
Matthias Hartmann inszeniert Die Räuber neu und verwandelt das Stück in ein multimediales Erlebnis. Die Schauspieler bewegen sich zwischen virtuellen Räumen und interagieren mit voraufgezeichneten Sequenzen. Auf diese Art entsteht ein Film live auf der Bühne – mit acht Kameras, Spezial-Effekten und eigens komponierter Filmmusik.
Zum Inhalt: Schiller veröffentlichte das Stück erstmals 1781, das von zwei Brüdern handelt – der eine ein Verräter, der andere einer, der das Gute will und das Böse schafft und am Ende aus Verzweiflung sein Mädchen ermordet.
14.01.2026, 19:30 – 21:30
Theater Akzent
Theresianumgasse 16-18
1040 Wien
http://www.akzent.at/
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Nun ja – „Zum Inhalt“ oben – eher für den Prof. Mundl Babler gedacht – oder?? man muß nicht alles in einfacher Sprache simplifizieren – schon gar nicht Schiller!!
Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ ist ein Werk des Sturm und Drang, doch seine Themen wirken bis in die Gegenwart hinein erstaunlich aktuell. Das Stück erzählt nicht nur von jugendlicher Rebellion gegen eine ungerechte Ordnung, sondern stellt grundsätzliche Fragen nach Freiheit, Moral, Macht und Menschlichkeit – Fragen, die auch moderne Gesellschaften weiterhin umtreiben.
Im Zentrum steht der Konflikt zwischen den Brüdern Karl und Franz Moor. Karl verkörpert den idealistischen Rebellen, der an der Welt verzweifelt, weil sie seinen moralischen Ansprüchen nicht genügt. Seine Rebellion entspringt einem tiefen Gerechtigkeitssinn und dem Wunsch nach Menschlichkeit, doch sie schlägt in Gewalt um. Franz hingegen steht für kalte Rationalität, Machtgier und moralische Leere. Dieser Gegensatz wirkt heute vertraut: Der Kampf zwischen moralischem Idealismus und zynischem Opportunismus prägt weiterhin politische, gesellschaftliche und persönliche Konflikte.
Gerade Karls Weg macht „Die Räuber“ so zeitgemäß. Er zeigt, wie berechtigte Empörung über Ungerechtigkeit in Radikalität kippen kann. Schiller idealisiert die Gewalt nicht, sondern legt ihre zerstörerischen Konsequenzen offen. Damit greift das Drama ein Problem auf, das auch heute relevant ist: Wie weit darf Widerstand gehen? Wann verliert Rebellion ihre moralische Legitimation? In einer Zeit, in der Protestbewegungen, Extremismus und politische Polarisierung zunehmen, wirkt diese Frage aktueller denn je.
Zugleich ist „Die Räuber“ ein zutiefst menschliches Stück. Schiller zeigt Figuren, die nach Anerkennung, Liebe und Sinn suchen und daran scheitern. Karls innere Zerrissenheit, seine Schuldgefühle und sein Wunsch nach Erlösung machen ihn zu einer modernen Figur. Er ist kein Held im klassischen Sinne, sondern ein Mensch, der zwischen Idealen und Realität zerbricht – ein Motiv, das heutige Leser und Zuschauer unmittelbar anspricht.
Auch der Geist des Sturm und Drang selbst verbindet das Werk mit der Gegenwart. Das Aufbegehren gegen Autoritäten, gegen starre Normen und gegen eine entmenschlichte Ordnung entspricht dem modernen Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Authentizität. Schillers leidenschaftliche Sprache und seine radikale Emotionalität erinnern daran, dass Vernunft allein keine gerechte Gesellschaft schafft, wenn sie nicht von Empathie begleitet wird.
„Die Räuber“ passt deshalb in die heutige Zeit, weil es keine einfachen Antworten liefert. Das Drama warnt ebenso vor blinder Anpassung wie vor zerstörerischer Revolte. Es fordert dazu auf, Menschlichkeit und Verantwortung zusammenzudenken – eine Aufgabe, die im 18. Jahrhundert ebenso ungelöst war wie im 21. Jahrhundert.