Wenn die Muse den Pinsel führt – Gazmend Freitag würdigt Keti Berisha

Manchmal braucht es nur wenige Worte, um eine ganze Geschichte zu erzählen. Am 6. August 2026 veröffentlichte der Linzer Maler Gazmend Freitag auf seinem Blog einen kurzen, aber herzlichen Beitrag: „Keti Berisha ist langjährige Inspiration für einige Bilder für mich. Ich habe sie über die Jahre in mehreren Porträts und Alltagssituationen verewigt.“ Keine großen Geschichten, kein Pathos – und doch steckt darin eine der schönsten Seiten der Kunst: die leise, dauerhafte Bewunderung für einen Menschen, der den eigenen Blick verändert.

Gazmend Freitag, 1968 im kosovarischen Pataçan i Poshtëm geboren, lebt und arbeitet seit 2004 in Linz. Er ist Porträtist, Landschaftsmaler und Zeichner, der zwischen Impression und Expression, zwischen kosovarischer Erinnerung und oberösterreichischer Gegenwart wandert. Seine Werke hängen in öffentlichen Sammlungen, er porträtiert Bürgermeister, Musiker und alltägliche Gesichter, und er hat sich mit Zyklen zu Bäumen oder der Pöstlingbergbahn als aufmerksamer Beobachter seiner Wahlheimat etabliert. Doch immer wieder kehrt er zu Menschen zurück, die ihn inspirieren – und eine davon ist Keti Berisha.

Keti Berisha, ursprünglich aus dem Kosovo und seit 1998 in Wien zu Hause, war lange vor allem als Friseurin bekannt – mit Leidenschaft für Ästhetik und einem feinen Gespür für Menschen. Kunst war immer da, mal mehr, mal weniger. Erst 2026 hat sie sich offiziell als Künstlerin gezeigt: intuitive Acrylmalerei, schichtweise, aus dem Gefühl heraus, ohne starre Regeln. „Ich male nach Gefühl, Momente und Licht“, schreibt sie. Ihre Bilder entstehen aus Alltag, Familie, Natur und den Menschen um sie herum. Und sie fotografiert – nicht gestellt, sondern mit dem Blick für das Flüchtige: einen Wassertropfen auf einer Blüte, eine Schattenlinie auf Rinde. Freitag selbst hat sie einmal als „fotografja e bukurive“ (Fotografin der Schönheiten) beschrieben, als Sammlerin von Momenten, deren Bilder wie kleine, ehrliche Gedichte wirken.

Genau diese Leichtigkeit und Präsenz scheint Freitag über Jahre angezogen zu haben. Schon 2013 entstand das Ölbild „Keti“ (80 × 80 cm), das in seinem Werkkatalog auftaucht. Weitere Porträts und Szenen aus dem Alltag folgten. 2025 tauchte „Keti në verandë“ auf – eine ruhige, reflektierende Frauengestalt auf einer sonnendurchfluteten Veranda, realistisch und zugleich von einer stillen Harmonie getragen. Freitag malt keine Ideale, sondern Menschen, die Raum einnehmen, die ihren Blick halten und dem Betrachter etwas zurückgeben. Bei Keti Berisha scheint das besonders zu gelingen: Stärke ohne Pose, Schönheit ohne Inszenierung.

Was macht eine solche künstlerische Beziehung so charmant? Vielleicht, daß sie in beide Richtungen wirkt. Freitag, der selbst ein Meister des Porträts ist und Emotionen in Gesichtern und Gesten einfängt, findet in Berisha eine Muse, die nicht stillsitzt und wartet, sondern selbst schafft. Und Berisha, die erst spät den Mut faßte, ihre Kunst öffentlich zu zeigen – mit ersten Ausstellungen 2026 in der Galerie a.fünf und im Showroom 51 –, darf sich von einem etablierten Kollegen gewürdigt wissen. Es ist, als würde der eine dem anderen sagen: „Ich habe dich gesehen – und du hast mich gesehen.“

Natürlich könnte man jetzt tief in kunsthistorische Vergleiche abtauchen oder über Muse und Meister philosophieren. Aber Freitag macht es einfacher und sympathischer. Er schreibt, als würde er einem Freund von einer guten Bekannten erzählen: Sie inspiriert mich, ich male sie, und das seit Jahren. Fertig. In einer Zeit, in der Selbstvermarktung oft lauter ist als die Arbeit selbst, wirkt das erfrischend unprätentiös.

Wer Freitags Website oder Instagram durchstöbert, trifft auf farbenfrohe Landschaften, kraftvolle Porträts und immer wieder auf Momente, die den Alltag adeln. Und wer Keti Berishas Seite besucht, spürt die Freude an Farbe, Schicht und Intuition. Daß diese beiden Künstlerinnen und Künstler – beide mit kosovarischen Wurzeln, beide in Österreich lebend – einander künstlerisch begegnen, ist mehr als eine nette Anekdote. Es ist ein kleines, lebendiges Beispiel dafür, wie Inspiration funktioniert: nicht als Blitzschlag, sondern als langjährige, freundliche Aufmerksamkeit.

Vielleicht ist das der eigentliche Charme von Freitags Blog-Beitrag. Er erinnert uns daran, daß hinter vielen Bildern echte Menschen stehen – und daß es manchmal genügt, sie einfach zu würdigen. Keti Berisha als Inspiration: nicht laut, nicht spektakulär, sondern herzlich und nachhaltig. Genau so, wie gute Kunst oft daherkommt.


Fotos:
Titel-/Vorschaubild: Gazmend Freitag mit Keti Berisha bei der Vernissage in der SVA Wien, Kunstplatz 2015 am 22.10.2015. Foto: Franz Morgenbesser
Beitragsbild/Collage © Gazmend Freitag


https://www.wikiart.org/de/gazmend-freitag

https://www.gazmendfreitag.com

https://www.keti-berisha.com

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