Bürgerkrieg Februar 1934 Keine Sieger. Nur Verlierer!

Als die ersten Schüsse am 12. Februar 1934 in Linz fielen war es bereits zu spät, um noch einmal miteinander zu reden. Es war um Jahre zu spät!
Bereits Anfang der 1920er hatten die grossen politischen Parteien, die Sozialdemokraten und die Christlichsozialen mit ihren Bündnispartnern den Idealismus der noch bei der Gründung der Republik herrschte vergessen und sich bewaffnet. Man hatte die Idee des politischen Disputs am Verhandlungstisch einfach beiseite gefegt und die „Heimwehr“ auf der schwarzen Seite und den „Republikanischen Schutzbund“ auf der roten Seite gegründet. Von nun an war ein permanentes Wettrüsten, Ausbilden, Waffensammeln für den von beiden Seiten herbeigesehnten Tag X das Programm. Und die dazugehörigen Lager hatten Mühe ihre bewaffneten Arme unter Kontrolle zu halten. Das Erschiessen politischer Gegner war zur Normalität weltanschaulicher Auseinandersetzungen geworden.



Der rote Schutzbund war mit über 80.000 Mann beinahe dreimal so stark wie das österreichische Bundesheer. Zudem konzentrierten sich ihre Verbände auf die Industriegebiete und sozialdemokratische Hochburgen in Oberösterreich, Steiermark und die Bundeshauptstadt Wien.
Die Heimwehr war nicht minder gross, aber profitierte in erster Linie davon, dass sie – wenn auch immer wieder murrend – auf der Seite der christlichsozialen Regierung standen. Und als der damalige Bundeskanzler Dollfuß 1933 mit einem Geschäftsordnungstrick das Parlament aushebelte und sich selbst zum mehr oder weniger unangreifbaren Diktator machte, sahen die Heimwehrverbände ihren Zeitpunkt gekommen, die Macht an sich zu reissen. Allerdings wurden sie dabei von der Regierung, der Parteiführung und vor allem von Polizei und Bundesheer gehindert. Man wollte zumindest ein Restmaß an Rechtsstaatlichkeit beibehalten. So blieben die Hahnenschwanzler (umgangssprachlich abfällig für die Mitglieder der Heimwehr) nicht mehr als ein in Räuberzivil verkleideter Sonntagsparadenverein, der dann und wann zusehen durfte, wenn die Polizei ein Schutzbundlokal aushob oder durchsuchte.



Der republikanische Schutzbund hatte sich in der Zwischenzeit zu einer paramilitärischen Bürgerkriegsarmee mit Infantriebewaffnung bis hin zu Granaten und schweren Maschinengewehren entwickelt. Waffen und Munition wurden in Verstecken gehortet. – So wie im Hotel Schiff in Linz dem Ausgangspunkt des Bürgerkriegs.
Entgegen der gerne romantisierten und entschuldigenden Darstellung war der Schutzbund keineswegs die Ansammlung aufrechter Demokraten, die Österreich vor jeder Form des Faschismus zu schützen versuchten. Klare Zielsetzung der Führungsebene war das Errichten einer linksextremen Diktatur nach Vorbild der UdSSR. „Der aktive Teil der Bourgeoisie ist zu isolieren und die Anwendung des Klassenterrors gegenüber verhafteten Gegnern der bürgerlichen Parteien zu verkünden.“, war die Devise. Revolutionstribunale und das rasche „Unschädlichmachen“ von politischen Gegnern, Polizisten, Heeresangehörigen, Bankiers, Gewerbetreibenden, Geistlichen, usw. standen am Programm. Zur beschleunigten Umsetzung dieses geplanten Massenmords hatte man bereits fix fertige „schwarze Listen“ angefertigt.
Die Heimwehr war um nichts besser, wollte bei jeder Gelegenheit „jeden Roten aufhängen“.
In dieser komplett verfahrenen Situation kam am 12. Februar 1934 ein Trupp Polizisten zum Schutzbundlokal im Hotel Schiff in Linz, um es nach Waffen zu durchsuchen. Die so ertappten Schutzbündler liessen dies nicht zu, und eröffneten das Feuer mit einem schweren MG auf die Polizei. Die ersten Toten. Nun kam das Bundesheer. Und der Schutzbund gab österreichweit Alarm, rief zum Generalstreik auf, verschanzte sich in Linz, in Wien, in den Industriegebieten der Steiermark. Der Generalstreik blieb aus. Der Rest ist Geschichte und bekannt. Hunderte Tote auf beiden Seiten. Hinrichtungen, lange Kerkerstrafen, aber auch rasche Amnestien.
Es war zu spät. Die Wunden, die sich die zwei grossen Lager zugefügt hatten, waren zu tief. Schritt für Schritt wandte sich ein grosser Teil der österreichischen Arbeiterbewegung den lachenden Dritten, den Nationalsozialisten zu. Die österreichischen Christlichsozialen hatten es nicht vermitteln können, daß sie im politischen Spiel der totalitären Kräfte im Vergleich zu den Hitleranhängern das kleinere Übel wären.
Im Juli desselben Jahres wurde dann der Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß von Putschisten der illegalen NSDAP ermordet. Ein weiterer Todesstoß für die junge Republik, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat.
Noch heute stehen sich die Lager bei diesem Thema unversöhnlich und ab und zu auch ein wenig unaufrichtig gegenüber. Keine der beiden Parteien war schuldlos. Keiner der beiden Gegner wollte die Demokratie retten. – Das hätten sie nur gemeinsam gekonnt.

Wenn die Leute aufhören, daß sie miteinander reden, fangen sie an, daß sie aufeinander schießen!“ (Anton Enserer *1914, +1995, Teilnehmer am Februaraufstand 1934)

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