Wohnen in Österreich

Wohnen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Niemand sollte Angst haben, das Dach über dem Kopf zu verlieren. So stellt sich das Idealbild dar. Und noch vor gar nicht allzulanger Zeit war Österreich eine Nation der Häuslbauer. Die „eigenen vier Wände“ als elementares Ziel in der Lebensplanung ist in der Zwischenzeit für die große Mehrheit der Menschen in Österreich zum unerreichbaren Traum geworden. Doch geht die Problematik weiter, da nicht nur der Erwerb von Eigentum besonders schwer wurde, sondern für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung auch die Mieten zur kaum erträglichen und teilweise sogar zu hohen Last wurden.
Der essentielle Lebensbereich Wohnen ist durcheinander geraten. Und das geschah nicht ohne Grund und schon gar nicht unvorhersehbar.
Nach über drei Monaten intensiver Recherche konnten wir keinerlei Lösungsansätze von allgemeiner Gültigkeit entdecken. Der „Markt“ ist angespannt wie unübersichtlich. Und je nach Standpunkt wird der Wohnungsmarkt voller Zweckoptimismus über den grünen Klee gelobt oder von durchs Schicksal übel betroffenen Personen verflucht.

Österreich hat ein Problem mit Wohnraum. Egal, ob in den Bereichen des Eigentums oder bei der Miete.
Zwei wesentliche Ursachen dafür sind schnell gefunden und können selbst von Schönrednern und Berufsoptimisten nicht weggeredet werden. Einmal der massive Bevölkerungsanstieg seit 2015. Die sogenannte Flüchtlingskrise brachte nicht nur die unerfüllten Erwartungen auf versprochene Ingenieure, Mediziner und feingeistige Philosophen, sondern vielmehr neue Bewohner, die in den Mietmarkt drängen und teilweise zumindest gefühlt bevorzugt werden.
Ein anderer nachhaltig auf den Markt Einfluß nehmender Faktor ist die Anhebung des europäischen Leitzins, bzw. des EURIBOR. Über ihn werden im EURO-Raum die Zinsen – für Kredite, wie auch Sparguthaben – vorgegeben. Sein von der EZB bestimmter Anstieg trägt auch einen Teil zur in Österreich grassierenden Inflation bei. Allerdings ist der größte teil der Inflation schlicht hausgemacht, also von der derzeit dilettierenden Bundesregierung verantwortet und verschuldet.

Wenn Baumaterialien durch hausgemachte Inflation unverhältnismäßig teurer werden, kann die Bauwirtschaft, die zudem am hausgemachten Fachkräftemangel leidet, nur zu erheblich höheren Preisen bauen und den so entstandenen Wohnraum anbieten. Da allerdings die Kreditzinsen  ebenfalls massiv gestiegen sind, werden sich weniger Kunden für neu errichteten Wohnraum begeistern können. Immer weniger Menschen können es sich leisten. Und so kommt es zu einer erwartbaren Wohnungsnot, einer Wohnraumkrise.
Nach unserer Einschätzung wird sich die Gestaltung von Mieten und Kaufpreisen in den nächsten Monaten und Jahren durchaus noch ändern. Nicht unbedingt in klaren Beträgen, sondern im Verhältnis zu den Durchschnittseinkommen. Und dieses Verhältnis ist in Zeiten der Inflation, einer stetigen Veränderung der Kaufkraft aussagekräftiger.

Der Markt bewegt sich. Und während sich viele Vermittler über das aufkommende Geschäft freuen sehen andere Beteiligte ihren ökonomischen Untergang. Nicht nur Mieter oder Kreditnehmer im privaten Bereich, die sich mit der Kostenlast überfordert sahen haben resigniert. Auch Immobilienentwickler und Bauträger, taffe „Immobilienhaie“ und Investoren wurden von den Entwicklungen überrascht. Viele sahen keinen Ausweg und nahmen sich das Leben. 

In den kommenden Wochen werden wir in dieser Kurzserie „Wohnen in Österreich“ Blicke auf diesen breiten Bereich werfen. Egal, ob Haus oder Wohnung, Eigentum oder Miete, gefördert, frei finanziert, etc… Es sind viele Bereiche, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und sich doch wie kommunizierende Gefäße beeinflußen.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert