
Im südwestafrikanischen Namibia ist die deutsche Sprache lebendiger Teil der afrikanischen Kultur und Gesellschaft
Von Rudolf Moser
Schon über 100 Jahre hat unsere deutsche Muttersprache im südlichen Afrika Bestand und sicherte über Zeit und Raum alte deutsche Tugenden, Werte und Traditionen sowie bewährte Kultur und persönliche Beziehungen. Die deutsche Sprache wirkt noch heute in Namibia als verbindendes Element einer kleinen deutschstämmigen Volksgruppe, die tausende Kilometer von der ursprünglichen Heimat entfernt, an der Südwestküste Afrikas im Großraum von zwei Städten lebt.
Die 8.500 km Entfernung von Europa nach Namibia schafft der moderne Massentourist locker in einem Tag. Der Reisende jedoch, der zwischen 1885 und 1915, ins damalige „Deutsch-Südwestafrika“ mit einem Schiff der berühmten Woermann-Linie gelangen wollte, brauchte für diese Strecke über einen Monat. Dort angekommen, wartete auf die deutschen Kolonialisten eine karge Steppen- und Wüstensavanne, mit wenigen Wasserstellen und Flüssen, die nur währen der Regenzeit ausreichend Wasser führten. Eingeborene Stämme waren im dauernden Kampf um diese begehrten, überlebensnotwendigen Plätze für Mensch und Vieh.

Durch und durch Afrika – und zwischendurch auch sehr, sehr Deutsch
Im Mai 1885 trafen die ersten deutschen „Siedler“ und Beamten ein. Unter ihnen Heinrich Ernst Göring ein Jurist und Diplomat (und Vater von Hermann Göring dem späteren Jagdflieger im WK1, Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe). Als kaiserlicher Kommissar von Deutsch-Südwestafrika hatte Heinrich Ernst Göring, Bismarcks Konzept für das Schutzgebiet umzusetzen, wonach, dort „der Kaufmann und nicht der Bürokrat“ regieren solle. Heinrich Ernst Göring schloss mit Hilfe von ansässigen Missionaren mit den Herero ein Schutzbündnis. Den Herero wurde Schutz vor den Nama unter Hendrik Witbooi versprochen – das Deutsche Schutzgebiet Süd-West-Afrika begann langsam zu entstehen.
Es war und ist ein karges Land mit unendlichen Weiten, endlosen, geraden Schotterpisten und nur dem unermüdlichen Fleiß deutscher Farmer war es zu verdanken, dass in diesem unwirtlichen Landstrich langsam eine Infrastruktur mit Bahn, Heliographen, Pisten, Schulen, Krankenversorgung und einer funktionierenden Verwaltung geschaffen wurde. Deutsche Gründlichkeit eben und diese Tradition hat sich bis heute erhalten.
Deutsch in Namibia ist keine Alltagssprache der breiten Bevölkerung. Nur etwa ein Prozent der Namibier sprechen es als Muttersprache. Doch es ist präsent – wie ein Echo aus der Vergangenheit, das nie ganz verklungen ist. Besonders in Bildung und Tourismus spielt die Sprache eine Rolle. Es gibt deutsche Privatschulen, deutschsprachige Kirchen, Radiostationen und Zeitungen, wie die „Allgemeine Zeitung“, die älteste deutschsprachige Tageszeitung Afrikas. Wer in der Hauptstadt Windhuk landet und weiter westwärts fährt – durch weite Ebenen, trockene Buschlandschaften und den höchste Wüstendünen der Welt, vorbei an hohen Gebirgsketten, erreicht nach etwa vier Stunden Swakopmund, eine kleine Küstenstadt am Atlantik.

Deutsche Sprache – ein Echo der Vergangenheit, das bis in die Gegenwart hallt
Hier wird die deutsche Kolonialvergangenheit fast greifbar. Der Stadtkern ist gesäumt von gut erhaltenen Kolonialbauten: das „Hohenzollernhaus“, das „Alte Amtsgericht“, der Leuchtturm. Cafés werben mit „Käsekuchen nach Oma’s Rezept“, und in den Hotels grüßt man oft mit einem fröhlichen „Grüß Gott“ oder „Guten Morgen“.
Doch die deutsche Präsenz war nicht immer frei von Konflikten. Die deutsche Kolonialzeit war zeitweise brutal – sowohl auf der Seite der Eingeborenen als auch auf Seiten der deutschen Schutztruppe. Denn die Herero und die Nama überfielen plötzlich entlegene deutsche Farmen und töteten auf grausamste Weise die dort angesiedelten Farmer, Plünderungen und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, wie später auch in Rhodesien und heute in Südafrika.
Die zahlenmäßig schwache deutsche Schutztruppe schlug diese Aufstände nicht minder grausam nieder. Leider wird in der heutigen Betrachtung der historischen Ereignisse nicht mit der notwendigen Distanz gearbeitet und die Ereignisse werden nicht aus der Sicht von 1904 von beiden Seiten aus betrachtet.
Claus Nordbruch beschreibt penibel die komplizierten Ereignisse in seinem Buch, „Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwestafrika? Widerlegung einer Lüge.“ Es gab bereits eine Aussöhnung zwischen den einstigen Gegnern, doch durch die neuen politischen Verhältnisse in Namibia versucht man erneut Deutschland zu Reparationszahlungen zu bewegen. Man nutzt die pathologische Schuldhysterie der einstigen Schutzmacht. Angestachelt durch marxistische Ideologie, denn auch Eingeborene sprechen Deutsch, mit sächsischem Akzent. Die DDR bildete viele Afrikaner in Ostdeutschland aus und lehrte sie dort, neben meist technischen Studien, auch die Agitation zur marxistischen Revolution.
Aber generell gibt es heute keine Probleme im Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien, denn Namibia braucht dringend eine gemeinsame Kraftanstrengung, um wirtschaftlich aufzusteigen, die Arbeitslosenrate liegt bei 37 %. Ein Hoffnungsschimmer sind die reichen Bodenschätze, um die sich Russland und China bemühen. Neue. große Uranminen sollen entstehen, allerdings zu Lasten der Trinkwasser-Ressourcen.

Deutsch in Namibia – kein Anachronismus, sondern ein Zukunftsversprechen
Namibia ist ein Land, in dem die deutsche Sprache nicht vergessen ist – aber sie ist auch nicht erstarrt und versteinert. Die deutsche Sprache lebt hier weiter – nicht dominant, nicht laut, aber präsent. Sie ist Teil eines komplexen kulturellen Mosaiks, das von Wunden, aber auch von Hoffnung, Begegnung und gemeinsamer Zukunft erzählt. Und wenn man genau hinhört, dann klingt dieses „Grüß Gott in Afrika“ nicht wie ein Anachronismus – sondern wie ein Gruß, der angekommen ist.
Mag. Dr. Rudolf Moser
Weltenbummler, Soziologe, Publizist und unterstützendes Mitglied der IG-Muttersprache