Robert Stolz

Was würde Verdi sagen

Robert Elisabeth Stolz (* 25.8.1880 in Graz; † 27.6.1975 in Berlin) war ein österreichischer Komponist und Dirigent. Ab 1907 war er Kapellmeister im Theater an der Wien, ging 1924 nach Berlin. 1938 bis 1946 verbrachte er im Exil. Stolz komponierte zahlreiche berühmte Operetten und Filmschlager, wie bspw. „Im Prater blühn wieder die Rosen“ oder „Ob blond, ob braun“.



Der noch junge Kapellmeister Stolz mußte einmal am Deutschen Theater in Brünn kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einspringen und Giuseppe Verdis „Troubadour“ dirigieren. Stolz hatte keine Gelegenheit mit dem Orchester zu proben, sich selbst noch einmal auf das Stück vorzubereiten, und wurde so ins eiskalte Wasser geworfen. Er war tief konzentriert, sodaß er es erst im zweiten Akt einmal wagte, einen Blick ins Publikum zu werfen. Und siehe da! In der Ehrenloge saß ein ihm bekanntes Gesicht. Ein älterer Herr mit grauem Bart beobachtete Stolz mit mißbilligendem Blick. Er kannte diese Person von zahlreichen Fotos. Es war offensichtlich Giuseppe Verdi höchstpersönlich, der nun dem unvorbereiteten jungen Robert Stolz auf die Finger schaute und immer grantiger wurde.
Wieder und wieder warf Stolz einen Blick auf den Herrn in der Ehrenloge. Der Herr dort schüttelte ablehnend den Kopf. Stolz wurde nervöser und blickte weiter zu, wie der bärtige Herr reagiert. Der spran im dritten Akt auf, war sichtlich erbost, verließ die Loge nicht ohne die Tür hinter sich so zuzuwerfen, daß man es im gesamten Theater hörte.
Eine Katastrophe für Stolz. Daß der hochgeschätzte Schöpfer genau dann anwesend war, wenn Stolz als Ersatz, unvorbereitet, ohne Proben, dieses Stück dirigieren muß, war ein Unglücksfall besonderer Güte.
Nach der Vorstellung schlich Stolz in seine Garderobe und fand dort auch noch einen offenen Sarg vor. Darin lag der Giuseppe Verdi. Hat Stolz‘ Leistung als Dirigent das Lebenslicht des Komponisten ausgeblasen?
Nein. Der Tote richtete sich auf, nahm seinen Bart ab und entpuppte sich als der ebenfalls in Brünn tätige Wiener Gesangskomiker Gustav Müller, der diesen Streich gemeinsam mit einem Kollegen Stolz` ausgeheckt hatte, um sich für einen Scherz von Robert Stolz zu revanchieren.

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