R.I.P. Andrea Kdolsky

Andrea Kdolsky, Ärztin, Managerin und Politikerin ist nicht mehr. Sie verstarb im Alter von 63 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Geboren und aufgewachsen in Wien, absolvierte Andrea Kdolsky zunächst Abschnitte der Studien der Rechtswissenschaften und Handelswissenschaften, bevor sie sich für die Medizin entschied. 1993 promovierte sie an der Universität Wien zur Doktorin der Medizin. Anschließend absolvierte sie die Facharztausbildung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und war unter anderem als Oberärztin am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) tätig. Parallel engagierte sie sich gewerkschaftlich und in der Hochschulpolitik.

Ihr berufliches Interesse galt früh der Organisation und Steuerung des Gesundheitswesens. Nach einem Lehrgang für Krankenhausmanagement und Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien übernahm sie Führungsaufgaben im niederösterreichischen Spitalswesen und war zuletzt medizinische Geschäftsführerin der Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding. In dieser Funktion war sie für die Zusammenführung und Leitung zahlreicher öffentlicher Krankenhäuser verantwortlich.

Von Jänner 2007 bis Dezember 2008 gehörte Andrea Kdolsky der österreichischen Bundesregierung unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer an. Zunächst als Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, ab März 2007 als Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend (ÖVP) setzte sie sich mit Fragen der Gesundheitspolitik, Prävention und Strukturreformen auseinander. Nach dem Ausscheiden aus dem Regierungsamt arbeitete sie als Beraterin im Gesundheitsbereich, veröffentlichte Fachbeiträge und Bücher – darunter „Hauptsache gesund“ – und blieb dem Thema Gesundheitsversorgung verbunden. 2023 trat sie aus der ÖVP aus.

In den letzten Jahren ihres Lebens stellte sich Andrea Kdolsky einer schweren persönlichen Herausforderung: 2024 erhielt sie die Diagnose Darmkrebs, später kam ein Hirntumor hinzu. Sie machte ihre Erkrankung öffentlich, berichtete offen über Diagnosen, Therapien und den Umgang mit der Krankheit und veröffentlichte 2026 das Buch „Blumen in der Wüste“. Zugleich engagierte sie sich für die Unterstützung von Krebspatientinnen und -patienten, unter anderem bei den Planungen für ein Maggie’s Centre in Oberwart, das psychologische, emotionale und soziale Hilfe anbieten soll. Sie betonte die Notwendigkeit größerer Sichtbarkeit und Enttabuisierung der Erkrankung.

Andrea Kdolsky war Ärztin, Managerin und Politikerin, die sich über Jahrzehnte mit den Strukturen und Herausforderungen des österreichischen Gesundheitswesens auseinandersetzte. Ihr Wirken reichte von der klinischen Praxis über die Spitalsorganisation bis in die Bundespolitik und die öffentliche Debatte über Versorgung und Prävention. In ihrer Krankheit bewies sie Offenheit und Engagement für Betroffene.

Die Nachricht von ihrem Tod hat viele Menschen in Österreich berührt. Freunde und Weggefährten würdigten sie als engagierte Persönlichkeit mit großem Herzen, die Verantwortung übernahm und den Dialog suchte. Andrea Kdolsky hinterlässt ein vielfältiges berufliches Lebenswerk im Dienst der Gesundheit.


Titel-/Vorschaubild: wikimedia / Popmuseum / cc by-sa 3.0 de

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