sie zerriss. So wird die Wendung auch heute noch im negativen Sinn verwendet, wenn man etwa sagt, jemand schwatze soviel Unsinn, dass es auf keine Kuhhaut passe.



Überhaupt ist der Teufel zum Gegenstand zahlloser Sprichwörter und Redensarten geworden. Dem geneigten Leser werden zweifellos eine Menge Beispiele einfallen: „Etwas fürchten, wie der Teufel das Weihwasser“, „Hinter etwas her sein, wie der Teufel hinter der armen Seele“ oder „Vom Teufel geritten werden“ (gebräuchlich für das Begehen einer mutwilligen oder unbedachten Handlung) dürften allgemein bekannt sein. Auf das Neue Testament bezieht sich die Wendung: „Den Teufel mit Beelzebub austreiben“ (Matth. 12,24-27, Luk. 11, 14-19), also ein Übel durch ein anderes, womöglich noch größeres Übel beseitigen.

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