Gute Kinderliteratur erweckt die Neugier auf das Abenteuer Sprache

Wenn ein Großvater mit seinem Enkel über das Lesen philosophiert und dabei den tiefsinnigen kulturellen und menschlichen Wert unserer Muttersprache erkennt.

Mein Enkerl hat mich auf die Idee gebracht diese Texte zu schreiben. Er war, bevor er zu uns ins weststeirische Idyll zur Sommerfrische kam, in der urbanen Hölle von Wien – schaurig! Dort spielen die „Kids“ mit grauslichen Figuren („Action-Figuren“ heißen diese kleinen Plastikmonster) – das Lesen ist dort kein großes Thema. Ich habe festgestellt, dass mein Enkel als Schweizer Schulkind der dritten Klasse Volksschule, den Wiener Kindern der vierten Klasse haushoch überlegen ist! Zu meiner Freude liest mein Enkel sogar problemlos ganze Bücher aus – die „Kids“ der urbanen Vielvölker-Metropole Wien gerade mal Comics.
Wie auch immer – so schaut es jedenfalls aus in einer „Multikulti-Einwanderungsgesellschaft“ – die Pflege unserer Muttersprache durch Lesen von Büchern ist nicht mehr „in“.

Zwischen Sprachverlust und Fantasiewelten – Kinderliteratur als bildungspolitische Schlüsselfrage
Dabei ist die Muttersprache ist kein abstraktes Kulturgut, sondern das Fundament von Denken, Identität und sozialer Orientierung. Gerade im Kindesalter entscheidet sich, ob Sprache zu einem Werkzeug der Weltaneignung wird – oder zu einem brüchigen Konstrukt ohne inneren Halt. Umso alarmierender ist die Entwicklung, die sich sowohl in der aktuellen Kinderliteratur als auch im schulischen Alltag beobachten lässt.

Kinder wachsen heute mit Büchern und Filmen auf, die sie in künstliche Welten entführen: Monster, fremde Spezies, magische Kriege, globale Erlösungsfantasien. Werke wie „Der Herr der Ringe“ oder „Avatar“ mögen literarisch oder filmisch anspruchsvoll sein, sie sind jedoch keine kindgerechten Einstiege in Sprache und Wirklichkeit. Sie setzen ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen voraus, bieten kaum Bezug zur eigenen Lebenswelt und erzeugen nicht selten Angst oder emotionale Überforderung. Fantasie wird hier nicht aus der Realität heraus entwickelt, sondern ersetzt sie.

Für den Deutschunterricht hat diese Entwicklung gravierende Folgen. Sprache entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Zusammenhang mit erfahrbaren Dingen: Natur, Familie, Arbeit, Gemeinschaft, Konflikten des Alltags. Klassische Kinderbücher wie „Der Struwwelpeter“, „Heidi“, „Max und Moritz“ oder auch „Zehn kleine Negerlein“ und “Winnetou” vermittelten Sprache über konkrete Bilder und klare Handlungszusammenhänge, Gut und Böse sind in diese Literatur klare Begriffe. Kinder lernten, wie sich Worte anfühlen, wie Sätze Rhythmus bekommen, wie Geschichten eine Ordnung in die Welt bringen. Diese Bücher waren sprachlich präzise, kulturell verankert und verständlich.

Sprache verliert durch moderne Kinderliteratur die kulturordnende Funktion und wird zum Transportmittel gesellschaftspolitischer Botschaften.
Heute stehen Lehrerinnen und Lehrer zunehmend vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits werden im Unterricht Texte eingesetzt, die selbst für muttersprachliche Kinder schwer zugänglich sind. Andererseits sprechen in vielen Klassen sehr viele Kinder kaum oder gar kein Deutsch. Für sie ist die Schule oft der einzige Ort, an dem sie mit der deutschen Sprache in Berührung kommen. Wenn dort jedoch Fantasiewelten ohne realen Bezug dominieren, fehlt der sprachliche Anker. Worte bleiben leer, Begriffe unverstanden, Sätze werden auswendig gelernt, aber nicht erlebt. Hinzu kommt eine zunehmende Frühsexualisierung in Kinderbüchern, die weder der Sprachentwicklung noch der emotionalen Reife dient. Statt Kindern Zeit für eine naive, geschützte Kindheit zu lassen, werden sie mit Themen konfrontiert, die sie nicht einordnen können. Sprache verliert dadurch ihre ordnende Funktion und wird zum Transportmittel gesellschaftspolitischer Botschaften.

Bildungspolitisch stellt sich daher eine grundlegende Frage: Wollen wir Kinder befähigen, sich sprachlich in ihrer Umwelt zu orientieren – oder sollen sie möglichst früh an abstrakte, globale Utopien angepasst werden? Wer die Muttersprache stärken will, muss bei den Grundlagen ansetzen: bei realitätsnahen Geschichten, bei klarer Sprache, bei kulturellen Bildern, die im Alltag wiederzufinden sind.

Auch die Märchen unserer Tradition verdienen in diesem Zusammenhang eine Neubewertung. Sie sind zwar mitunter grausam, aber sie spiegeln archetypische Erfahrungen wider: Angst, Mut, Reifung, Verantwortung. Märchen vermitteln Werte, ohne sie zu erklären, und sie tun dies in einer Sprache, die über Generationen gewachsen ist. Sie sind ein Schatz für den Deutschunterricht – gerade in sprachlich heterogenen Klassen.

Die Pflege der Muttersprache beginnt nicht mit Kompetenzrastern oder Lehrplänen, sondern mit Geschichten in denen sie sich selbst wiederfinden.
Wenn wir wollen, dass Kinder Deutsch lernen, denken und fühlen können, müssen wir ihnen Geschichten geben, die in dieser Sprache wurzeln. Bücher über Natur, Tiere, das Meer, über Arbeit und Gemeinschaft, über das wirkliche Leben. Die Pflege der Muttersprache beginnt nicht mit Kompetenzrastern oder Lehrplänen, sondern mit Geschichten, die Kinder verstehen – und in denen sie sich selbst wiederfinden. Die Debatte um Kinderbücher ist keine Nebensache des Literaturgeschmacks, sondern eine zentrale Frage von Sprachpolitik und kultureller Verantwortung. Wer Kinder frühzeitig von ihrer realen Umwelt, ihrer Muttersprache und ihren kulturellen Bildern trennt, schwächt ihre Fähigkeit, sich in der Welt zu orientieren – sprachlich wie emotional. Gerade in einer Zeit, in der viele Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule kommen, wäre es Aufgabe des Bildungssystems, Halt, Klarheit und Verständlichkeit zu vermitteln.

Es braucht daher eine bewusste Kehrtwende: im Deutschunterricht, in der Auswahl von Schulbüchern, in der Förderpolitik für Kinder- und Jugendliteratur. Realitätsnahe, sprachlich klare und kulturell verankerte Geschichten müssen wieder Vorrang haben vor abstrakten Fantasiewelten und ideologisch aufgeladenen Themen. Verlage, Pädagogen und Bildungspolitik tragen hier eine gemeinsame Verantwortung.

Kinder haben ein Recht auf eine geschützte, naive Kindheit – und auf eine Sprache, die ihnen die Welt erschließt, statt sie zu entfremden. Die Pflege der Muttersprache beginnt nicht mit Reformen auf dem Papier, sondern mit Geschichten und Büchern, die aus dem Leben kommen.

Mag. Dr. Rudolf Moser
Weltenbummler, Soziologe, Publizist und unterstützendes Mitglied der IG-Muttersprache

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2 thoughts on “Gute Kinderliteratur erweckt die Neugier auf das Abenteuer Sprache

  1. Recht hat er, der Dr. Moser!
    Unsere Kinder haben ein Recht auf eine Muttersprache ohne ideologische Zwangsmaßnahmen wie Genderei oder „woke“ Sprachgebote.

    Weil in Österreich gerade die Regierungsparteien allerlei „Volksbefragungen“ zur Beschäftigung der Wähler ersinnen:

    Wie wäre es mit einer Volksbefragung zur Abschaffung der Genderei in Verwaltung, Behörden, ORF, Schulen, Unis und anderen öffentlichen Institutionen?

  2. Unsere Kinder können nicht mehr unbeschwert und spielerisch heranwachsen. Das Verblödungsgerät Handy wird als Kinderruhestellunsmittel missbraucht (vgl. Manfred Spitzer: Digitale Demenz). Aber wie soll man das abstellen, sind doch die Eltern selbst bereits handysüchtig! Vorbildwirkung?

    Bücher über Frühsexualisierung verunsichern Kinder noch mehr – 72 Geschlechte, gendern, alles woke und linksversifft – wie soll so ein armes Kind in dieser manipulierten Umwelt ein reales Weltbild mit Rollenzuordnung erwerben – aber wie meinte der Papst? „Der Trend zum Zweithund ist ohnehin grösser als der Wunsch nach einem Erstkind“ – bei den Moslems sorgen solche Erziehungsmiseren nur für Kopfschütteln – dafür lernen ihre Kinder den Koran auswendig und dort steht: Christen und Juden töten – auch das muss kritisch hinterfragt werden! Kinder sollen ideologiefrei und ganz besonders gewaltfrei erzogen werden – sonst gibt’s später verwirrte Erwachsene, die im Namen Allahs töten!

    https://www.lebensberater-noe.at/arge-lsb-site/wp-content/uploads/sites/2/2023/02/Buecherliste-Sexualerziehung-im-Alltag_Stand_Feb-2023.pdf

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