Goldrausch in Kalifornien

Der Wettlauf der Glücksritter

Es war ein Montag, als James W. Marshall wie gewohnt seiner Arbeit, dem Bau einer wassergetriebenen Säge am American River nachging. Dieser American River liegt auf dem Land eines emigrierten, naja… eher vor seinen Gläubigern geflüchteten Schweizers namens Sutter (ehem. Suter). Neu-Helvetien hatte Sutter dieses Land genannt. Und der Montag wäre wie jeder andere Montag geblieben, wenn Marshall nicht im Flußbett des American River eine Stück Metal im Wert von fünf Dollar (heute rd. 160 US$/140 €) entdeckt hätte. Gold!


James W. Marshall

Und da weder Marshall noch seine Kollegen gegen die ausdrückliche Anordnung Sutters über den Goldfund schwiegen, machte die Geschichte seine Runde. – Nicht so schnell wie im heutigen Informationszeitalter, aber doch schnell genug. Im März waren die Zeitungen Kaliforniens voll mit der Nachricht über den Goldfund. Und spätestens im Sommer wußte man auch an der Ostküste bescheid und viele Arme, Landsuchende, aber auch Tagediebe und Glücksritter machten sich auf den beschwerlichen Weg nach Kalifornien.


„Sutter’s Mill“. Hier wurde 1848 der erste Goldnugget gefunden.

Der einfachste Weg von New York nach San Francisco führte damals mittels Schiffsreise rund um die beiden amerikanischen Kontinente. Das war damals einfacher, billiger und ungefährlicher als der Landweg quer durch Nordamerika. An die Abkürzung durch den Panama-Kanal dachte man damals nicht. Dieser sollte erst über 6 Jahrzehnte später eröffnet werden und die gefährliche Fahrt um Kap Horn unnötig machen.



Hunderttausende Einwanderer fluteten das Land. Die ansässigen Indianer starben durch eingeschleppte Krankheiten oder wurden von ihrem Land vertrieben. Viele der Ureinwohner wurden einfach getötet und ihre Kinder versklavt. Von den rund 310.000 Angehörigen indigener Stämme im Jahr 1850 waren 1870 noch ca. 30.000 am Leben.
Auch die kalifornische Wirtschaft litt stark unter dem Goldrausch, da viele Arbeiter lieber Gold suchten statt einer Lohntätigkeit nachzugehen. So blieben speziell in der Anfangszeit des Goldrauschs viele Schiffe im Hafen von San Francisco liegen, ohne das die Ladung an Land verbracht wurde, da es an Dockarbeitern fehlte und auch die Matrosen ihr Glück beim Goldschürfen suchten.


Goldnuggets und ein Blechteller zum „Gold waschen“.

Alleine von 1849 bis 1851 brannte San Francisco sechs mal! Obdachlosigkeit, grausamste hygienischen Bedingungen und vor allem die zusammengebrochene Wasserversorgung sorgten rasch für die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen. Die Cholera ging um und sorgte für weiteres Leid.



Gewinner gab es nur sehr wenige aus diesem plötzlichen Goldüberfluß. Händler verkauften ihre Waren zu aberwitzig überteuerten Preisen. Und ein gewisser Levi Strauss machte mit seinem Kurzwarenhandel wunderbare Umsätze, während er immer wieder an einer strapazierfähigen Hose für die groben Ansprüche der Goldschürfer und Minenarbeiter tüftelte. – Gemeinsam mit seinem Partner Jakob Davis sollte er in den 1870ern dieses Problem lösen und die Jeans zum Patent anmelden.
Ein wirklicher Gewinner waren die USA, die den Staat Kalifornien 1850 als 31. Staat in die Union aufnahmen.



Und was wurde aus James Marshall, der das erste Goldnugget fand, und dem Ex-Schweizer Johann August Sutter, auf dessen Land das Gold gefunden wurde? Die beiden gingen leer aus. Marshall konnte seine Funde nie gewinnbringend einsetzen und Sutters Eigentumsrechte wurden faktisch ignoriert. Beide starben vollkommen verarmt.





Goldwaschteller © Nate Cull / cc by 2.0

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