Rettet Weihnachten

Eine Anleitung zum frohen Fest ohne den Besuch von drei Geistern

Ein Kommentar

Warum heute? Warum am 25.12.? Ganz einfach, weil heute der Weihnachtstag ist. Gestern war der heilige Abend, heute ist der eigentliche Fest- und Feiertag. Und damit sind wir auch schon mitten im Thema. Was machen wir zu Weihnachten, wie machen wir das? Abseits von streng religiösen Überlegungen.

Während die Kreditkarten glühten, und die heimischen Kühlschränke über die Belastbarkeitsgrenze befüllt wurde, blieb eindeutig etwas auf der Strecke: „Der Geist der Weihnacht“. Diesen Geist kennt man hoffentlich nicht nur aus dem wunderbaren Buch „Eine Weihnachtsgeschichte / A Christmas Carol“ von Charles Dickens. Die Ebenezer Scrooge von heute sind keine halsstarrigen Geschäftemacher, die eher in den eigenen vier Wänden erfrieren würden, als einen Cent für Heizmaterial auszugeben. Die Scrooges von heute erklären auf die eine oder andere unangebrachte Art, wie Weihnachten zu funktionieren hat.


Manche Scrooges sehen sich als „die Bewahrer der wahren Weihnacht“. Voller Eifer und Entsetzen regen sie sich über jeden Weihnachtsmann auf. „Bei uns gibt ’s das Christkind!“, ätzen sie dahin. Was dabei übersehen wird, ist, daß der Weihnachtsmann nichts anderes ist, als der Nikolaus. Deswegen heißt der gute Mann im angelsächsischen Raum „Santa Claus“. Und ja er bringt Geschenke und ja, er tut dies normalerweise am 6. Dezember. Aber nein, das ist keine Kulturlosigkeit, die von Coca Cola ins Land gebracht wurde. Die „großen Figuren“ der Jahresendes und der damit verbundenen Feste haben alle den ziemlich gleichen Ursprung und „arbeiten“ im Laufe der Jahrhunderte – je nach Region und Brauchtum – sogar zusammen. Egal ob Christkind, Krampus, Santa Claus, Lucia, Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht, usw…
Liebe Leute, das Weihnachtsfest ist kein Reenactment, wo vielleicht sogar Schiedsrichter Noten für das echteste Fest geben. Also ruhig bleiben.



Andere Scrooges machen aus dem Fest einen Geschäftsfall. Sie spielen ein Weihnachtserlebnis, eine Atmosphäre geschwängert von Glühweindunst und Vanillekipferlduft vor. Und Ziel dieser an Freundlichkeit schwer zu übertreffenden Szenarien ist unüberlegter Konsum. Nicht das Element der Zuneigung, der familiären Nächstenliebe, des Zusammenrückens und Zusammenkommens ist Inhalt ihres Gedanken des Schenkens, sondern die Aufforderung zu kaufen. Egal ob nützlich oder unnütz, angebracht, brauchbar. Man hat einen 2 Jahre alten 55 Zoll-Fernseher? Weg damit! Es muß ein neuer her! 60 Zoll! Der „alte“ Fernseher funktioniert aber noch? Wurscht! Ein neuer Fernseher muss her! Geld ausgeben über jedes Maß der Vernunft hinaus! – Aber all das natürlich mit einem Lächeln und Apfel-Zimt-Aroma! Auf dem Weg zum Parkdeck des Einkaufszentrums winkt einem dann ein freundlicher, als Weihnachtsmann verkleideter, Student zu. Er bekommt den absolut notwendigen Mindestlohn.
Hohoho!!! Mit dem Urlaubsgeld in einem halben Jahr decken wir das Weihnachtseinkaufsminus ab. Hohoho!!!




Wieder andere Scrooges wollen schlechtes Gewissen machen! Spenden! Und zwar viel! Und für jeden! Egal ob für krebskranke Sambatänzer in der Subsahara, eine aus recycleten Smoothyfläschchen gebaute Inuit-Kathedrale oder monegassische Klimaflüchtlinge. Man soll spenden! Denn nur wer spendet, ist ein guter Mensch. Da werden schon einmal wilde Geschichten mit herzerreißendenDetails aufgetischt. Da wird auch einmal die Wahrheit auf ein schwer erträgliches, dafür aber sehr einträgliches Maß hingebogen. An sich bibelfeste Herren machen da aus dem Heiligen Paar Maria und Josef schon einmal sogenannte Flüchtlinge. Wissend, daß die beiden vor niemandem flüchteten als sie nach Betlehem kamen, sondern einen Amtsweg, die Registrierung bei der augustinischen Volkszählung, zu erledigen hatten. Der freie Wille der Menschen, das Recht über das eigene Geld zu verfügen, wird mit einer moralischen Beschränkung belegt. Erinnert irgendwie an den Ablaßhandel… Irgendwie… Denn froh und glücklich darf ja nur der sein, der spendet.




Liebe Leser, geschätzte Damen und Herren, es ist wahrscheinlich schon zu spät um im Weihnachtstrubel diesen genannten Scrooges von heute auszuweichen. Aber keine Angst, oder doch viel Angst, diese Scrooges verfolgen Sie das ganze Jahr.
Zur Weihnachtszeit soll es doch in erster Linie darum gehen, daß man Zeit mit den Menschen verbringt, die man mag, die man liebt. Man soll sich gegenseitig Freude machen. Ob dies in Form von Geschenken ist, oder mit der bewußten Aufmerksamkeit, die man sich schenkt, bleibt doch jedem selbst überlassen. Es soll passen und Freude bereiten. Man soll sich auch nicht reinreden lassen, wie man feiert. Ob man eine Weihnachtsmannmütze mit elektrischem Blinklicht trägt, oder sich wie immer kleidet. Lassen Sie sich nichts einreden, nichts schlechtreden, nichts aufschwatzen und miesmachen. Streifen Sie den Streß, den Ärger und die Belastung, die oft mit dem Beruf einhergeht, für diese schöne Zeit ab.
Seien Sie dankbar für die scheinbar selbstverständlichen Dinge.



In diesem Sinne bedanken wir vom GAZETTE OESTERREICH-Team uns bei den Lesern und bei all den Menschen, die über die Feiertage hart für unser aller Wohl arbeiten.

Alles Gute!

Das GAZETTE OESTERREICH-Team!

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