Der Tod eines Gemeinderats

Manfred Pühringer, 11.12.1960 – 13.03.2022.

Versuch eines Nachrufs

Geschätzte Leserinnen und Leser, es ist eine traurige und schmerzliche Pflicht, über einen Mann zu berichten, der nicht nur ein guter Freund, ein amüsanter und lustiger Kerl, ein weit über seinen „Wirkungsbereich“ bekannter und beliebter Lokalpolitiker war, sondern vor Allem ein guter Mensch. Ein liebender Ehemann, guter Vater und liebevoller Großvater… Das liest man häufig. Es gehört zu den Textbausteinen eines jeden Nachrufs.
Aber Manfred Pühringer, der Mann, dem diese Zeilen gewidmet sind, war tatsächlich ein guter Mensch, ein guter Gatte, Vater und Großvater.
Und wenn nun eine lange Geschichte über ihn als Motorradfahrer, über ihn und seine Hobbys geschrieben werden würde, wäre er der Erste, der sagt: „Gosch`n! Des hat niemand zu interessieren!“ Er war nämlich auch ein sehr direkter Mensch und hielt mit seiner Meinung nicht lange hinterm Berg. Das machte ihn einzigartig. Das machte ihn zum Original.
Denn Manfred Pühringer war ein Mensch der Freiheit, der Freiheit des Wortes, der Freiheit der Gedanken, auch der Freiheit in der Politik.
Als Manfred Pühringer am Sonntagnachmittag, am 13. März, diese Welt hinter sich ließ, war er nach einem harten beruflichen und durchaus erfolgreichen politischen Leben noch als Gemeinderat für die FPÖ in Linz tätig. Und war eben wirklich „tätig“. Nicht nur zu Wahlkampfzeiten, wenn sich so unzählige Politiker plötzlich wieder in der Öffentlichkeit zeigen und mit Dauerlächeln Hände schütteln. Vielleicht war sein Blick durch seine langjährige Tätigkeit als Arbeitnehmervertreter geschärft, wahrscheinlich hatte er von Haus aus einfach etwas mehr „Gespür“ für Menschen.

Mensch mit politischen Ansichten, Politiker mit Herz.

Nicht WAS er im Laufe der Jahre alles war, sondern WIE er diese Aufgaben erfüllte, wollen wir sehr kurz anschauen.
Eine der wichtigsten Weisheiten, die Manfred Pühringer lebte, war, daß es keine „kleinen Leute“ gibt. Es gibt Menschen, aber keine „kleinen Leute“. Denn auch diese „kleinen Leute“ haben große Gefühle, große Ideen, große Freude und große Schmerzen, große Sorgen und große Hoffnungen. Was soll an diesen Menschen also klein sein? Das einzige, was oft zu klein ist, ist ihr Einkommen. Aber das Einkommen macht nicht die Menschen zu „kleinen Leuten“. Manfred Pühringer begegnete auf Augenhöhe. Das mag den einen oder anderen Herrn DI. Mag. oder Direktor geärgert haben, war aber der Schlüssel, um von weniger gut bestallten Damen und Herren als Vertrauensperson gesehen zu werden. Denn die Menschen, die Bürgerinnen und Bürger ohne gute Beziehungen, ohne gute Jobs, ohne Lobby, erzählten ihm die Sorgen. Und Manfred Pühringer hörte zu. Und wenn er eine Möglichkeit sah, zu helfen, dann tat er es. Und wenn er keine Notwendigkeit, ja vielleicht sogar ein ungerechtfertigtes Anliegen erkannte, hatte er auch den Mut, den Menschen dies so zu erklären. Keine falschen Versprechungen.
Manfred Pühringer bemühte sich oft, und manchmal scheiterte er dabei auch. Aber er probierte es wenigstens. So wird er den Menschen in seiner Umgebung, in „seinem Grätzl“ auch in Erinnerung bleiben.
Er war kein langweiliger Mensch, hatte einen unbeschreiblich wachen Geist und es war stets eine Freude, mit ihm zu diskutieren. Für ihn war es eine selbstverständliche, eine natürliche und notwendige Sache, Freiheit mit Verantwortung zu verbinden. Ein Spagat, den zu viele unserer Zeitgenossen weder begreifen, noch wollen.
Wenn nun viele Menschen geschockt und traurig über den Verlust sind, ist es gerechtfertigt. Seine Nachfolger sehen sich vor Manfred Pühringers riesigen Fußstapfen in der Lokalpolitik und wollen sich bemühen, diese auch auszufüllen. Und das ist auch gut so.
Über einen zu langen Nachruf hätte Manfred Pühringer sicher geschimpft. Zu sehr war er ein Freund klarer und kurzer Aussagen, ein Meister der „Ökonomie der Sprache“.
So bleibt nur noch ein Gruß.

Lieber Mandi, wo immer Du auch bist, Danke für die Zeit mit Dir! Danke dafür, daß Du ein guter Mensch und guter Freund warst!
Wir werden uns wiedersehen!

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2 thoughts on “Der Tod eines Gemeinderats

  1. Sehr gut beschrieben!Er war nicht nur mein Nachfolger als landesobmann der Fa-wir haben viele Jahre gemeinsam in den verschiedensten Gremien und Einrichtungen für die Belange der Arbeitnehmer gekämpft. Oft hat er sich mit seiner direkten Art auch in den eigenen Reihen keine Freunde gemacht..sich nie verbogen und war immer verläßlich. Nicht häufig heute bei den vielen Karriere-Glücksrittern!! Wir sehen uns!!!!

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