
Geist und Ungeist im Internet
„Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz. Da passieren halt gelegentlich Dinge, die nicht gescheit sind…“, sprach der frühere Wiener Bürgermeister Michael Häupl. Und er hatte recht damit! Die angesprochene Unintelligenz ist in diesen Zeiten schon genug Belastung, doch wird sie auch noch von einem hohen Maß an Unanständigkeit und Bosheit begleitet. Und das macht die Situation in den sozialen Medien manchmal beinahe unerträglich.
Bekanntlich haben alle bekannten sozialen Medien ihre eigenen Nutzungsbedingungen, die auch regeln, was auf ihren Plattformen gesagt, oder als Bild gezeigt, oder beworben werden darf. Und wenn ein Nutzer einen solchen verbotenen Beitrag sieht, hat er natürlich die Möglichkeit, ihn beim Betreiber der Plattform zu melden, damit er entfernt wird. Natürlich ist der Sinn dahinter, daß man verbrecherischen oder gewalttätig extremistischen Organisationen oder Personen auf diese Weise den Boden der Öffentlichkeit unter den Füßen weg zieht. Wer Verbotenes verbreiten will, soll keine Möglichkeit dazu haben.
So weit, so gut. Die Unzahl der ständigen Meldungen machen es den sparsamen Betreibern schwer, jeden Fall der Meldung wegen … bspw. Haßrede zu überprüfen. Also übergibt dieses Problem man die den Programmierern. Diese legen nun fest, daß ein Beitrag oder Nutzer, der in einem definierten Zeitraum besonders oft gemeldet wird, für eine gewisse Zeit gesperrt, oder gar endgültig gelöscht wird. Diesen Umstand wiederum machen sich manche „Aktivisten“ zunutze und organisieren wahre Meldestürme, um vollkommen legitime Äußerungen – Wir befinden uns schließlich in Wahlkampfzeiten! – oder Konten löschen zu lassen.

Dieses Phänomen der Niedertracht beobachtet man derzeit österreichweit mit Bezug auf den Präsidentschaftswahlkampf und in zusätzlicher Härte in Tirol, wo im September gewählt wird.
Eine besondere Komik erhält diese Sache, wenn diese konzertierten Meldeattacken, die einen Angriff auf Meinungsfreiheit und Demokratie darstellen, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vor angeblichen Manipulationen durch „die Russen“ warnen. Denn sie selbst sind die „Trollfabriken“, die eine freie Meinungsbildung erschweren und teilweise sogar verhindern
„Wer Verbotenes verbreiten will, soll keine Möglichkeit dazu haben.“
Da ist Erde noch flach und Sonne dreht sich um uns herum.